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Scharpf schafft die Sensation - die Last wird schwer

Scharpf schafft die Sensation - die Last wird schwer

Von Thomas Thöne

Die Ingolstädterinnen und Ingolstädter haben entschieden, “Es ist Zeit für den Wechsel“, getreu dem Wahlkampfmotto, welches der neue Ingolstädter Oberbürgermeister, Dr. Christian Scharpf (SPD), auserkoren hatte. Scharpfs Wahlsieg mit 59,28 Prozent, laut der letzten Schnellmeldung aus dem Rathaus, darf durchaus als Sensation bezeichnet werden.

Für die Ingolstädter CSU ist die gescheiterte Oberbürgermeisterwahl das absolute Waterloo. 40,72 für die CSU, das ist mehr als eine deutliche Wahlklatsche. Zuerst verzwergte die Wählerschaft die CSU-Stadtratsfraktion auf nur noch 13 Sitze, dann bei der Stichwahl verliert sie auch den Oberbürgermeister, den sie durchgehend seit 1972 immer im ersten Wahlgang bei den Kommunalwahlen stellte. Die Ingolstädter CSU steht vor einem riesigen Scherbenhaufen. Lösel bekam mit diesem Wählerentscheid die Quittung, insbesondere für seinen Umgang mit dem Ingolstädter Stadtrat und seinen Führungsstil.

Sicherlich trägt auch der Prozess vor dem Ingolstädter Landgericht gegen den früheren Oberbürgermeister Alfred Lehmann mit zu dem schlechten CSU-Ergebnis bei. Dies aber nur zum Teil. Die CSU im Gesamten, mit ihrem Machtgehabe, die Stadtspitze mit einem machtverliebten Christian Lösel und einem autoritären, oftmals überheblichen Albert Wittmann im Besonderen, sind für dieses Wahlergebnis verantwortlich. Öffentlich deutlich gemachte fehlende Einsicht gegenüber berechtigter Kritik kommen hinzu.

Nun muss sich die Ingolstädter CSU neu justieren und die kommenden sechs Jahre nutzen, sich für den nächsten Kommunalwahlkampf anders aufzustellen. Dabei braucht es nicht nur neue Köpfe, welche die CSU repräsentieren, sondern ein grundlegendes anderes Verständnis im Umgang mit den politischen Wettbewerbern, aber auch mit der Bevölkerung.

Christian Scharpf, als neuer Oberbürgermeister, übernimmt dieses Amt in schwierigen Zeiten. Es gilt nun nicht nur die Coronakrise gut zu bewältigen und zu überstehen, sondern danach den wirtschaftlichen Scherbenhaufen, der Ausfluss aus der Krise sein wird. Dies wird nicht leicht werden. Leicht wird Scharpfs Amtszeit auch ohne Coronakrise nicht. Lasten doch enorme Erwartungen auf ihm, als Mensch und Oberbürgermeister. Diese alle zu erfüllen wird für Scharpf nicht möglich sein. Man darf gespannt sein, wie seine ersten 100 Tage als Oberbürgermeister aussehen, welche Entscheidungen er hier trifft und welche Spuren er hinterlässt. Entscheidend wird jetzt sein, wen Scharpf sich ins Team holt, sowohl politisch als auch in der Administration und der Beratung.

Dem Noch-OB Christian Lösel kann man nur anraten, Scharpf jetzt in alle Entscheidungen mit einzubinden, ihn umfassend zu informieren und auf seinen Rat zu hören, bevor dieser im Mai offiziell das Amt des Oberbürgermeisters antritt.

Es ist im Übrigen nicht die Zeit für Häme und Spott gegenüber dem Wahlverlierer Christian Lösel. Dies Wahlergebnis muss man menschlich erst einmal verdauen. So hart gesotten kann keiner sein, ein derartiges Wahlergebnis wegzustecken, auch Christian Lösel nicht. Wenn dieser gut beraten wird, was die letzten sechs Jahre offensichtlich nicht der Fall war, kommt er zu der Entscheidung sein Stadtratsmandat nicht anzunehmen und sich aus der Kommunalpolitik zurückzuziehen.

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