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Stadtrat: Eine brandgefährliche Mischung

Ingolstadt taumelt – und das auf mehreren Ebenen zugleich. Online und offline prasselt Kritik, doch Stadtratsmitglieder tun so, als sei das alles nur Rauschen. Wer in Kommentarspalten oder auf der Straße Kritik äußert, wird bestenfalls ignoriert, schlimmstenfalls belächelt. Gleichzeitig tagt der interfraktionelle Arbeitskreis zur desolaten Finanzlage der Stadt lieber hinter verschlossenen Türen, während ein Haushalt für 2026 nicht mehr genehmigungsfähig zustande gebracht werden kann. Die Rechtsaufsicht sitzt mit am Tisch. Transparenz? Null. Nicht nur bei diesem kommunalpolitischen Thema.

Dabei ist die Realität unübersehbar: Die Menschen in dieser Stadt machen sich Sorgen – nicht nur bei Audi, sondern in der ganzen Zulieferkette. Etwa jeder siebte Arbeitsplatz hängt am großen Automobilhersteller. Die Angst vor Stellenabbau, Kurzarbeit, Arbeitsplatzverlust und Arbeitslosigkeit ist längst kein diffuses Gefühl mehr. Wenn das Vertrauen in sichere Jobs bröckelt, bröckelt auch das Vertrauen in die Politik.

Und als wäre das nicht genug, kommt eine Weltlage hinzu, die verunsichert: Kriege, Angriffe auf kritische Infrastruktur in Deutschland und in Nachbarstaaten, das permanente Gefühl, dass Stabilität fragil geworden ist. Wer jetzt glaubt, lokale Politik könne das aussitzen, irrt gewaltig.

Kommunalpolitik muss diese Stimmung aufnehmen – und darf nicht länger so tun, als gäbe es sie nicht. Gefordert ist Transparenz: schonungslos, frühzeitig, offen und nachvollziehbar.

Zumal die AfD bei der letzten Kommunalwahl in Ingolstadt Ergebnisse eingefahren hat, die jede demokratische Partei hätte aufrütteln müssen. Doch passiert ist das Gegenteil: Man macht weiter mit Intransparenz und dem routinierten Abwinken von Kritik.

Wer diese Stimmen als bloße „Protestwähler“ oder „verirrte Wähler“ abtut, verkennt die Dimension. Fakt ist: Die Ingolstädter Kommunalpolitik hat bis heute kein Rezept gefunden, wie sie mit der AfD umgehen soll. Und genau in diesem Vakuum wächst deren Einfluss.

Die Mischung ist brandgefährlich: Kritik, die nicht ernst genommen wird. Intransparenz, die Vertrauen zerstört. Finanznot, die drastische Einschnitte erzwingt. Arbeitsplatzangst, die eine ganze Stadt in Unsicherheit hält. Und eine globale Lage, die jede Schwäche verstärkt.

Wer das ignoriert, bereitet den Boden für die Ränder. Und wer in Ingolstadt heute schweigt, wird morgen keine Ausreden mehr haben.

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