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Maul-Klinik: Kommunalwahl 2026 und die SPD

Von Thomas Thöne

Die SPD will die insolvente Maul-Klinik kaufen. Klingt fürsorglich: Jobs retten, Notfälle sichern, Versorgung stabilisieren. Doch in Ingolstadt steht das nicht unbedingt für eine Erfolgsgeschichte, sondern nach einem alten Muster: Klinikprojekte sind hier schon mehrfach gescheitert.

Der Kauf der Klinik Dr. Reiser sollte dazu dienen, mit leichten Operationen das Klinikum zu entlasten. Gescheitert. Am Ende blieb nur die Immobilie, für die man verzweifelt eine neue Nutzung suchte. Die Klinik Dr. Rudschies? Mit städtischer Hilfe über Wasser gehalten, dann an einen Privaten gefallen – obwohl das Klinikum selbst kaufen wollte. Das Herzzentrum als Kooperation? Groß angekündigt. Nie realisiert. Gescheitert. Gescheitert. Gescheitert. Millionen Steuergeld verpufft – und längst vergessen. Alles bestimmt nachlesbar im Archiv der örtlichen Lokalzeitung.

Und heute? Die SPD fordert den Kauf der privaten Klinik Dr. Maul. Doch wie passt das in das bestehende Konzept der regionalen Gesundheitsversorgung? Genau dazu gibt es längst ein Strukturgutachten. Die Maul-Klinik? Kommt darin nicht vor. Seit der Veröffentlichung des Gutachtens hat die Politik keinen Schritt Richtung eines regionalen Krankenhausverbunds gemacht. Im Gegenteil: Die Zeitplanung aus dem Gutachten wird gerissen, nun soll ein weiteres Gutachten erstellt werden.

Währenddessen werden in Ingolstadt Bürgerinnen und Bürger regelmäßig in andere Krankenhäuser gekarrt, weil das Klinikum bei der Integrierten Leitstelle Notfälle abmeldet. Die Notaufnahme platzt seit Jahren aus allen Nähten, einzelne Bereiche des Großkrankenhauses mussten zeitweise von der Versorgung abgemeldet werden. Mit Blaulicht werden Patienten weitergeleitet – nach Neuburg, Eichstätt oder Pfaffenhofen.

Warum diese Engpässe nicht längst abgestellt wurden, warum Kapazitäten nicht ausgebaut und die Notaufnahme nicht erweitert wurde – obwohl die Bevölkerungszahlen rasant steigen – dazu blieb die Politik bisher eine Antwort schuldig. Liegt es an einer restriktiven Personalpolitik im Klinikum, die Betten blockiert und Kapazitäten künstlich verknappt?

Und die Fragen stapeln sich: Was wurde im Aufsichtsrat wirklich diskutiert? Wurden Geschäftsführer je zur Rechenschaft gezogen? Reicht die Fachlichkeit im Management des Großkrankenhauses? Ist ein politisch besetzter Aufsichtsrat überhaupt fachlich in der Lage, seiner Pflicht nachzukommen, die Geschäftsführung zu kontrollieren? Und wie schädlich waren die vielen Wechsel in der Klinikumgeschäftsführung nach der Causa Fastenmeier für das Haus?

Es gibt immerhin Lichtblicke: Stimmen im Stadtrat, die Fakten fordern statt Reflexe. Der Arzt Christoph Späth (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), der Fraktionsvorsitzende der FREIEN WÄHLER, Hans Stachel und sogar der Arzt Anton Böhm (SPD), der sagt, er wolle „die Katze nicht im Sack kaufen“ – während seine Fraktion genau das verlangt.

Ein ehemaliger Landrat hat es einmal so gesagt: Es gibt sachliche Entscheidungen, und es gibt politische Entscheidungen. Der sofortige Ruf der SPD nach einem Kauf der Maul-Klinik ist kein sachlicher Plan, sondern ein Reflex – wie beim Pawlowschen Hund. Reiz: Insolvenz. Reflex: Kauf-Forderung. Kein Konzept, keine Prüfung – im Hinblick auf die Kommunalwahl im März des nächsten Jahres.

Und das alles passiert mitten in einer Reform, die ab 2027 Vorhaltepauschalen bringt und immer mehr Eingriffe ins Ambulante schiebt. Heute Erlös, morgen Null – so sehen die Spielregeln künftig aus. Fördergelder? Zweckgebunden. Wer umbaut, muss zurückzahlen. Neues Geld gibt’s nur mit neuem Träger und belastbarem Konzept. Kartellrecht? Seit Ende 2024 prüft das Amt nur noch, wenn das Land keine Ausnahme bescheinigt. Personal? Geht per Gesetz mit über, aber nicht automatisch in den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes – das wäre eine politische Entscheidung.

Schöne Bildchen in Pressemitteilungen mit Geschäftsführung und dem Oberbürgermeister als Vorstandsvorsitzendem mögen zwar den Bekanntheitsgrad und die Wichtigkeit von Personen unterstreichen – wie zuletzt bei der Mitteilung, dass eine Praxis für Allgemeinmedizin künftig im Klinikum tätig wird. Doch solche Inszenierungen lösen die wirklichen Probleme nicht. Am Ende zählt nicht das Foto, nicht die Pressemitteilung, sondern nur eins: Lösungen, Lösungen, Lösungen.

Zunächst gilt es, die offensichtlichen Probleme des Klinikums zu lösen. Dann kann man weiterdenken – aber nur mit tragfähigen Konzepten in der Tasche. Und eine Frage sollte die SPD zeitnah öffentlich beantworten: Will sie die Maul-Klinik überhaupt in ihrer jetzigen Form erhalten? Oder soll sie nur als Ausweichquartier dienen – während der Sanierung des Klinikums und zur Entlastung der Notaufnahme, um leichtere Fälle dort unterzubringen? Und falls ja: Wie soll das konkret gehen?

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