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Am Samstag wurde aus „Kein Schritt zurück“ ein Bild mitten in der Stadt. Mehr als 600 Menschen zogen beim Christopher Street Day durch die Ingolstädter Innenstadt. Der CSD war Fest und Demonstration zugleich – und vor allem ein Tag, an dem queeres Leben sichtbar seinen Platz in der Stadt einnahm. Am Nachmittag begann die Veranstaltung auf dem Theaterplatz. Von dort führte der Demonstrationszug durch die Innenstadt, begleitet von der Polizei. Der CSD verlief friedlich, anschließend ging das Programm auf dem Theaterplatz weiter.
Das Motto knüpfte an eine Frage an, die die Veranstalter schon im Vorfeld gestellt hatten: Wie selbstverständlich sind Gleichberechtigung und gesellschaftliche Akzeptanz tatsächlich? Für sie bedeutet Sichtbarkeit deshalb mehr als Fahnen und ein farbiges Bild einmal im Jahr. Es geht um den Anspruch, ohne Ausgrenzung Teil der Stadtgesellschaft zu sein.
Schirmherr Christian De Lapuente (SPD), Dritter Bürgermeister Ingolstadts, sprach bei der Veranstaltung zu den Teilnehmern. Nach dem CSD äußerte er sich auch auf Facebook. „Fortschritt ist nicht selbstverständlich“, schrieb De Lapuente dort. Menschenrechte müssten verteidigt, Freiheit gelebt und Vielfalt sichtbar bleiben. Seine Botschaft für die Stadt: „In Ingolstadt ist Platz für alle!“
Auch Gewerkschaften und Parteien waren vertreten. Der DGB Region Oberbayern beteiligte sich gemeinsam mit ver.di und IG Metall. Tobias Plank sprach für die DGB-Jugend und stellte den Einsatz gegen Diskriminierung und Ausgrenzung in den Mittelpunkt.
Die Grünen und die Grüne Jugend verbanden ihre Teilnahme mit politischen Forderungen. Landtagsabgeordneter Florian Siekmann verlangte vom Freistaat verbindlichere Maßnahmen gegen queerfeindliche Gewalt und Diskriminierung. Fabie Schuster von der Grünen Jugend brachte eine Forderung für Ingolstadt ins Spiel: Die Regenbogenflagge sollte nicht nur einmal im Jahr, sondern dauerhaft vor dem Rathaus hängen.
Dass die Debatte nicht abstrakt ist, hatte sich bereits vor dem CSD gezeigt. Unter Beiträgen in sozialen Netzwerken waren auch beleidigende und queerfeindliche Kommentare erschienen.
Am Samstag bestimmte jedoch die Community selbst das Bild der Innenstadt. Für einige Stunden bekam „Kein Schritt zurück“ damit eine sehr konkrete Bedeutung: sichtbar bleiben, Erreichtes nicht preisgeben und den eigenen Platz in dieser Stadt selbstverständlich einnehmen.
Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.