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Die SPD-Stadtratsfraktion in Ingolstadt fordert eine Rettung der insolventen chirurgischen Privatklinik Dr. Maul. Die Sozialdemokraten wollen einen Kauf durch die Stadt Ingolstadt und den Freistaat Bayern. Dabei steht die Stadt selbst vor einer der größten Finanzkrisen ihrer Geschichte. In der Privatklinik werden jährlich rund 15.000 Notfälle behandelt.
Mitten im politischen Sommerloch und im Vorfeld der Kommunalwahl im März kommenden Jahres bekommt die Forderung zusätzliche Brisanz. Ein Detail am Rande: Unter dem früheren SPD-Oberbürgermeister Christian Scharpf wurde 2024 ein Gutachten zur regionalen Medizinstrategie vorgestellt – die Privatklinik Dr. Maul blieb darin unberücksichtigt.
Finanzlage der Stadt Ingolstadt sehr angespannt
Die Forderung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Stadt massiv unter Druck steht. Ende Juli berichtete Finanzreferent Franz Fleckinger im Ausschuss von drohenden Haushaltslücken in zweistelliger Millionenhöhe. Schwache Gewerbesteuereinnahmen, Rückzahlungen an Unternehmen und steigende Ausgaben belasten den Haushalt. Bis 2028 rechnet die Stadt mit Krediten von mehr als einer halben Milliarde Euro. Hinzu kommen Belastungen durch die milliardenschwere Sanierung des Klinikums und die bis zu 242 Millionen Euro teure Erneuerung des Stadttheaters.
Kauf der Privatklinik im Klinikum-Aufsichtsrat
Die SPD argumentiert dennoch, die chirurgische Privatklinik Dr. Maul sei für die medizinische Grundversorgung unverzichtbar. Stadtrat Quirin Witty geht davon aus, dass im Zuge des Insolvenzverfahrens Leistungen wegfallen könnten, die das kommunale Klinikum zusätzlich belasten würden. Sein Fraktionskollege Anton Böhm verweist darauf, dass Ingolstadt mit nur zwei Krankenhäusern schlechter ausgestattet sei als vergleichbare Großstädte. Man habe Gesundheitsministerin Judith Gerlach gebeten, auch den „Worst Case“ – ein Aus für die Privatklinik Dr. Maul – in ihre Planungen einzubeziehen.
Nach Recherchen des Nachrichtenportal O-T(h)öne hat sich der Aufsichtsrat des Klinikums Ingolstadt, dem auch SPD-Stadtrat Anton Böhm angehört, mehrfach mit der Frage eines möglichen Erwerbs der Privatklinik Dr. Maul befasst. Ein Beschluss wurde allerdings nicht gefasst. Das Klinikum selbst wies im Jahr 2024 einen Verlust von rund 14,7 Millionen Euro aus.
Zukunft der Privatklinik ungewiss
Die chirurgische Privatklinik Dr. Maul, seit über 90 Jahren in Familienhand, hatte vergangene Woche Eigeninsolvenz beantragt. Die Anmeldung des Verfahrens deutet darauf hin, dass sich das Haus mit dem bisherigen Konzept und dem aktuellen Patientenklientel offenbar nur schwer wirtschaftlich betreiben ließ.
Der Betrieb soll zunächst weiterlaufen. Insolvenzverwalter Hubert Ampferl teilte mit, dass die Klinik mit rund 140 Beschäftigten und 20 Kooperationsärzten ohne Einschränkungen fortgeführt werden soll. Die Gehälter sind vorerst bis Oktober gesichert.
Krankenhausversorgung als lokales Politikum
Ob die Stadt Ingolstadt tatsächlich zusammen mit dem Freistaat Bayern Mitbesitzer der chirurgischen Privatklinik Dr. Maul werden kann, ist angesichts der Finanzlage fraglich. Dass die SPD nun auf eine kommunale Rettung drängt, während die Haushaltsrisiken wachsen und das 2024 vorgestellte Gutachten zur regionalen Medizinstrategie die Privatklinik Dr. Maul nicht einmal berücksichtigte, zeigt vor allem eins: Das Thema Krankenhausversorgung ist zum Politikum geworden – und zum Baustein im beginnenden Kommunalwahlkampf.
Transparenzhinweis: Die Berichterstattung erfolgt unter Verwendung von Pressemitteilungen der SPD-Stadtratsfraktion Ingolstadt und der Kanzlei Dr. Beck & Partner GbR sowie eigener Recherchen von O-T(h)öne.
