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Stadt Ingolstadt: Weiteres Sparen im Ausnahmezustand

Die Stadt Ingolstadt steht vor einem tiefen Einschnitt. Für 2026 erwartet die Verwaltung ein Defizit von bis zu 100 Millionen Euro. Sie führt die Entwicklung vor allem auf den Einbruch der Gewerbesteuer zurück, die sich gegenüber den Vorjahren „faktisch halbiert“ habe. Eine Erholung sei nicht absehbar. Morgen befasst sich der Ausschuss für Finanzen, Liegenschaf-
ten, Wirtschaft und Arbeit mit einer Vorlage, die weiteres Sparen einleiten soll.

Die bisherigen Ausgabensperren dämpfen zwar den Haushalt, doch nach Einschätzung der Verwaltung reichen sie nicht mehr aus. Ab Januar dürfte Ingolstadt dauerhaft in der vorläufigen Haushaltsführung arbeiten. Zulässig wären dann nur noch rechtlich gebotene oder unaufschiebbare Ausgaben. Neue Projekte hätten kaum noch Spielraum.

Personalabbau als zentraler Hebel

Der größte Einschnitt betrifft die Personalausgaben. Der Ist-Bestand soll kurzfristig um zehn Prozent sinken. Geprüft wird eine umfassende Nachbesetzungssperre. Größere Entlastungen seien nur erreichbar, wenn Aufgaben reduziert oder aufgegeben werden. Digitale Abläufe sollen beschleunigt werden, um strukturelle Anpassungen zu ermöglichen.

Einrichtungen im Fokus

Zahlreiche städtische Angebote gehören zu den freiwilligen Leistungen – und stehen nun auf dem Prüfstand. Betroffen sind unter anderem Volkshochschule, Musikschule, Jugendherberge, Bürgerhäuser und Büchereien. Möglich sind höhere Gebühren, ein reduziertes Angebot oder Änderungen der Trägerschaft. Auch Schließungen schließt die Verwaltung nicht aus, allerdings nur als letzten Schritt. Kostenrechnende Einrichtungen sollen künftig höhere Kostendeckungsgrade nachweisen.

Das Theater spart weiter

Auch das Stadttheater soll sein Defizit weiter verringern. Bereits beschlossene Kürzungen greifen, etwa beim Personal und beim Programm. Mit dem Umzug in das Theater im Glacis erwartet die Verwaltung zusätzliche Einsparpotenziale, sobald die Abläufe feststehen. Die künstlerische Ausrichtung soll dennoch erhalten bleiben.

Mehr Einnahmen – und Hilfe vom Staat

Die Stadt prüft höhere Gebühren und eine Anpassung der Grundsteuer B sowie weiterer kommunaler Steuern. Parallel bereitet sie einen Antrag auf Bedarfszuweisungen vor. Solche Zuschüsse werden nur gewährt, wenn die Kommune eigene Einsparpotenziale ausschöpft – ein Punkt, den die Rechtsaufsicht eng begleitet.

Neuordnung der Gremienarbeit

Für die nächste Wahlperiode sollen weniger Ausschüsse, geringere Entschädigungen und eine stärker digitalisierte Gremienarbeit vorbereitet werden. Entscheiden wird darüber jedoch erst der neue Stadtrat ab Mai 2026.

Die Sitzungsvorlage ist unter https://www.ingolstadt.de/sessionnet/getfile.php?id=245043&type=do öffentlich einsehbar.

Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.

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