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Ingolstadt braucht dringend zusätzliche Schulplätze. Auf dem ehemaligen Rosner-Areal an der Schölnhammerstraße soll deshalb ein großer Schulcampus entstehen. Doch bei Kosten, Betrieb und Finanzierung sind wesentliche Fragen noch offen.
Geplant sind eine neue Mittelschule und die dritte staatliche Realschule mit jeweils 30 Klassen. Zusammen sollen sie Platz für bis zu 1530 Schülerinnen und Schüler bieten. Hinzu kommen Ganztagsbereiche, eine gemeinsame Mittagsverpflegung, eine Dreifach- und eine Doppelturnhalle sowie umfangreiche Außensportanlagen. Die Räume sollen so flexibel geplant werden, dass dort vorübergehend auch andere Schulen untergebracht werden können, etwa das Katharinen-Gymnasium während einer späteren Sanierung.
Im Finanz- und Personalausschuss ging es zunächst um das Raumprogramm: Wie groß sollen die Schulen werden, welche Räume und Sportanlagen werden gebraucht? Die Verwaltung bezeichnet das Vorhaben als zwingend und unabweisbar. Abschließend entscheidet der Stadtrat am 29. Juli 2026.
Bis zu 640 Realschulplätze fehlen
Kulturreferent Marc Grandmontagne verwies auf den wachsenden Druck im Ingolstädter Schulsystem. Nach der Prognose der Verwaltung könnten an den Realschulen in den kommenden Jahren rund 25 Klassen beziehungsweise etwa 640 Plätze fehlen. Auch die neue Mittelschule Nord-Ost soll langfristig auf 30 Klassen anwachsen. Am Bedarf gab es deshalb kaum Zweifel. Die weitere Debatte drehte sich vor allem um die finanziellen Folgen. Grundlage der Beratungen ist ein überschlägiger Finanzierungsbedarf von 132,7 Millionen Euro. Die Verwaltung rechnet mit möglichen Förderungen und Einnahmen von rund 52,9 Millionen Euro. Gesichert ist dieser Betrag noch nicht.
Folgekosten bislang nicht berechnet
Quirin Witty, Vorsitzender der SPD-Fraktion, fragte nach den späteren Betriebs- und Unterhaltskosten. Sie würden den städtischen Haushalt über Jahrzehnte belasten. Die Antwort des Baureferenten war eindeutig: Diese Kosten seien in der bisherigen Betrachtung nicht enthalten und noch nicht berechnet worden. Als erste Größenordnung nannte er zwei bis drei Millionen Euro jährlich.
In der Sitzungsvorlage sind zunächst lediglich 1,5 Millionen Euro für die Projektvorbereitung im Jahr 2026 ausgewiesen. Damit wird noch kein Schulgebäude errichtet. Das Geld ist unter anderem für Baugrunduntersuchungen, externe Beratung, die Betreuung des Vergabeverfahrens und die Qualitätssicherung vorgesehen.
Kreditzusage steht aus
Alle Vorhaben auf dem Schulcampus stehen unter dem Vorbehalt einer gesicherten Finanzierung. Der Stadtrat soll die Verwaltung zunächst ermächtigen, bei der Regierung von Oberbayern eine Kreditermächtigung zu beantragen. Eine Zusage liegt bislang nicht vor. Vor dem Zuschlag an einen Totalunternehmer wären zudem die haushaltsrechtliche Genehmigung des Stadtrats und gegebenenfalls die Zustimmung der Aufsichtsbehörde erforderlich. Auch die Wirtschaftlichkeit des konkreten Angebots müsste nachgewiesen werden.
Alles aus einer Hand
Über das Vergabemodell wurde im Ausschuss ausführlich diskutiert. Planung und Bau sollen entgegen der üblichen städtischen Baurichtlinie an einen Totalunternehmer vergeben werden. Das soll Kosten und Termine besser kalkulierbar machen. Zugleich wurde vor teuren Nachträgen und möglichen Nachteilen für regionale Betriebe gewarnt. In der Debatte wurde außerdem auf frühere Großprojekte verwiesen, bei denen die Kosten um bis zu 35 Prozent gestiegen seien. Entscheidend sei deshalb ein verlässlicher Kosten- und Zeitrahmen.
2,5 Millionen Euro für 60 Stellplätze
Besonders scharf kritisierte Stadtrat Albert Wittmann (CSU) die geplante Ertüchtigung der bestehenden Tiefgarage. Dafür sind im groben Kostenrahmen 2,5 Millionen Euro angesetzt. Nach der Sanierung stünden dort rund 60 Stellplätze zur Verfügung. Wittmann sprach von einem „Riesenwagnis“. Die Stadt investiere Millionen und habe anschließend weiterhin eine alte Tiefgarage. Dass eine gebührenpflichtige Bewirtschaftung nach bisheriger Einschätzung nicht wirtschaftlich möglich sein soll, wollte er nicht akzeptieren. Das Geld werde „direkt in die Erde verbaut“, sagte Wittmann. Es müsse eine bessere Lösung gefunden werden. Andernfalls blamiere sich die Stadt. Der Baureferent stellte klar, dass es sich bei der Summe nur um eine erste Schätzung handle und die Bausubstanz noch genauer untersucht werden müsse. Offen ist zudem, ob die Sanierung Teil des Auftrags an den Totalunternehmer wird.
Grundstücke und langer Zeitplan
Auch für Teile der Sportanlagen sind noch nicht alle Flächen gesichert. Die Stadt führt Verhandlungen mit mehreren Grundstückseigentümern. Erst wenn feststeht, welche Flächen zur Verfügung stehen, kann die weitere Planung fortgesetzt werden.
Schnell wird das Projekt ohnehin nicht fertig. Für Beratung, Wirtschaftlichkeitsprüfung, Ausschreibung, Genehmigungen und Vergabe veranschlagt die Verwaltung mehrere Jahre. Für Planung und Bau kommen anschließend weitere drei bis vier Jahre hinzu. Voraussetzung ist, dass Planungsrecht und Finanzierung rechtzeitig geklärt werden.
Zusätzliche Schulplätze werden gebraucht. Wie teuer der Campus am Ende wird und wie die Stadt Bau und Betrieb finanziert, ist noch nicht geklärt.
Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.