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Erst im Juli sollen die zuständigen politischen Gremien des Landkreises Eichstätt über die Schließung entscheiden, schon am 1. August soll die Notaufnahme in Kösching ihren Betrieb einstellen. Gut vier Monate nach der Kommunalwahl hat der Landkreis seine Pläne öffentlich gemacht. Für das Klinikum Ingolstadt bleiben damit nur wenige Wochen, um sich auf zusätzliche Notfälle vorzubereiten.
Für den Standort Kösching wäre es bereits der zweite einschneidende Verlust innerhalb kurzer Zeit. Erst zum 1. Juli wurde dort die intensivmedizinische Versorgung beendet und am Krankenhaus Eichstätt gebündelt. Intensivpflichtige Patienten werden seitdem in Eichstätt behandelt. Wenige Tage später folgte die Ankündigung, nun auch die Köschinger Notaufnahme vollständig zu schließen.
Das städtische Klinikum Ingolstadt will seine personellen Kapazitäten deshalb kurzfristig erhöhen. Vorgesehen sind zusätzliche Kräfte sowohl im ärztlichen als auch im pflegerischen Bereich. Wie viele Stellen geschaffen oder besetzt werden sollen, teilt das Haus bislang nicht mit. Ebenso offen ist, wie viele Patientinnen und Patienten nach der Schließung in Kösching zusätzlich nach Ingolstadt kommen werden.
Neben der personellen Verstärkung plant das Klinikum einen weitreichenden Umbau. Die Notaufnahme soll innerhalb des bestehenden Gebäudes in neu geschaffene Räume verlegt und organisatorisch neu geordnet werden. Flächen sollen effizienter genutzt und die Behandlungsabläufe verbessert werden. Das Grundkonzept steht nach Angaben der Geschäftsführung. Fertig werden soll die neue Notaufnahme allerdings erst in der zweiten Jahreshälfte 2027.
Bis dahin muss das Klinikum die mögliche Mehrbelastung mit den bestehenden räumlichen Strukturen und zusätzlichem Personal auffangen. Dabei gibt es schon heute Beschwerden über die Notfallversorgung bei dem örtlichen Großkrankenhaus. O-T(h)öne liegen Schilderungen von Ingolstädter Patienten und aus dem Rettungsdienst vor, die nach einem Notfall vom Rettungsdienst nicht in das städtische Klinikum, sondern in Krankenhäuser außerhalb der Stadt gebracht worden seien.
Für Angehörige kann das erhebliche Belastungen bedeuten: längere Wege, zusätzlichen Zeitaufwand und erschwerte Besuche, besonders wenn Patienten über längere Zeit stationär behandelt werden müssen. Betroffen sind vor allem ältere Angehörige, die nicht mehr selbst Auto fahren können und auf die Hilfe anderer oder auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Für den Rettungsdienst in Ingolstadt hat es ebenfalls Auswirkungen, wenn Rettungswagen für längere Fahrtstrecken in andere Kliniken gebunden sind.
Aus dem Rettungsdienst werden ferner seit Längerem Probleme an der Ingolstädter Notaufnahme geschildert, vor allem während der kalten Jahreszeit. Die Liegendanfahrt sei nicht beheizt. Schwer kranke Menschen mussten aus dem warmen Rettungswagen in einem kalten Bereich auf eine Liege umgelagert werden. Zudem komme es vor, dass Rettungswagenbesatzungen mit ihren Patienten in der kalten Fahrzeughalle auf die Übergabe warten müssten.
Ist die Halle ausgelastet, können Rettungswagen den Berichten zufolge nicht immer bis in den geschützten Übergabebereich fahren. Patienten müssten dann außerhalb der Halle ausgeladen werden – mitunter bei Regen, Schnee oder starkem Frost. Wenn künftig weitere Notfälle aus dem Landkreis Eichstätt hinzukommen, stellt sich deshalb nicht nur die Frage nach zusätzlichem Personal. Auch die räumlichen Bedingungen und die Abläufe bei der Übergabe der Patienten geraten stärker in den Blick. Damit sind die Geschäftsführung des Klinikums und der Ingolstädter Stadtrat auch in dieser Problematik gefordert. Ein Neubau einer modernen und zeitgemäßen Notaufnahme hätte die Lösung für den An- und Abtransport von Patienten bringen können.
Der geplante Umbau soll jedoch in der bestehenden Gebäudlichkeit stattfinden. Bis zu seiner Fertigstellung vergeht noch mehr als ein Jahr. Wie die Übergangszeit konkret organisiert werden soll und welche kurzfristigen baulichen Verbesserungen vorgesehen sind, geht aus den bisherigen Mitteilungen nicht hervor.
Völlig unerwartet kommt die Entwicklung für die Region nicht. Ingolstadt und die benachbarten Landkreise arbeiten seit drei Jahren an einer gemeinsamen Medizinstrategie. Eine abschließende politische Entscheidung fehlt, bisher gibt es nur Willenserklärungen und immer neue, teurere Gutachten. Eine Schließung der Köschinger Notaufnahme war dabei als mögliches Szenario betrachtet worden. Überraschend ist aus Sicht der Stadt vor allem der knappe Zeitplan. Als Gründe für die Veränderungen der Kliniklandschaft im Landkreis Eichstätt gelten die Krankenhausreform, der Fachkräftemangel und die wirtschaftliche Lage.
Der Landkreis will die ambulante Versorgung in Kösching über sein Medizinisches Versorgungszentrum ausbauen und dort künftig auch an Wochenenden ein Angebot schaffen. Eine ambulante Praxis kann eine Notaufnahme mit ihren diagnostischen und stationären Möglichkeiten allerdings nicht vollständig ersetzen.
Die Stadt Ingolstadt erwartet, dass sich der Landkreis an notwendigen Investitionen und zusätzlichen Belastungen beteiligt, falls das Klinikum dauerhaft mehr Aufgaben für die Region übernimmt. Landrat Alexander Anetsberger habe dazu grundsätzlich Bereitschaft signalisiert, lässt die Stadt wissen. Konkrete Vereinbarungen sind bislang nicht bekannt. Stadt und Klinikum führen zudem Gespräche mit dem bayerischen Gesundheitsministerium.
Ob der geplante Umbau im Bestand ausreicht, um die bereits geschilderten Probleme zu lösen bleibt offen. Angesichts der räumlichen Schwierigkeiten stellt sich auch die Frage, ob ein Neubau der Notaufnahme langfristig nicht die bessere Lösung gewesen wäre. Zunächst aber müssen Politik und Klinikleitung verhindern, dass sich die angespannte Situation schon vor der für 2027 geplanten Neuordnung weiter verschärft.
Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf Mitteilungen des Klinikums Ingolstadt, der Stadt Ingolstadt und der Kliniken im Naturpark Altmühltal sowie auf der Redaktion vorliegenden Schilderungen von Betroffenen und aus dem Rettungsdienst; redaktionell bearbeitet.