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Der erste Eindruck täuscht. Der Ingolstädter Krankenhauskonzern schließt das Jahr 2025 fast 20 Millionen Euro besser ab als geplant. Was zunächst nach wirtschaftlicher Wende aussieht, hält dem Blick in die Unterlagen jedoch nicht stand.
Positive Sondereffekte von rund 9,7 Millionen Euro prägen allein das Ergebnis der Klinikum Ingolstadt GmbH. Die medizinische Leistung bleibt hinter dem Plan zurück, vorgesehene Instandhaltungsaufwendungen werden nicht vollständig ausgeschöpft, Investitionen verzögern sich. Für 2026 rechnet das Klinikum bereits wieder mit einem Verlust von fast 25 Millionen Euro.
In der jüngsten Stadtratssitzung wird darüber nicht gesprochen. Ohne eine einzige Wortmeldung stimmt das Gremium der Beschlussfassung zu, die einen Tag zuvor die Verbandsversammlung des Krankenhauszweckverbands getroffen hatte.
Neun Seiten umfasst die Vorlage, zehn Einzelentscheidungen stehen darin. Es geht um den Ausgleich des Klinikverlusts, die Abrechnung von Betriebs- und Investitionsumlagen, die Entlastung von Aufsichtsratsmitgliedern und die finanziellen Folgen der Übertragung der Psychiatrie auf eine Gesellschaft des Bezirks Oberbayern.
Klinikum zahlt mehr als 16 Millionen Euro zurück
Die Klinikum Ingolstadt GmbH schließt 2025 mit einem Verlust von 7,87 Millionen Euro ab. Zur Sicherung ihrer Liquidität hatte der Krankenhauszweckverband zuvor rund 24,18 Millionen Euro bereitgestellt. Für den Verlustausgleich werden davon nur knapp 7,9 Millionen Euro benötigt. Die übrigen 16,31 Millionen Euro muss das Klinikum an den Zweckverband zurückzahlen. Ende 2024 waren für den Verlustausgleich noch Betriebsumlagen von 25,5 Millionen Euro festgesetzt worden. Später wurde nachgesteuert: Eine Überzahlung aus dem Vorjahr wurde angerechnet, die letzte Rate von rund 1,32 Millionen Euro wegen des bereits erwarteten besseren Ergebnisses nicht mehr angefordert.
Stadt und Bezirk zahlten 2025 deshalb tatsächlich rund 14,07 Millionen Euro an den Zweckverband. Auch diese Vorauszahlungen werden für den Verlustausgleich nicht benötigt. Der Fehlbetrag wird mit dem Gewinn des Zweckverbands von knapp 1,5 Millionen Euro und aus Rücklagen gedeckt, die aus der Betriebsumlage 2024 gebildet worden waren. Die nicht verbrauchten Zahlungen der Stadt werden auf ihre Betriebsumlage für 2026 angerechnet. Die entscheidende Frage bleibt jedoch, wie das deutlich bessere Ergebnis zustande gekommen ist.
Fast zehn Millionen Euro aus Sondereffekten
Das negative Betriebsergebnis der Klinikum Ingolstadt GmbH lag vor Zinsen bei rund 17,8 Millionen Euro. Zugleich wirkten sich positive Sondereffekte von etwa 9,7 Millionen Euro auf den Abschluss aus. Dazu gehören vor allem Abrechnungen aus früheren Jahren und aufgelöste Rückstellungen. Der Abschluss alter Budgetvereinbarungen brachte rund 4,9 Millionen Euro. Weitere etwa 2,8 Millionen Euro entfielen auf Rückstellungen für mögliche Erlöskürzungen aus Vorjahren, die nicht mehr benötigt wurden. Hinzu kamen Entlastungen bei Personalverpflichtungen und möglichen Fördermittelrückzahlungen. Auf Ebene des gesamten Krankenhauskonzerns summierten sich die positiven Sondereffekte auf rund 10,6 Millionen Euro. Ohne sie weist der Konzernlagebericht ein negatives Betriebsergebnis von etwa 16,4 Millionen Euro aus. Für eine dauerhafte wirtschaftliche Besserung liefern diese Zahlen noch keinen Beleg. Ein beträchtlicher Teil der Planabweichung beruht auf Effekten, die sich nicht ohne Weiteres wiederholen lassen.
Medizinische Leistungszahlen relativieren das Ergebnis
Auch die medizinischen Leistungszahlen relativieren das Ergebnis. Das Klinikum erreichte 2025 insgesamt 29.740 sogenannte Case-Mix-Punkte. Geplant waren 32.502. Die Kennzahl, die vereinfacht Menge und Schwere der stationären Behandlungen abbildet, blieb damit um 8,4 Prozent hinter dem Plan zurück. In der Psychiatrie wurden statt der vorgesehenen 104.010 Bewertungsrelationen 99.515 erreicht. Trotzdem lag die Betriebsleistung der Klinikum GmbH rund sechs Millionen Euro über Plan. Die Unterlagen führen das unter anderem auf höhere Erlöse aus Wahlleistungen, ambulanten Behandlungen, Nutzungsentgelten und der Ausbildungsfinanzierung zurück. Hinzu kommen Abrechnungen und Ausgleiche, die frühere Jahre betreffen. Die höheren Erlöse stammen damit nicht allein aus der im Jahr 2025 erbrachten stationären Leistung.
Mehr Personalkosten, weniger Instandhaltung
Bei den Ausgaben ergibt sich ein gemischtes Bild. Personal und Leiharbeit kosteten rund 214,1 Millionen Euro und damit etwa 3,3 Millionen Euro mehr als vorgesehen. Die Sachkosten lagen dagegen rund 2,9 Millionen Euro unter Plan. Dazu trugen geringere Energiekosten bei. Zugleich wurden vorgesehene Instandhaltungsaufwendungen von rund 1,8 Millionen Euro nicht ausgeschöpft. Ob die betreffenden Kosten dauerhaft entfallen oder Arbeiten später nachgeholt werden müssen, lässt sich den Unterlagen nicht entnehmen. Auch die Abschreibungen auf nicht geförderte Investitionen lagen rund eine Million Euro unter Plan. Als Grund nennt der Abschluss verzögerte Investitionen.
Bei der Generalsanierung und den Teilersatzneubauten ist die Abweichung noch größer. Vorgesehen waren 21,45 Millionen Euro, tatsächlich wurden rund 11,8 Millionen Euro in Anspruch genommen. Die geringeren Investitionsausgaben verbessern das Jahresergebnis nicht in gleicher Höhe. Sie zeigen aber, dass ein erheblicher Teil der eingeplanten Bauvorhaben 2025 noch nicht umgesetzt wurde. Welche Maßnahmen betroffen sind und wann sie nachgeholt werden, erläutert die Stadtratsvorlage nicht.
Millionen zwischen Stadt und Bezirk
Für 2026 beträgt die Betriebsumlage der Stadt 21,7 Millionen Euro. Nach Anrechnung früherer Zahlungen verbleiben rund 8,46 Millionen Euro. Fünf Millionen Euro wurden bereits überwiesen. Hinzu kommt eine Investitionsumlage von rund 1,69 Millionen Euro für nicht geförderte Ausgaben im somatischen Bereich. Die Kämmerei stuft die Zahlungen als rechtliche Verpflichtungen ein, die auch während der haushaltslosen Zeit erfüllt werden dürfen. Die Investitionsumlage ist nach Angaben der Verwaltung durch eine von der Regierung von Oberbayern genehmigte Kreditermächtigung gedeckt. Gegenüber dem Haushaltsansatz weist die Vorlage bei der Betriebsumlage Minderausgaben von rund 13,24 Millionen Euro aus. Die Abrechnung mit dem Bezirk Oberbayern folgt aus der Neuordnung des Klinikums. Zum 1. Januar 2026 wurde das Zentrum für psychische Gesundheit auf die kbo-DAK GmbH übertragen. Der Bezirk trägt seither die psychiatrisch-psychosomatische Versorgung, die Stadt ist für den somatischen Bereich allein zuständig. Der Bezirk erhält nicht verbrauchte Betriebsumlagen von rund 4,56 Millionen Euro zurück. Für den Neubau der Psychiatrie und die Tagesklinik Eichstätt muss er zugleich noch rund 2,49 Millionen Euro an den Zweckverband zahlen.
Der Stadtrat genehmigt außerdem die für die Übertragung angesetzten Vermögens- und Kapitalwerte des Zentrums für psychische Gesundheit. Beide werden in der Vorlage mit jeweils rund 29,75 Millionen Euro angegeben. Für die Verluste der Jahre 2024 und 2025 werden insgesamt rund 20,27 Millionen Euro aus Rücklagen verwendet, die aus Betriebsumlagen gebildet worden waren. Das Eigenkapital des Krankenhauszweckverbands sank 2025 um rund 13,17 Millionen Euro. Bestandsgefährdende Risiken werden in den Abschlussunterlagen nur unter einer entscheidenden Voraussetzung verneint: Die öffentlichen Träger müssen die Verluste weiter ausgleichen.
Schon 2026 wieder fast 25 Millionen Euro Verlust
Für 2026 rechnet die Klinikum Ingolstadt GmbH erneut mit einem Jahresfehlbetrag von rund 24,7 Millionen Euro. Gleichzeitig soll die Zahl der Case-Mix-Punkte wieder auf 31.646 steigen. Ob das gelingt, hängt auch davon ab, ob genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen. Der Lagebericht nennt den Personalmangel ausdrücklich als zentrales Risiko. Fehlendes Personal kann die Ausgaben für Leiharbeit erhöhen und zugleich verhindern, dass geplante Leistungen erbracht werden.
Das alles steht in den Unterlagen, denen der Stadtrat zugestimmt hat. Eine Aussprache gibt es nicht. Neun Seiten und Millionenbeträge – politisch bleibt davon an diesem Tag: Zustimmung, sonst nichts.
Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.