Werden Sie Unterstützer:in von O-T(h)öne
Machen Sie mit bei „Die Berichterstattung von O-T(h)öne ist mir etwas wert“. Ihre Mithilfe trägt dazu bei, dieses Angebot fortzuführen.


Wer in die Notaufnahme des Klinikums Ingolstadt kommt, wird nach Angaben der Verantwortlichen innerhalb der ersten zehn Minuten medizinisch eingeschätzt. Wer diese Ersteinschätzung vornimmt, geht aus den schriftlichen Antworten nicht hervor. Danach beginnt das Warten. „Die anschließende durchschnittliche Wartezeit beträgt derzeit rund 3,5 Stunden und liegt damit im deutschen Bundesdurchschnitt für Notaufnahmen“, erklärt Stephan Steger, Direktor der Klinik für Akut- und Notfallmedizin, auf Anfrage von O-T(h)öne.
Viele Fragen zur Notaufnahme bleiben unbeantwortet
Das Nachrichtenportal hatte das Klinikum um Auskunft über die durchschnittliche und maximale Auslastung der Notaufnahme gebeten. Gefragt worden war außerdem, wie sich die Wartezeit bis zur ärztlichen Erstbehandlung und die gesamte Aufenthaltsdauer in den vergangenen drei Jahren entwickelt haben. Steger nennt dazu lediglich die aktuelle durchschnittliche Wartezeit. Angaben zur Auslastung sowie zur Entwicklung von Wartezeit und Aufenthaltsdauer fehlen. Ob Patienten heute länger auf ihre Behandlung warten oder insgesamt mehr Zeit in der Notaufnahme verbringen als noch vor einigen Jahren, bleibt deshalb offen.
Abgemeldet oder eingeschränkt aufnahmebereit – wie oft?
Vollständig unbeantwortet bleibt die Frage nach Überlastungsabmeldungen. Das Klinikum war schriftlich um Auskunft gebeten worden, an wie vielen Tagen die Notaufnahme in den vergangenen zwölf Monaten wegen Überlastung für weitere Zuweisungen abgemeldet oder nur eingeschränkt aufnahmefähig war. Angefragt waren die absoluten Zahlen und die jeweiligen Zeiträume. Steger nennt weder das eine noch das andere.
Wenn Patienten aus Ingolstadt anderswo landen
Gefragt wurde ebenso, wie häufig Patienten aus Ingolstadt in den vergangenen zwölf Monaten in Krankenhäuser außerhalb des Stadtgebiets gebracht wurden, weil eine Aufnahme am Klinikum nicht oder nicht rechtzeitig möglich war. Auskunft erbeten worden war auch über die jeweiligen Gründe. Andreas Tiete, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Klinikums, erklärt, dem Haus lägen dazu keine belastbaren Zahlen vor. Solche Fälle seien nicht Teil der eigenen Leistungserfassung.
An anderer Stelle verweist Tiete auf die Abstimmung mit der Integrierten Leitstelle. Patientenströme im Rettungsdienst sollen demnach „sinnvoll auf die beteiligten Krankenhäuser“ verteilt und die Belastung einzelner Standorte möglichst ausgeglichen werden. Wie viele Patienten wegen fehlender oder nicht rechtzeitig verfügbarer Aufnahmemöglichkeiten am Klinikum tatsächlich außerhalb Ingolstadts versorgt wurden, bleibt dennoch offen. Auch die erbetenen Gründe für die einzelnen Fälle nennt Tiete nicht.
Verzögerungen bei der Versorgung? Das Klinikum verneint sie
Ob dem Klinikum Fälle bekannt sind, in denen sich Behandlungen wegen überlasteter Räume, fehlender Betten oder verzögerter Übergaben medizinisch relevant verzögert haben, beantwortet Steger mit einem klaren Nein. Er verweist auf das standardisierte Triageverfahren. Patienten mit höherer Dringlichkeit würden bevorzugt behandelt. „Dadurch werden medizinisch relevante Verzögerungen in der Versorgung vermieden“, erklärt er. Damit beschreibt Steger, nach welchem medizinischen Prinzip die Reihenfolge der Behandlungen festgelegt wird. Nähere Angaben zur tatsächlichen Raum-, Betten- oder Übergabesituation enthält seine Antwort nicht.
Auf detaillierte schriftliche Fragen liefert das Klinikum damit nur wenige belastbare Angaben. Es zeigt sich erstaunlich zugeknöpft. Daraus ergibt sich eine weitere Frage: Warum?
Transparenzhinweis: Dieser Artikel beruht auf einer per E-Mail gestellten Medienanfrage an das Klinikum Ingolstadt und dessen schriftlichen Antworten.