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2026 ist ein Superwahljahr. Fünf Landtage und zahlreiche Kommunalparlamente werden neu gewählt. Doch ausgerechnet die 18- bis 29-Jährigen beteiligen sich weiterhin unterdurchschnittlich an Wahlen.
Das zeigt eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung mit dem Titel „Hürdenlauf zur Wahlurne – Warum die Stimmabgabe für junge Menschen kein Selbstläufer ist“. Zwar hat sich die Wahlbeteiligung der Jüngeren seit 2009 schrittweise dem Durchschnitt angenähert. Bei der Bundestagswahl 2025 lag sie jedoch noch darunter. Die 18- bis 29-Jährigen bleiben damit die Altersgruppe mit der geringsten Beteiligung.
Die Studie identifiziert vier zentrale Hürden, die junge Menschen vom Gang zur Wahlurne abhalten: Zugang, Kompetenz, Motivation und Resonanz. Dahinter stehen grundlegende Fragen: Darf und kann ich wählen? Verstehe ich, wie Wahlen funktionieren? Will ich wählen? Und bewirkt meine Stimme etwas?
Wahlabstinenz ist laut Analyse nicht mit politischer Gleichgültigkeit gleichzusetzen. Junge Menschen, die nur situativ wählen, unterscheiden sich im politischen Interesse nur geringfügig von jenen, die regelmäßig ihre Stimme abgeben. Deutlicher sind die Unterschiede beim Vertrauen in den Bundestag und in die Gestaltungsfähigkeit von Regierungen. Regelmäßige Wähler zeigen hier höhere Werte.
„Für viele junge Menschen ist die zentrale Frage vor der Wahl nicht, welcher Partei sie ihre Stimme geben wollen, sondern: Wie funktioniert Wählen überhaupt? Geht mich das etwas an? Macht meine Stimme einen Unterschied?“, sagt Jonathan M. Hoffmann, Demokratie-Experte der Stiftung. Zu oft würden junge Menschen mit diesen Fragen allein gelassen.
Um die Beteiligung zu erhöhen, schlägt die Studie vier Maßnahmenpakete vor. Erstens: ein niedrigschwelligerer Zugang, etwa durch Erinnerungs-SMS der Wahlämter. Solche Hinweise haben in Schweden nachweislich die Wahlbeteiligung erhöht – besonders unter jungen Menschen. Zweitens: eine Stärkung politischer Bildung. Die Zahl der Unterrichtsstunden im Fach Politik solle zwischen Schulformen und Bundesländern stärker angeglichen werden. Gerade junge Menschen, die nicht oder noch nicht regelmäßig wählen, verfügten über vergleichsweise geringes Wissen zum Wahlrecht. Drittens: mehr Motivation durch flächendeckende, unterrichtlich begleitete Wahlsimulationen wie „Unter-18-Wahlen“ sowie eine substanzielle Absenkung des Wahlalters. Frühere Untersuchungen der Stiftung zeigen demnach, dass eine frühe Wahlteilnahme die Wahrscheinlichkeit erhöht, auch im weiteren Lebensverlauf regelmäßig zu wählen. Viertens: mehr Resonanz. Genannt werden Dialogformate, eine jugendgerechte Regierungskommunikation über soziale Medien sowie ein „Zukunftsrat junger Menschen“, der den Bundestag in Gesetzgebungsverfahren beraten könnte.
Soziale Medien spielen der Studie zufolge eine ambivalente Rolle. Sie haben Politik im Alltag vieler junger Menschen präsenter gemacht – auch für jene, die sich zuvor wenig damit befasst haben. Zugleich kann die dauerhafte Konfrontation mit politischen Debatten überfordern und Rückzugstendenzen verstärken.
In einer alternden Gesellschaft sei die politische Teilhabe junger Menschen zentral für die langfristige Legitimität demokratischer Entscheidungen, sagt Daniela Schwarzer, Vorständin der Stiftung. Damit Wählen zur Routine werde, brauche es vereinfachte Verfahren, verständliche Informationen, frühe Erfahrungen mit demokratischer Beteiligung und echte Mitgestaltungsmöglichkeiten.
Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf einer Mitteilung der Bertelsmann Stiftung; redaktionell bearbeitet.