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Mein Albtraum nach der Bürgermeisterwahl

Griaß eich, i bins, da Schoasch, euer Rathauspförtner.

I muss euch meinen Traum von heut Nacht erzählen. Nach’m Wöhrl. Erster Akt. Der zweite steht scho im Kalender.

Vielleicht lag’s an den letzten Tagen. I lausch ned. I bin Inventar mit Schlüsselbund. Wenn zwei Stadträte laut übers Regierungsschreiben reden – soll i mir die Ohren abschrauben? So hab i’s aus dem Gang verstanden: Des war koa „bissl sparen“. Fast 100 Millionen Kredite: versagt. Über 230 Millionen Zusagen für später: versagt. Haushalt wackelt. München schaut drauf. HSK muss her. Haushaltssicherungskonzept. Des is der Sanierungsplan fürs Stadtsäckel. Klingt nach Pflaster. Is Ganzkörpergips. München schreibt: Pflichtaufgaben zuerst. Freiwilliges prüfen. Investitionen begründen. Einnahmen ausschöpfen. Schulden runter. Haushaltssanierung hat Vorrang. Rathausübersetzung: Erst Stuhlkreis. Dann Rotstift. Was in dem Brief steht, sag i ned. I bin bloß der kleine Pförtner, ned der Pressesprecher. Aber wenn im Gang von Versagen und HSK gredt wird, hört sogar der Türstopper mit.

In meinem Traum bin i plötzlich im Jahr 2032. Oberbürgermeister- und Stadtratswahl in Ingolstadt. Wahlabend. Sitzungssaal. LED-Wände. Riesig. Da hätt a Haushaltsloch drauf Platz. Saal voll. Stadträte, Parteien, Presse, Verwaltung, Bürger. OB-Wahl. Drei Namen: Michael Kern, CSU, Amtsinhaber. Christian De Lapuente, SPD, Bürgermeister. Und a junger Mann von einer Partei, die in meinem Albtraum selbst in Bayern als gesichert rechtsextrem beobachtet wird.

Der junge Mann war überall im Wahlkampf: Livestreams, Interviews, Diskussionen. Glatt. Sicher. Viel Auftritt. Werkzeug null. Sein Programm: Finanzlage, Rechtsaufsicht, Autoindustrie, House of Cards. Er sagt immer wieder: „Die Situation spricht doch für sich.“ Wenn die Situation für dich spricht, bist bloß Fremdenführer beim Wasserschaden: „Da schau her, da tropft’s.“

Balken steigt. Langsam. Schneller. Zu hoch. OB gewonnen. Stadtrat auch. Absolute Mehrheit. Koa Stuhlkreis mehr. Ein Stuhl. Einer sitzt. Alle schauen. Hinter mir: „Der braucht koane Koalition.“ – „Der kann durchregieren.“ Durchregieren? Klingt wie Alleinherrschaft mit Sitzungsvorlage.

Dann Kern, De Lapuente, Wöhrl: Wie konnte des passieren? Alle: höchst überrascht. Unerklärlich. „Wir waren doch überall.“ „Wir waren doch sichtbar.“ Genau des vielleicht. Sichtbar, aber ned verständlich. Auf jedem Foto, aber ned bei der Wut, bevor sie Wahlentscheidung wird. Mehr Wahrheit beim Metzger als in zehn Reels. Man war überall: Feste, Ehrungen, Feuerwehr, Maibaum, Häppchen. Bürgernähe im Dreischichtbetrieb: Montag Kern, Dienstag Wöhrl, Mittwoch De Lapuente. Freitag Reel. Samstag alle mit Selfie. Sonntag alle „viele gute Gespräche“.

Der rote Christian sagt: „I war immer am Puls.“ X, Instagram, TikTok, Facebook. Wöhrl und Kern nicken: „Alles gegeben“. Mit Pressestelle. Anweisung: alles raus. 365/24. Händedruck, Blumenstrauß, Feuerwehrhelm. Überstunden bei Stadtsprecher und Team ohne Ende. Die schwitzten selbst im Winter. Am Puls sein is schön. Aber wenn der Bürgerpuls auf 200 is, musst halt aa richtig fühlen. Sonst meinst, des is Applaus, dabei is es Blutdruck.

Bundespolitik sei schuld, sagt De Lapuente. Also Kanzler Söder. Die Autoindustrie halt. Ingolstadt abhängig. Da könne selbst er als engagiertester Sozialdemokrat vor Ort nix machen. Termine und Postings bis der Akku glüht. I denk: Wenn die Autoindustrie hustet, liegt Ingolstadt mit Lungenentzündung beatmet auf der Intensivstation. Da helfen drei Bürgermeister am Bett mit Selfies aa nix.

Die Kleinprovincia Gazette fragt: „Die Finanzlage war doch seit Jahren bekannt? Beim Metzger ham’s doch längst gredt: Grundsteuer rauf, Stühle zuerst.“ Stille. So still, dass ma im Archiv den alten Bescheid der Regierung rascheln hört. Zack: 2026. Brief aus Oberbayern. Kredite, Verpflichtungsermächtigungen: versagt. Zusagen für später: versagt. Dauernde Leistungsfähigkeit nicht dargestellt. Haushaltssatzung nicht bekanntzumachen. Vorläufige Haushaltsführung. A Watschn mit Briefkopf.

Nach der Wahl 2026 im Rathaus: Erst Wöhrl. Dann „mein Freund“ De Lapuente. Später Umwelt grün. Kern-Achse. Gestern schwarz-rot-grün ohne Zweifel. Heute Tisch gedeckt. Für den neuen OB. Bürgermeister aus anderen Parteien? Braucht der nimmer. Absolute Mehrheit halt.

Der neue OB lächelt. „Ich habe nichts versprochen. Ich habe nur gezeigt, was die anderen hinterlassen haben.“ Gefährlichster Wahlkampf: keine Lösung, nur Spiegel. Wenn andere genug Material liefern, reicht Beleuchtung.

Frage der Medien an den neunen OB: „Was machen Sie jetzt?“ – „Aufräumen.“ Klingt sauber. Bis du merkst: koa Besen. Vorschlaghammer. I wollt was sagen, aber im Traum war i wieder bloß der Pförtner. An der Tür merkst oft früher, wer reinkommt. Stoppen kannst ihn ned immer.

I wach schweißnass auf, schnapp nach Luft. Herzklopfen. Wo bin i? Bett? Rathaus? Albtraum oder Sitzung? Draußen wird’s hell. Kein LED. Kein Balken. Nur i und mei Wecker.

Hoffentlich bleibt des nur mei Albtraum.

Also pfiat eich, sagt da Schoasch.

O-T(h)öne – wo Satire keine Warnweste braucht.

Hinweis: Personen, Parteien, Dialoge und künftige Ereignisse sind satirisch verfremdet und frei verdichtet. Der Wahlabend 2032 ist eine fiktive Albtraumszene der Kunstfigur Schoasch, keine Tatsachenbehauptung über künftige Kandidaturen, Wahlergebnisse, Amtsführung, Aussagen oder Rechtsbewertungen realer Personen oder Parteien. Er ist keine Vorhersage. Der Text überzeichnet politische Muster, Eindrücke und Problemlagen.

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