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Der Zeitpunkt fällt auf. Die SPD-Stadtratsfraktion fordert eine strategische Neuaufstellung der Ingolstädter Wirtschaftsförderung – ausgerechnet jetzt, nachdem sie mit Christian Scharpf bis Anfang 2025 selbst den Oberbürgermeister gestellt hatte. Heute richtet sich die Forderung an eine Stadtverwaltung unter CSU-Führung.
Inhaltlich geht es um ein Thema, das für Unternehmen oft entscheidender ist als politische Grundsatzreden: Wie schnell arbeitet eine Verwaltung? Wie verlässlich sind Genehmigungen? Und gibt es jemanden, der sich zuständig fühlt, wenn ein Betrieb erweitern oder sich neu ansiedeln will?
Die SPD verlangt, dass Stadtverwaltung und Stadtrat gemeinsam eine Gesamtstrategie für die künftige Wirtschaftsförderung erarbeiten. Vorhandene Ressourcen sollen gezielter eingesetzt, bestehende Unternehmen besser unterstützt und Neuansiedlungen aktiver begleitet werden. Hintergrund sind die angespannten finanziellen Rahmenbedingungen der Stadt. Gerade wenn Geld knapp ist, wird Verwaltungstempo selbst zum Standortfaktor.
Die Fraktion fordert messbare Ziele bei Bearbeitungszeiten und Genehmigungen. Unternehmen sollen besser planen können, statt in Verfahren zu hängen, deren Dauer schwer abschätzbar ist. Auch der Servicecharakter der Verwaltung soll gestärkt werden. Ingolstadt solle zu einer der serviceorientiertesten Großstädte Bayerns werden.
Dazu gehören nach Vorstellung der SPD eine zentrale Anlaufstelle für Unternehmen, weniger Bürokratie und stärker digitalisierte Verfahren. Außerdem fordert die Fraktion einfachere Prozesse, Entlastung für Betriebe und eine aktivere Ansiedlungspolitik.
Der Antrag fügt sich in die laufende Debatte über Ingolstadts wirtschaftliche Zukunft ein. Der Umbruch in der Autoindustrie, knappe Kassen und die starke Bindung an Audi und den Volkswagen-Konzern erhöhen den Druck auf die Stadt. Die SPD setzt dabei nicht zuerst bei neuen Flächen oder großen Leitbildern an, sondern bei der Verwaltungspraxis: kürzere Wege, klare Zuständigkeiten, schnellere Entscheidungen.
Die Forderung kommt allerdings in einer Zeit, in der im Stadtrat zugleich über weniger Personal in der Stadtverwaltung gesprochen wird. Gerade darin liegt der Widerspruch: Schnellere Verfahren, bessere Erreichbarkeit und mehr Begleitung für Unternehmen lassen sich politisch leicht verlangen. Praktisch müssen sie aber von einer Verwaltung geleistet werden, die schon heute unter Spar- und Konsolidierungsdruck steht.
Ob daraus mehr wird als ein weiterer Prüfauftrag, entscheidet sich an der Umsetzung. Eine Strategie kann Zuständigkeiten ordnen und Verfahren beschleunigen. Für Unternehmen zählt am Ende aber nicht das Papier, sondern ob Genehmigungen schneller kommen, Ansprechpartner erreichbar sind und Ansiedlungen nicht an Zuständigkeiten hängen bleiben.
Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf einer Mitteilung der SPD-Stadtratsfraktion Ingolstadt sowie ergänzender redaktioneller Einordnung.