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Von Thomas Thöne
Der Stadtrat der Stadt Ingolstadt beschließt Sparmaßnahmen – auch im sozialen Bereich. Und er tut das, ohne öffentlich zu benennen, was diese Entscheidungen konkret bedeuten. Welche Folgen sie für Beratungsstellen, Projekte oder Träger haben, bleibt offen. Was sich dagegen bereits beobachten lässt, ist politisches Schweigen. Und das ist keine Randnotiz, sondern Teil des Problems.
Während kulturpolitische Themen im Stadtrat regelmäßig Debatten auslösen, öffentlich verteidigt werden und auch medial Resonanz finden, bleibt das Soziale auffallend leise. Für Kultur gibt es in Ingolstadt profilierte Stimmen, engagierte Fürsprecherinnen und Fürsprecher – im Stadtrat, in der Stadtgesellschaft und in der Öffentlichkeit. Für den sozialen Bereich lässt sich eine vergleichbare politische Präsenz kaum erkennen. Kurz gesagt: Kultur hat eine Stimme. Das Soziale offenbar nicht.
Dabei geht es hier nicht um abstrakte Haushaltszahlen, sondern um Beratungsstellen, Jugendprojekte und Hilfsangebote – um Strukturen, die den sozialen Zusammenhalt der Stadt tragen. Wenn dort gekürzt wird, fehlt oft die politische Stimme, die Einschnitte sichtbar macht und ihnen widerspricht. Es gibt keinen schnellen Aufschrei, keine breite Debatte, keine klar erkennbare sozialpolitische Gegenposition im Stadtrat.
Wo sind die lauten Stimmen im Stadtrat für das Soziale? Wo ist auch nur eine profilierte sozialpolitische Stimme, die Einschnitte nicht nur verwaltet, sondern politisch infrage stellt? Gerade hier wäre politische Lautstärke gefragt gewesen.
Die Verantwortung dafür liegt nicht bei den Trägern, nicht bei den Einrichtungen, nicht bei Ehrenamtlichen. Sie liegt bei den gewählten Stadträtinnen und Stadträten, die diese Beschlüsse fassen. Doch eine öffentlich sichtbare Auseinandersetzung darüber, was Einschnitte für Vereine, Initiativen oder soziale Projekte konkret bedeuten, bleibt bislang aus.
Der Eindruck drängt sich auf, dass Sparbeschlüsse gefasst werden, ohne sie öffentlich politisch auszutragen. Nachfragen zu konkreten Auswirkungen sind kaum hörbar. Statt Abwägung dominiert eine Logik der Zahlen. Gespart wird jetzt, bewertet wird später. Wenn überhaupt.
Dabei sind die möglichen Konsequenzen bekannt. Fällt eine Beratungsstelle weg oder zieht sich ein Träger zurück, entsteht keine Lücke auf dem Papier, sondern im Alltag von Menschen, die auf diese Angebote angewiesen sind. Werden soziale Strukturen einmal zerschlagen, lassen sie sich oft nicht einfach wieder aufbauen. Netzwerke zerfallen, Vertrauen geht verloren, Engagement bricht weg. Das ist kein Kollateralschaden, sondern eine absehbare Folge politischen Wegsehens.
Ingolstadt täte hier ein wenig Regine Hildebrandt gut. Sie war Sozialministerin in Brandenburg und galt als eine der profiliertesten sozialpolitischen Stimmen der Bundesrepublik – bekannt dafür, soziale Folgen politischer Entscheidungen offen zu benennen und Konflikte nicht zu scheuen.
Sparen im sozialen Bereich ist nie neutral. Es ist immer eine politische Entscheidung über Prioritäten. Wer beim Sozialen schweigt, trifft trotzdem eine Entscheidung. Frohe Weihnachten!
Hinweis der Redaktion: Lesen Sie auch -> Der Stadtrat spart – die Stadt sagt nicht, was die Folgen sind.
