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MKKD erst 2027 fertig – nochmals teurer, „geringfügig“

Das neue Museum für Konkrete Kunst und Design (MKKD) in Ingolstadt lässt weiter auf sich warten. Schon wieder. Nach dem Wasserschaden im Sommer dieses Jahres verschiebt sich die Eröffnung nun ins Jahr 2027. „Mitte 2027“ lautet der neue Plan – zumindest vorerst.

Wie groß der Wasserschaden am Ende zu Buche schlägt, kann die Stadt bis jetzt nicht sagen. Nach aktuellem Stand ist von einem Betrag im mittleren bis höheren sechsstelligen Bereich auszugehen. Betroffen sind verbaute Bauteile, dazu kommen Trocknung und Wiederherstellung. Welche Kosten der Bauverzug verursacht, steht ebenfalls weiterhin nicht fest.

Grundsätzlich trägt die Haftpflichtversicherung der ausführenden Baufirma die Schäden. Zusätzlich gibt es eine Bauleistungsversicherung der Stadt. Ob am Ende dennoch öffentliche Mittel fließen, ist derzeit offen. Die Formulierung der Stadt Ingolstadt dazu fällt auf Nachfrage des Nachrichtenportals O-T(h)öne vorsichtig aus.

Offiziell bewegt sich das Gesamtprojekt weiterhin innerhalb des Stadtratsbeschlusses. Gleichzeitig spricht die Stadt von „geringfügigen Mehrkosten“. Was „geringfügig“ bedeutet, ist vorerst eine Frage der Perspektive.

Die Trocknung im Untergeschoss soll in Kürze abgeschlossen sein. Dann wird geprüft, ob das auch wirklich gereicht hat – und erst danach geht es weiter. Der zuletzt angepeilte Termin Ende 2026 ist damit Geschichte.

Im Umfeld des Museums sorgt inzwischen auch die Gestaltung des Vorplatzes für Diskussionen. Diese wurde vom Stadtrat beschlossen und muss durch die finanzielle Rechtsaufsicht, die Regierung von Oberbayern, noch genehmigt werden. Die Außenskulptur selbst wird vom Freundeskreis des Museums gestiftet und hat einen Wert von rund 300.000 Euro. Für die Platzgestaltung und die Installation fallen zusätzlich rund 586.000 Euro an. Mindestens 140.000 Euro davon übernimmt das Land, der kommunale Anteil liegt derzeit bei rund 446.000 Euro und könnte sich durch weitere Fördermittel noch verringern. Die laufenden Pflege- und Unterhaltskosten werden mit rund 10.000 Euro jährlich veranschlagt.

Das MKKD steht seit Jahren für große Ambitionen: klare Formen, konkrete Kunst, ein Symbolprojekt. Dass ausgerechnet dieses Haus nun von Verzögerungen, Versicherungsfragen und Terminverschiebungen geprägt ist, dürfte niemanden freuen.

Ingolstadt wartet weiter. Und trocknet weiter. Und plant weiter.

Die Fertigstellung des MKKD hat inzwischen auch eine finanzpolitische Dimension. Die Stadt steht aktuell unter der verschärften Haushaltsaufsicht der Regierung von Oberbayern; zusätzliche Ausgaben müssen genehmigt werden. Gleichzeitig werden an anderer Stelle Mittel gekürzt: Zuschüsse für soziale Initiativen wie Kleiderkammern und Beratungsangebote sinken, auch die städtische Rentenberatung wird reduziert – ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, an dem die Babyboomer in den Ruhestand gehen und der Beratungsbedarf steigt. Dass in dieser Lage ausgerechnet für die Platzgestaltung am Museum und die damit verbundenen jährlichen Folgekosten weiter Mittel bereitgestellt werden, sorgt in der Stadt für Kritik. Zumal das MKKD aufgrund seiner bisherigen Gesamtkostenentwicklung ohnehin umstritten ist.

Bereits 2024 landete das Projekt im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler – weil der ursprünglich mit rund 33 Millionen Euro angesetzte Kostenrahmen auf knapp 59 Millionen Euro angewachsen war. Die erneute Verzögerung fügt sich nahtlos in dieses Bild. Die Debatte über das MKKD bleibt damit weniger eine Frage der Architektur – und mehr eine über Prioritäten.

Transparenthinweis: Eigene Berichterstattung und Recherche.

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