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CSU: Robotikzentrum für neue Arbeitsplätze

Der offizielle Name ist sperrig: Technologie-Transferzentrum für humanoide Robotik und Künstliche Intelligenz. Im Gespräch mit O-T(h)öne wird daraus meist schlicht das Robotikzentrum.

Die CSU verweist auf eine Standortanalyse, die unter Wirtschaftsreferent Georg Rosenfeld erarbeitet wurde. Danach liegen Ingolstadts besondere Fähigkeiten vor allem im Maschinenbau, in der Elektrotechnik und in den Ingenieurwissenschaften. Im Gespräch fällt dafür ein Begriff: „bewegte Maschinen“. Dazu gehören das Automobil, Luftfahrt- und Drohnentechnik sowie Robotik. Bei Robotern müsse Ingolstadt zunächst nicht selbst zum Hersteller werden. Fähigkeiten gebe es aber bei Wartung, Reparatur und dem Einsatz solcher Systeme in der Produktion.

Projekt kommt vor der Strategie

Der Antrag zum Robotikzentrum sei „ein ganz klarer Fraktionsantrag“, sagt CSU-Fraktionsvorsitzender Christopher Hofmann. Er komme aus der Mitte der Fraktion. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt. Eine fertige Wirtschaftsstrategie für Ingolstadt gibt es noch nicht. Sie soll erst bis Ende des Jahres erarbeitet werden. Das Robotikprojekt wird damit bereits politisch vorangetrieben, bevor die Gesamtstrategie steht. Die Begründung der CSU: Die Standortanalyse zeige schon heute, welche Fähigkeiten vorhanden sind und an welchen Technologien Ingolstadt sinnvoll anknüpfen kann. Christian Lösel bringt es auf einen Grundsatz: Die Stadt müsse sich überlegen, welche Produkte sie mit den vorhandenen Kompetenzen tatsächlich entwickeln könne. Nicht jede Zukunftstechnologie passe automatisch nach Ingolstadt.

2,5 Millionen Euro Anschubfinanzierung

Billig ist der Einstieg nicht. Der ursprüngliche CSU-Antrag sieht eine städtische Anschubfinanzierung von 500.000 Euro jährlich für zunächst fünf Jahre vor – insgesamt 2,5 Millionen Euro. Das Geld soll Personal-, Investitions- und Sachkosten für Aufbau und Betrieb finanzieren. Gleichzeitig sollen Wissenschaft und Unternehmen erhebliche eigene Leistungen einbringen. Eine feste Mindestquote für deren finanzielle Beteiligung nennt der Antrag allerdings nicht. Nach fünf Jahren soll Bilanz gezogen werden: Wie viele Förder- und Drittmittel wurden eingeworben? Wie viele Unternehmen und Start-ups betreut? Wie viele gemeinsame Projekte, neue Unternehmen und Arbeitsplätze sind entstanden? Eine konkrete Mindestzahl neuer Arbeitsplätze nennt der Antrag nicht.

Bestehende Strukturen statt neues Gebäude

Eine weitere Frage lag deshalb nahe: Warum überhaupt ein neues Zentrum, wenn mit THI, AININ, Gründerstrukturen und anderen Einrichtungen bereits ein Netzwerk vorhanden ist? Die Antwort im Gespräch: „Das passiert ja.“ Nach Darstellung der CSU soll gerade kein neues großes Gebäude mit einem zusätzlichen Apparat entstehen. Vorhandene Ressourcen sollen gebündelt werden. Die Technische Hochschule Ingolstadt spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie verfüge über entsprechende technologische Kompetenzen und sei bereit, dieses Wissen mit dem Mittelstand zu teilen. Ein Unternehmen soll mit einem konkreten Produktionsproblem in das Netzwerk kommen können. Dort könnten Hochschule, Start-ups und weitere Partner an einer technischen Lösung arbeiten, bis diese im Betrieb tatsächlich funktioniert. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen könnten sich solche Entwicklungen allein häufig nicht leisten.

„Kein Wissenschaftsprojekt“

Deshalb fällt im Gespräch ein weiterer klarer Satz: Es sei „kein Wissenschaftsprojekt“. Ziel sei nicht Forschung um der Forschung willen. Es gehe um die Produktionsfähigkeit Ingolstädter Unternehmen, neue Kompetenzen sowie die Aus- und Fortbildung von Beschäftigten. Robotik ist dabei nur ein Baustein. Hinzu kommen autonomes Fahren und unbemannte Luftfahrt. Entscheidend sei eine engere Verzahnung zwischen Hochschule, Stadt sowie industriellem und handwerklichem Mittelstand. Das Zentrum soll deshalb auch nicht die letzte wirtschaftspolitische Maßnahme bleiben. Nach Auffassung der CSU braucht der Mittelstand weitere Zugänge zu Hochtechnologien.

Lösel: „Das mag sein“

Für Christian Lösel ist das Projekt zugleich eine Fortsetzung seiner früheren Technologiestrategie als Oberbürgermeister. Seit 2016 habe er neue Technologien wie Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und unbemannte Luftfahrtsysteme vorangetrieben. Wäre er im Amt geblieben, sagt Lösel, hätte er diese Strategie „mit Vollgas weitergetrieben“. Auf die Frage, ob er mit seinem damaligen Tempo Verwaltung, Stadtrat und möglicherweise auch die Bevölkerung überfordert habe, antwortet er: „Das mag sein.“ Dann folgt seine Gegenfrage: „Was wäre denn die Alternative gewesen?“ Lösel bedauert, dass diese Technologiestrategie nach seinem Ausscheiden 2020 nicht mit derselben Intensität weiterverfolgt worden sei. Die THI habe das Thema unbemannte Luftfahrt allerdings weiterentwickelt. Er verweist auf das Technologietransferzentrum in Manching und weitere Hochschulaktivitäten.

Hofmann weist Vorwurf gegen Lösel zurück

Eine besondere Rolle spielt dabei Lösel selbst. Er ist nicht nur CSU-Stadtrat, sondern auch Geschäftsführer von AININ. Im CSU-Antrag ist AININ für administrative Koordination, Vermarktung, Netzwerkmanagement und Unterstützung beim Technologietransfer vorgesehen. Im Stadtrat führte diese Verbindung bereits zu Kritik an der Trennung seiner politischen und beruflichen Rollen. Hofmann hält den Vorwurf für unbegründet. Bei Fragen, die unmittelbar die THI betrafen, habe Lösel kenntlich gemacht, wenn er nach Rücksprache für die Hochschule sprach. Lösel selbst sagt, in der wirtschaftspolitischen Debatte habe er nicht für die THI gesprochen, sondern für den Erhalt der industriellen und handwerklichen Arbeitsplätze am Standort. Damit ist die Richtung klar: Die CSU will nicht warten, bis Ende des Jahres jedes Detail einer Wirtschaftsstrategie feststeht. Sie treibt das Robotikprojekt schon jetzt voran, weil sie die technologischen Stärken Ingolstadts für ausreichend identifiziert hält. Der finanzielle Einsatz ist ebenfalls beschrieben. Was noch bewiesen werden muss, ist der Ertrag: neue Produkte, wettbewerbsfähigere Betriebe und zusätzliche Arbeitsplätze. Daran wird sich das Projekt messen lassen.

Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.

Anmerkung der Redaktion: Diese Berichterstattung erfolgt im Rahmen eines Gesprächs mit CSU-Fraktionsvorsitzendem Christopher Hofmann sowie den Stadträten Albert Wittmann und Christian Lösel am vergangenen Freitag. Weitere Themen des Gesprächs waren die Finanzlage und Haushaltskonsolidierung, Personal- und Verwaltungskosten, Steuern und Gebühren, Wirtschaft und Arbeitsplätze, Wirtschaftsförderung und Technologietransfer, das Klinikum und die Notfallversorgung, die weitere Entwicklung der Kliniklandschaft sowie Transparenz und politische Entscheidungswege. Die jeweiligen Artikel finden Sie auf www.o-thoene.de.

Weitere Fraktionen des Ingolstädter Stadtrates sind ebenfalls zu ausführlichen Gesprächen angefragt. Auch über diese wird dann in gleicher Form berichtet.

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