Werden Sie Unterstützer:in von O-T(h)öne
Machen Sie mit bei „Die Berichterstattung von O-T(h)öne ist mir etwas wert“. Ihre Mithilfe trägt dazu bei, dieses Angebot fortzuführen.


Der Klinikverbund im Naturpark Altmühltal hat am Dienstag offiziell angekündigt, die Öffnungszeiten der Notaufnahme in Kösching künftig deutlich zu begrenzen. Nach Verbandsangaben soll die Notfallversorgung dort nur noch tagsüber stattfinden; nachts sollen Patienten nach Eichstätt oder in umliegende Kliniken ausweichen.
Diese Regelung soll zum Jahresbeginn 2026 greifen – ein Schritt, über den O-T(h)öne bereits am Vortag berichtet hatte. Der DONAUKURIER schrieb in seinem Onlineportal dazu, es habe nach der Beschlussfassung offenbar eine Indiskretion gegeben, ohne dies näher auszuführen. In der Medienpraxis kommt es allerdings regelmäßig vor, dass Informationen vor offiziellen Mitteilungen an Redaktionen gelangen – und davon profitieren letztlich alle Medien.
Politisch entfaltet diese Entscheidung nun eine neue Dynamik – und macht deutlich, dass die regionale Abstimmung offenbar weniger stabil ist, als es die Verantwortlichen zuletzt dargestellt haben.
Ein Oberbürgermeister, der überrascht ist
Am heutigen Spätnachmittag ließ Ingolstadts Oberbürgermeister Michael Kern (CSU) ein Statement über die städtische Pressestelle verbreiten. Der Zeitpunkt der Ankündigung überrasche ihn „schon ein wenig“, zitiert ihn die Pressemitteilung. Kern berief sich auf einen Eichstätter Kreistagsbeschluss aus dem Herbst, in dem festgehalten wurde, dass die bestehende Notfallversorgung in Kösching so lange vollständig erhalten bleiben solle, bis belastbare Alternativen tatsächlich verfügbar seien. Auch der Ingolstädter Stadtrat hatte erst jüngst signalisiert, man sei bereit, Kapazitäten für die Notfallversorgung der Region finanziell, zeitlich und baulich zu prüfen. Mit Blick auf die kurzfristige Versorgungssicherheit in der Region rät Kern, sich eng abzustimmen.
Damit steht die unbequeme Frage im Raum, wie belastbar die Zusammenarbeit zwischen Oberbürgermeister Kern und den Landkreisen tatsächlich ist. Wenn Kern vom Zeitpunkt der Ankündigung überrascht wurde – hat ihn der Landkreis vor der Beschlussfassung nicht kontaktiert? Oder funktionieren die viel beschworenen regelmäßigen Abstimmungsrunden zwischen dem Ingolstädter OB und den Landräten womöglich weniger reibungslos, als öffentlich dargestellt?
Eine Vorgeschichte voller Misstöne
Die Irritation Kerns lässt sich kaum verstehen, ohne die politische Vorgeschichte der vergangenen Monate zu berücksichtigen. Seit September ist das Verhältnis zwischen Ingolstadt und den umliegenden Kreisen angespannt. Damals hatte die Ingolstädter CSU – in Kerns Anwesenheit – überraschend beschlossen, die seit Jahren verfolgte Fusion des Ingolstädter Klinikums mit kommunalen Landkreiskliniken vorerst nicht mehr zu unterstützen.
Die Landräte reagierten ungewöhnlich scharf. In Eichstätt sprach Landrat Alexander Anetsberger von einem „Paukenschlag“ und stellte die Verlässlichkeit Ingolstadts offen infrage. Pfaffenhofens Landrat Albert Gürtner warf der Ingolstädter CSU eine „provinzielle Kirchturmpolitik“ vor, die die regionale Zusammenarbeit gefährde. In Neuburg-Schrobenhausen sprach Peter von der Grün sogar von einem „Torpedieren“ der gemeinsamen Bemühungen.
Im Oktober griff sogar die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach ein. Nach Berichten der Mediengruppe Bayern mahnte sie die Verantwortlichen der Region 10 bei einem Treffen im Ministerium, ihre Kooperation wieder zu festigen und den eingeschlagenen Weg konsequent fortzuführen. Ein Ausbau des Klinikums Ingolstadt in Richtung Maximalversorgung oder gar Uniklinik sei demnach derzeit unrealistisch; nur ein abgestimmtes Vorgehen sichere langfristig die Krankenhauslandschaft.
Kösching wird zum Gradmesser
Vor diesem Hintergrund erhält die Debatte um die nächtliche Schließung der Notaufnahme in Kösching ein besonderes Gewicht.
Die politische Frage liegt auf der Hand: Haben Stadt und Landkreise die Spannungen des Herbstes wirklich hinter sich gelassen? Kerns Überraschung über den Zeitpunkt der Ankündigung verstärkt Zweifel daran. Dass die offizielle Mitteilung Kerns den Eindruck erweckt, zentrale Akteure seien erneut nicht auf gleicher Informationshöhe gewesen, ist für die Region und deren Kommunalpolitiker ein deutliches Warnsignal.
Wenn Oberbürgermeister und Landräte bei grundlegenden Entscheidungen der Notfallversorgung weiterhin aneinander vorbeikommunizieren, steht mehr auf dem Spiel als ein Klinikstandort. Dann geht es um die Frage, ob die Region überhaupt in der Lage ist, ein gemeinsames Gesundheitskonzept zu tragen – oder ob alte Brüche tiefer reichen, als es die Verantwortlichen bislang erkennen ließen.
Quelle: Eigene Berichterstattung.
