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Auf die Notaufnahme des Klinikums Ingolstadt kommt nach der Schließung des Standorts in Kösching erheblich mehr Arbeit zu. Rund 4000 zusätzliche Patienten im Jahr erwartet das Haus. Dafür soll das Personal zunächst um 4,5 Vollzeitstellen verstärkt werden. Wie weit die Suche nach den benötigten Mitarbeitern gediehen ist, bleibt offen.
Andreas Tiete, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Klinikums, spricht auf Anfrage von O-T(h)öne von einem „ersten bedarfsorientierten Ausbau“. Vorgesehen seien 1,5 Vollzeitäquivalente im ärztlichen Dienst und drei weitere in der Pflege. Ob dieser Umfang den erwarteten Mehrbedarf vollständig abdeckt, sagt Tiete nicht. Das Personal werde „bei Bedarf auf Grundlage der tatsächlichen Versorgungsanforderungen“ angepasst. Nach welchen Kriterien darüber entschieden werden soll, führt er nicht aus.
Verstärkung in den Randzeiten
Die neuen Mitarbeiter sollen nach Angaben des Klinikums unbefristet eingestellt werden. Gerechnet werde damit im August oder September, erklärt Stephan Steger, Direktor der Klinik für Akut- und Notfallmedizin. Der zusätzliche Bedarf bestehe vor allem außerhalb der regulären ambulanten Versorgungszeiten. Deshalb sollen Spät- und Nachtdienste sowie die Dienste an Wochenenden und Feiertagen verstärkt werden. Wie die 4,5 Vollzeitäquivalente auf die einzelnen Schichten verteilt werden, bleibt ebenso unbeantwortet wie die Frage nach verbindlichen Zusagen oder bereits abgeschlossenen Arbeitsverträgen. Ob die angekündigten Einstellungen schon gesichert sind, lässt sich den Antworten damit nicht entnehmen.
Prognose aus externen Gutachten
Die erwarteten 4000 zusätzlichen Patienten beruhen laut Tiete auf „Berechnungen externer Gutachten“. Das entspreche im Durchschnitt etwa zehn zusätzlichen Patienten am Tag. Wer die Gutachten erstellt hat, welche Daten ihnen zugrunde liegen und zu welchen Tageszeiten die zusätzliche Belastung erwartet wird, teilt Tiete nicht mit. Gerade für die geplante Verstärkung der Randzeiten wären diese Angaben wichtig. Auch die Auswirkungen auf den laufenden Betrieb lassen sich nach Angaben des Klinikums noch nicht genau beziffern. Ziel sei es, Abläufe, Wartezeiten und die Belastung für Patienten und Mitarbeiter möglichst auf dem bisherigen Niveau zu halten, erklärt Steger. „Gleichzeitig lässt sich im Vorfeld nicht exakt vorhersagen, wie sich die zusätzliche Inanspruchnahme unserer Notaufnahme konkret entwickeln wird.“ Entscheidend seien die tatsächliche Zahl der Patienten und die Schwere ihrer Erkrankungen. Die Situation werde beobachtet, Abläufe würden bei Bedarf angepasst. Was geschieht, wenn Wartezeiten steigen, Räume stärker ausgelastet sind, sich Übergaben des Rettungsdienstes verzögern oder stationäre Betten fehlen, bleibt offen.
Hausarztpraxis soll Notaufnahme entlasten
Einen Teil der Patienten will das Klinikum in die ambulante Versorgung lenken. Tiete appelliert, die Notaufnahme nur bei echten medizinischen Notfällen aufzusuchen. In anderen Fällen verweist er auf Hausarztpraxen, Bereitschaftspraxen, den ärztlichen Bereitschaftsdienst und das weiter ausgebaute Medizinische Versorgungszentrum in Kösching. Seit dem 1. Oktober 2025 arbeitet zudem eine Hausarztpraxis in den Räumen der KV-Notfallpraxis am Klinikum. Patienten mit ambulant behandelbaren Beschwerden sollen von dort in den niedergelassenen Bereich weitergeleitet werden. Nach Angaben Tietes werden dadurch bereits rund 7000 Patienten im Jahr umgesteuert.
Das Klinikum stehe außerdem in engem Austausch mit der Integrierten Leitstelle Ingolstadt. Ziel sei es, Rettungsdienstpatienten auf die beteiligten Krankenhäuser zu verteilen und die Belastung der Standorte auszugleichen.
Mit diesen Maßnahmen soll auch die Zeit bis zur geplanten Erweiterung der Notaufnahme in der zweiten Jahreshälfte 2027 überbrückt werden. Wie zusätzliche stationäre Aufnahmen bis dahin bewältigt werden sollen, geht aus den Antworten nicht hervor. Für den Fall, dass deutlich mehr als die erwarteten 4000 Patienten kommen, kündigt Tiete lediglich an, die erforderlichen Maßnahmen „bedarfsgerecht an die tatsächliche Entwicklung“ anzupassen. Mit rund 4000 zusätzlichen Patienten plant das Klinikum bereits. Welche konkreten Maßnahmen greifen, wenn es deutlich mehr werden, sagt Tiete nicht.
Transparenzhinweis: Dieser Artikel beruht auf einer per E-Mail gestellten Medienanfrage an das Klinikum Ingolstadt und dessen schriftlichen Antworten.