Muss Lösel gehen?

Muss Lösel gehen?

Von Thomas Thöne

Nicht nur in den politischen Parteien, sondern in der politisch interessierten Stadtgesellschaft stößt man zurzeit zwangsläufig bei Gesprächen auf die Fragestellung, muss der derzeit amtierende Ingolstädter Oberbürgermeister, Dr. Christian Lösel (CSU), in die Stichwahl oder gar seinen Platz im Rathaussessel räumen?

In den Unterhaltungen trifft man kaum Gesprächspartner, die davon ausgehen, dass der Amtsinhaber schon im ersten Wahlgang zu schlagen ist. Vielmehr wird, bei derzeit zehn Bewerberinnen bzw. Bewerbern für das Amt des Ingolstädters Oberbürgermeisters, überwiegend von einer Stichwahl ausgegangen.

Ob es zu einer Stichwahl kommt, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob die AfD einen Oberbürgermeisterkandidaten stellt. Die Entscheidung dazu fällt Anfang Dezember. Wobei auch diese Partei, wie alle anderen, im Auge haben wird, dass ein Oberbürgermeisterkandidat zusätzliche Stimmen auf der Stadtratsliste zieht.

Sollte die AfD auf eine OB-Kandidatur verzichten, kann sich Lösel beim „lieben Uli“, wie er den AfD-Stadtrat Ulrich Bannert (früher "Die Republikaner") schon genannt hat, herzlich bedanken. Es wird bereits spekuliert, ob die AfD in diesem Fall eine Wahlempfehlung für Lösel abgibt. Denn dieser hat sich bisher nicht klar und deutlich von der AfD distanziert, was ihm der SPD-OB-Kandidat Dr. Christian Scharpf öffentlich ankreidet. Bei Lösel entsteht derzeit der Eindruck, dass er vor hat, besonders im konservativen und rechtskonservativen Wählerlager zu punkten.

Eine Stichwahl zum Amt des Oberbürgermeisters wird nicht nur davon abhängen, wie viele Stimmen, mit dem noch anhaltendem Grünen-Hype im Rücken, die Oberbürgermeisterkandidaten Petra Kleine auf sich vereinigen kann und wie stark Christian Lange für die Bürgergemeinschaft ist. Entscheidend dürfte auch sein, wie viele Stimmen der SPD-OB Kandidat Scharpf auf sich vereinigen kann. Wird er, angesichts des Umfragetiefs der SPD in Bayern und auch bundesweit, die 28,5 % erreichen, die bei der letzten Oberbürgermeisterkandidatur Veronika Peters für die Sozis auf sich vereinen konnte?

Scharpfs Manko dürfte sein, dass er bisher politisch noch nicht in Erscheinung getreten ist und er dem Stadtrat nicht angehört. Somit kann er sich in Stadtratsdiskussionen auch nicht zu Wort melden. Ob der Fleiß den der SPD-OB-Kandidat derzeit an den Tag legt ausreicht, um ein gutes Ergebnis für die Sozialdemokratie in Ingolstadt einzufahren, ist derzeit noch nicht abschätzbar.

Wie bei den Spekulationen zur Stadtratswahl gilt auch für die OB-Wahl, es ist noch alles offen und noch nichts entschieden. Wer meint zu wissen, wo die Reise bei der Oberbürgermeisterwahl hingeht, bietet nicht mehr als Kaffeesatzleserei.

Die Hinweise in politischen Diskussionen, dass Lösel, aufgrund seiner manchmal unnahbaren und herrischen Art, selbst in den eigenen Reihen bei manchen CSU-Mitgliedern umstritten ist, mag durchaus zutreffen. Wer so argumentiert vergisst nur, bei der CSU geht es um alles. Es geht um das Amt des Oberbürgermeisters, welches die Christsozialen seit 1972 in Ingolstadt besetzen. Da kann Lösel noch so sehr durchregieren, beratungsresistent sein und mit majestätischem Gehabe daherkommen, für die Christsozialen wäre eines noch viel schlimmer, ein Oberbürgermeister oder gar eine Oberbürgermeisterin einer anderen Partei. Somit werden die CSUler, samt Anhängerschaft, die Reihen schließen und sich hinter Lösel stellen, ganz gleich, wie sehr man in vertraulichen Runden bei den politisch Andersdenkenden über den „kleinen König“ im Ingolstädter Rathaus auch schimpft und herzieht.

Lösel hat im Oberbürgermeisterwahlkampf einen entscheidenden Vorteil, der nennt sich Amtsbonus. Veranstaltungen können gar nicht klein genug sein oder noch so unbedeutend, dass der Oberbürgermeister höchstselbst nicht Zeit dafür findet. Ein Foto für den Oberbürgermeister-Facebook-Account und die örtlichen Medien ist immer drin, nebst Pressemitteilung der Stadt. Selbst wenn es nur die „Einweihung“ eines Hinweisschildes, mitten in der Flur, für das 1-Million-Bäume-Projekt ist, ein Foto geht immer.

Lösel befindet sich seit einem Jahr im Dauerwahlkampf, nicht auf CSU-Prospekten, sondern als Amtsinhaber. Die CSU-Prospekte folgen erst noch. Sozusagen on top. Man kann getrost sagen, Lösel hat das mit dem Amtsbonus fast perfektioniert. Keiner seiner Vorgänger hat diesen bisher so ausgenutzt, wie Lösel.

Hinzu kommt eine dem Amtsinhaber gewogene konservative Tageszeitung. Wie sagte Lösel doch einmal in Beisein von Stadträten? „Glauben Sie mir, wenn ich in die Zeitung will, dann komme ich auch rein“.

Man darf gespannt sein, was Lösel als Rathauschef im Wahlkampf noch alles aus dem Ärmel zieht. Wobei auch hier gilt, weniger ist manchmal mehr. Es bleibt also weiterhin spannend im Oberbürgermeisterwahlkampf zu Ingolstadt …

Quelle: Stadt Ingolstadt

Auszugsweise veröffentlicht. Quelle: Stadt Ingolstadt

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