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Griaß eich, i bins, Schoasch, der Rathauspförtner.
Habs ihr es g’lesen? Unser Oberbürgermeister Michael Kern hat doch tatsächlich um 3.30 Uhr in der Früh im Führerhaus von am Schneepflug Platz g’nommen und is mit’m Winterdienst durch Ingolstadt g’fahrn. Halb vier!
Des is die Uhrzeit, wo normale Menschen maximal den Kühlschrank plündern oder sich no amoi umdrahn. Wo da Wecker no verhandelt und der Traum spannender is als die Realität. Aber im Betriebshof? Da is des Alltag. Motoren laufen warm, Streuer werden g’füllt, Routen liegen bereit. 1.000 Kilometer Straßen. 285 Kilometer Radwege. Über 2.000 Gefahrenstellen. Und die Leit wissen ganz genau, wo’s zuerst glatt wird und wo’s richtig gefährlich is.
Und mittendrin: da Ober. Im Führerhaus. Mit Warnweste. Mit Schneeschaufel. Mit einem Blick, als hätt er den Winter persönlich genehmigt. Er wollte sich „ein Bild von der Lage und den Abläufen machen“. Ja mei. Ein Bild hat’s auf jeden Fall gegeben. Mehrere sogar.
Er hat kernig angepackt. Kerniger geht’s nimmer. Fast schon überkernig. Am Viktualienmarkt hat er Stufen freig’schaufelt. Richtig mit Muskel, ned bloß symbolisch. Danach in den Betriebshof, Werkstatt angeschaut, Salzlager inspiziert, sich die Soleanlage erklären lassen. I hab mir fast gedacht, er fragt noch, ob ma den Schnee strategisch verteilen oder bilanziell abschreiben kann.
Früher hätt ma des vielleicht gar ned mitkriegt. Wenn a Oberbürgermeister zur Schaufel greift, dann war des halt so. Vielleicht hätt a Bauhof-Mitarbeiter beim Mittagessen g’sagt: „Heit war er mit draußen.“ Mehr ned. Heut aber? Heut greift der OB zur Schaufel – und gleichzeitig greift die Pressestelle zur Tastatur. Noch bevor der Schnee richtig liegt, liegt die Pressemitteilung in den Redaktionen der Medien. Mit Zahlen, mit Zitaten, mit Dank. Und natürlich werden die Social-Media-Kanäle geflutet, als wär’s der erste Schneefall seit 200 Jahren. Früher hat’s g’schneit. Heut schneit’s Reichweite.
Versteht’s mi ned falsch – der Ober is wirklich a netter Mann. Wenn er mich sieht, sagt er immer freundlich: „Grüß Gott, Herr Rathauspförtner.“ Mit den Namen hat er’s halt ned so. I bleib Funktion. Is aa einfacher. Im Stadtrat sagt er sauber „Herr Rechtsreferent“, „Herr Wirtschaftsreferent“, „Herr Baureferent“ – alles korrekt. Gleich in der ersten Sitzung war er mit einem neu gewählten Referenten gleich per Du. Zack. So schnell war ned amoi der Schneepflug in Etting. Na ja – er braucht sie halt, seine Macher in der Verwaltung.
Und da samma beim Kern der Sache. Ohne die berufsmäßigen Stadträte läuft nix. Ohne die Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaften a ned. Die entwickeln die Konzepte. Die formulieren die Vorlagen. Die schreiben die Beschlussanträge. Die liefern die Ideen. Und genau des steht dann im Stadtrat zur Abstimmung. Wenn ma ehrlich san: Im Stadtrat wird meistens des beschlossen, was vorher fix und fertig formuliert auf’m Tisch liegt. Und fertig formuliert hat’s selten der, der’s mit kerniger Stimme vorträgt. I sog ja bloß. Mir persönlich hat er das Du noch ned angeboten. Aber i will des aa ned. A bissl Distanz in der Sprache is manchmal ganz gesund.
Nach dieser legendären 3.30-Uhr-Schneepflug-Expedition hab i mir halt gedacht: Wenn der OB scho so kernig anpackt, dann machen ma was draus. I hab beim städtischen Ideenmanagement was eingereicht: Unser OB auf Abruf. Mindestens eine ganze Schicht. Ned bloß 20 Minuten fürs Foto. Aschentonnen auf die Straße zerren im Tiefschnee, dann eine Runde mit der Müllabfuhr. Klärwerk bei Wind und Duft. Müllverbrennungsanlage am Leitstand. Telefonvermittlung der Stadt im Dauerbeschwerde-Modus. Bürgerservice am Schalter mit Nummer 87. Wahlunterlagen eintüteln bis die Finger taub sind. Onkologie oder Pathologie im Klinikum – dort, wo’s wirklich ernst wird.
Und gern a bei denen, die im Rathaus die Abfalleimer leeren. Politische Reststoffe entsorgen sich schließlich ned von selber.
Und selbstverständlich – i denk ja mit – müsst ihn dabei die Pressestelle immer begleiten. Für gute Bilder. Für Postings in den sozialen Medien. Für eine ausführliche Pressemitteilung. Und am besten gleich mit Livestream. „OB live im Klärwerk – Folge 2.“ „Müllabfuhr mit Michi – Staffel 1.“ Natürlich hinterher abrufbar in der Mediathek. Mit Kapitelmarken. Transparenz is schließlich wichtig. Vielleicht kriegen ma dann jede Woche a neue Ausgabe: Der Kern der Woche.
Was mir noch einfällt, aber des hab i beim Ideenmanagement nicht eingereicht. Nach einem Jahr im Amt wär jetzt langsam der Moment, dass mein oberster Chef im Stadtrat kernig Gas geben müsst. Die Stadt steckt in einer Finanzkrise. Und die räumt ma ned mit Streusalz weg. Schnee fällt vom Himmel. Haushaltslöcher ned. Die macht ma sich selber.
Des Schneeräumen war sichtbar. Des Haushaltsräumen wird schwieriger. Des wär schon genug Arbeit für den Michi. Und zusätzlich noch ein paar wirklich gute, eigenständige politische Konzepte entwickeln – ned bloß präsentieren, was andere vorbereitet haben. Des wär kernig. Jetzt warten wir halt ab, ob unser Kern-Michi die Kurve kriegt, ohne auf politischem Glatteis ins Schleudern zu geraten. Weil wenn’s im Rathaus glatt wird, hilft koa Streusalz.
So, jetzt hab i scho wieder z’viel g’schrieben. Des mit dem gschwollna Hochdeutsch klappt wieder ned. Und beim Bayrisch hob i mi sicher a verhakt. Jetzt wünsch i eich a guade Zeit. Bleibts gsund!
Also Pfiat eich, sagt der Schoasch
O-T(h)öne – wo Satire keine Warnweste braucht.