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Ein Garten lässt sich auch ohne Blick auf Blätter und Blüten erfahren. Im Deutschen Medizinhistorischen Museum in Ingolstadt soll das künftig besser gelingen: Der Duft- und Tastgarten am Ende des Arzneipflanzengartens wurde so umgestaltet, dass blinde Menschen die dort wachsenden Pflanzen selbstständiger erkunden können. Vorgestellt wird das neue Angebot am Mittwoch, 17. Juni, bei einer inklusiven Führung für blinde und sehende Besucher.
In zwei Hochbeeten wachsen 46 Arzneipflanzen. Sie können nun ertastet, gerochen und über einen Audioguide erschlossen werden. Die Texte stammen von Apothekerin Sigrid Billig. Sie erklären die Pflanzen nach Angaben des Museums in ihrer Botanik, Geschichte und medizinischen Wirkung. Das Angebot richtet sich ausdrücklich nicht nur an blinde Gäste, sondern auch an Sehende, die den Garten anders wahrnehmen wollen.
Der Duft- und Tastgarten besteht seit der Landesgartenschau 1992. Schon damals waren die Schilder mit Brailleschrift versehen. Für einen selbstständigen Besuch reichte das jedoch nicht immer aus. Viele Menschen, die erst im höheren Alter erblinden, lesen keine Brailleschrift. Zudem gab es Pflanzen, die sich für ein tastendes Erkunden kaum eigneten, etwa stark stachelige Arten oder solche, die Hautreaktionen auslösen können.
Deshalb wurde das Angebot überarbeitet. Die neuen Pflanzenschilder tragen neben Braille auch erhabene Tastschrift. Sie sind leicht schräg montiert, damit sie auch vom Rollstuhl aus gut lesbar sind. Auf jedem Schild steht außerdem eine Zahl, die in ein Audioguide-Gerät eingegeben werden kann. Das Gerät wird an der Museumskasse kostenlos ausgeliehen.
Auch die Bepflanzung wurde verändert. Stachelige oder potenziell hautreizende Pflanzen wurden durch Arten ersetzt, die gefahrlos berührt werden können. In den Ecken der Hochbeete wurde umgepflanzt, damit Schild und Pflanze eindeutig zusammengehören. Taktile Pläne an der Kasse und eine Wegbeschreibung im Audioguide sollen helfen, den etwas versteckt gelegenen Garten zu finden.
Bei der Umsetzung wurde das Museum von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern beraten. Zudem wurden die blinde Museumsberaterin Claudia Böhme aus Augsburg und Betroffene aus Ingolstadt einbezogen. Finanziert wurde das Projekt durch die Wessely-Stiftung.
Die Führung mit Sigrid Billig beginnt am Mittwoch, 17. Juni, um 15 Uhr und dauert etwa eine Stunde. Die Teilnahme kostet fünf Euro, wegen der begrenzten Teilnehmerzahl wird eine Anmeldung empfohlen.
Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf einer Mitteilung des Deutschen Medizinhistorischen Museums Ingolstadt; redaktionell bearbeitet.