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Mitbestimmung stabilisiert Dividenden

Unternehmen mit mitbestimmtem Aufsichtsrat zahlen verlässlicher Dividenden und beschäftigen ihre Belegschaften stabiler als Firmen ohne oder mit schwach verankerter Mitbestimmung. Das zeigt eine neue Studie des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der Hans-Böckler-Stiftung.

Für die Analyse wertete der I.M.U.-Forscher Robert Scholz Daten von 231 Unternehmen aus, die zwischen 2014 und 2023 entweder durchgehend im Dax, MDax, SDax oder CDax gelistet waren oder paritätisch mitbestimmt und im Freiverkehr beziehungsweise an regionalen Börsen notiert wurden. Untersucht wurden Zusammenhänge zwischen Mitbestimmung, Dividendenpolitik und Beschäftigungsentwicklung.

Die Ergebnisse sprechen für eine höhere Verlässlichkeit bei Ausschüttungen: Von den Unternehmen, die ihre Dividende über den gesamten Zeitraum konstant hielten, waren 85 Prozent mitbestimmt. Bei Firmen mit jährlich schwankenden Dividenden lag der Anteil bei 67 Prozent. Unternehmen ohne jegliche Dividendenausschüttung verfügten dagegen nur zu 26 Prozent über einen mitbestimmten Aufsichtsrat. Auch die Schwankungen der Dividendenrendite fielen bei mitbestimmten Unternehmen geringer aus.

Aus Anlegersicht gelten diese Firmen häufiger als sogenannte Substanzwerte. Sie zeichnen sich durch eine etablierte Marktposition, geringere Kursschwankungen und moderate, aber stabile Dividenden aus. Wachstumswerte mit höherem Risiko und stärker schwankender Bewertung finden sich auch unter mitbestimmten Unternehmen, sind dort aber seltener.

Parallel zeigt die Studie einen Zusammenhang zwischen stabiler Dividendenpolitik und stabiler Beschäftigung. Unternehmen mit geringer Fluktuation schütten ihre Gewinne tendenziell gleichmäßiger aus – und umgekehrt. Scholz führt dies darauf zurück, dass Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat riskanten Geschäftsstrategien häufiger entgegenwirken, um Arbeitsplätze und Standorte zu sichern. Statistische Auswertungen zeigen, dass Mitbestimmung einen stärkeren Einfluss auf die Beschäftigungsstabilität hat als hohe Gewinne allein, selbst wenn Faktoren wie Unternehmensgröße oder Branche berücksichtigt werden.

Die Untersuchung widerspricht damit der verbreiteten Annahme, Mitbestimmung schade den Interessen der Aktionäre. Zumindest für langfristig orientierte Anteilseigner gehen stabile Dividenden mit geringeren Risiken einher. Gleichzeitig profitieren Beschäftigte von größerer Kontinuität. Die Studie spricht von einer Win-Win-Situation, weist jedoch darauf hin, dass sie kein Selbstläufer ist, sondern von der Unternehmensstrategie abhängt.

Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf einer Mitteilung der Hans-Böckler-Stiftung; redaktionell bearbeitet.

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