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Notaufnahme: Stadtrat Wittmann (CSU) räumt Probleme ein

„Dass wir bei einer Notaufnahme immer wieder Probleme haben, das ist ja nichts Neues“, sagte Wittmann im Gespräch mit O-Th(h)öne am vergangenen Freitagabend. Abmeldungen habe es auch früher gegeben. Verschärft habe sich die Lage durch die Schließung der Notaufnahme in Kösching.

Abmeldungen bekannt – Folgen nur teilweise

Dem Aufsichtsrat werden nach Angaben im Gespräch regelmäßig Diagramme über die Abmeldungen vorgelegt. Nicht systematisch erfasst wird dagegen, wie viele Ingolstädter wegen fehlender oder nicht rechtzeitig verfügbarer Kapazitäten schließlich in anderen Krankenhäusern behandelt werden. Auch eine Gesamtauswertung über den Schweregrad dieser Patienten liegt nicht vor.

Gerade darauf kommt es an. Wittmann selbst sagte, bei einer Fahrt etwa nach München, Nürnberg oder Regensburg müsse unterschieden werden: Sei ein Patient so schwer erkrankt oder verletzt, dass ihm die längere Fahrstrecke schade, „weil die Zeit davonläuft“, müsse er ins Klinikum Ingolstadt. Sei die Notaufnahme dagegen ausgelastet, könne eine Abmeldung notwendig sein, um Kapazitäten für absolute Notfälle freizuhalten.

Längere Ausweichfahrten betreffen nicht nur den Patienten. Rettungswagen sind währenddessen länger gebunden und stehen für weitere Einsätze vor Ort nicht zur Verfügung. Für Angehörige können zusätzliche Wege und Belastungen entstehen.

Auf die Frage, ob man sich deshalb über den Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung die Zahlen zu den Abmeldungen und den daraus folgenden Fahrten in andere Krankenhäuser besorgen müsse, stimmte CSU-Klinikumsaufsichtsrat Christopher Hofmann zu. „Ja, das ist sicherlich notwendig.“

Keine Garantie für jeden Fall

Besonders sensibel ist die Frage, ob lebensbedrohlich Erkrankte oder Verletzte tatsächlich immer in Ingolstadt aufgenommen werden. Aus dem Klinikum wurde erklärt, dass absolute Notfälle auch bei einer Abmeldung der Notaufnahme angenommen würden. Wittmann hält grundsätzlich an dieser Darstellung fest. Auf den Hinweis, dass sie aus dem Rettungsdienst bestritten werde, sagte er allerdings, er habe selbst „drei, vier“ Beispiele angesprochen, die dieser Aussage entgegenstünden. Vom Klinikum seien sie als Einzelfälle bezeichnet worden.

Eine Garantie gab Wittmann nicht.

„Ich kann keine Garantie geben.“ Man müsse „die Hand am Puls halten“, damit die Situation nicht zulasten kranker Menschen gehe. Auf die Frage, ob dafür alle notwendigen Zahlen und Fakten vorliegen, verwies Wittmann zugleich auf die Einschätzung der Fachleute vor Ort: „Mit Statistiken allein kann man die Situation auch nicht unbedingt steuern.“

„So können wir nicht weiterarbeiten“

Abhilfe soll ein neues Konzept mit einem Umbau der bestehenden Notaufnahme schaffen. Patienten sollen besser gesteuert, tatsächliche Notfälle schneller von weniger dringlichen Fällen getrennt werden. Der zuständige Chefarzt unterstützt diesen Weg, sagte Wittmann. Für ihn ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: „So wie wir jetzt mit der Notaufnahme arbeiten, können wir nicht weiterarbeiten.“ Zusätzlichen Handlungsdruck erzeugen die bevorstehenden Baumaßnahmen. Wenn die Baustraße künftig an der Notaufnahme vorbeiführe, werde die heutige Organisation dort endgültig nicht mehr funktionieren. Ein vollständiger Neubau ist kurzfristig keine Alternative. Nach Wittmanns Angaben wurde er bislang vom Gesundheitsministerium abgelehnt, weil langfristig ohnehin eine neue Notaufnahme vorgesehen sei. Bis dahin könnten noch zwölf bis 15 Jahre vergehen. „Wir müssen die Probleme jetzt lösen.“ Auch mehr Personal allein werde nicht reichen. Bei der heutigen Infrastruktur sei es selbst mit zusätzlichen Beschäftigten nicht möglich, jeden Patienten innerhalb weniger Stunden zu behandeln.

Patienten teilweise im Freien

Ein weiteres Problem ist die Übergabe durch den Rettungsdienst. Bei Überlastung der Fahrzeughalle müssen Patienten teilweise außerhalb der Halle aus Rettungswagen gebracht werden – bei Regen, Schnee oder Sturm. Nach Wittmanns Angaben soll der Umbau auch hier Abhilfe schaffen. Insbesondere Schwerstkranke sollen künftig nicht mehr unter freiem Himmel aus dem Fahrzeug gebracht werden müssen. Wie die Lösung konkret aussieht, konnte er allerdings nicht sagen. „Das kann ich aus dem Stand nicht sagen.“ Er sei dennoch zuversichtlich, dass auch dieses Problem in den Griff zu bekommen sei.

Damit geht es nicht nur um einen Umbau. Die Politik muss zugleich wissen, was tatsächlich mit Patienten geschieht, wenn sich die Notaufnahme abmeldet. Die Zahl der Abmeldungen allein beantwortet diese Frage nicht.

Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.

Anmerkung der Redaktion: Diese Berichterstattung erfolgt im Rahmen eines Gesprächs mit CSU-Fraktionsvorsitzendem Christopher Hofmann sowie den Stadträten Albert Wittmann und Christian Lösel am vergangenen Freitag. Weitere Themen des Gesprächs waren die Finanzlage und Haushaltskonsolidierung, Personal- und Verwaltungskosten, Steuern und Gebühren, Wirtschaft und Arbeitsplätze, Wirtschaftsförderung und Technologietransfer, das Klinikum und die Notfallversorgung, die weitere Entwicklung der Kliniklandschaft sowie Transparenz und politische Entscheidungswege. Die jeweiligen Artikel finden Sie auf www.o-thoene.de.

Weitere Fraktionen des Ingolstädter Stadtrates sind ebenfalls zu ausführlichen Gesprächen angefragt. Auch über diese wird dann in gleicher Form berichtet.

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