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Ein Facebook-Post, ein kräftiger Rundumschlag – und jede Menge Empörung. Gegen die Berichterstattung, nicht gegen Zahlen. In Ingolstadt hat ein Stadtrat auf Facebook ausgeteilt. Das Ziel: ein Artikel zur Kulturförderung. Die Methode: Ablenkung.
Die Rede ist von Stimmungsmache übelster Art und von fieberhafter Aufmerksamkeitssuche durch die Berichterstattung. Die Kritik trifft nicht etwa die Zahlen selbst – rund 449 Millionen Euro für Kultur zwischen 2015 und 2024, davon 346 Millionen als Zuschüsse. Die Zahlen stammen vom Finanzreferat – sie lagen dem Stadtrat vor und sind öffentlich einsehbar. Die Kritik trifft die Berichterstattung darüber. Weil Öffentlichkeit eben manchmal stört.
Die Reaktion des pensionierten Beamten gilt nicht dem Inhalt der Zahlen – sondern denen, die darüber berichten. Die Wortwahl des Facebook-Beitrags ist für ein Stadtratsmitglied ungewöhnlich, der Adressat diffus. Nur ein Satz bleibt hängen: Er habe aufgegeben, darüber nachzudenken, warum Menschen, die einst selbst in Verantwortung standen, ihrer Stadt auf diese durchsichtige Art und Weise schaden. Namen nennt er nicht. Die Aussage steht im Raum – unbelegt, aber mit klarer Absicht. In seinem Post schreibt der Stadtrat, Text, Ort und Zeitpunkt entspringen der fieberhaften Suche nach Aufmerksamkeit und dem Motto: Ich mach’ mir meine Sensationen selber. Dabei ging es in der Veröffentlichung um einen haushaltspolitischen Überblick – auf Basis offizieller Zahlen, nicht um polemische Zuspitzung.
Nachfragen? – Nicht bei mir!
Auf eine Anfrage des Nachrichtenportals O-T(h)öne zur Einordnung seiner öffentlichen Kritik reagierte der Stadtrat zunächst gar nicht – es blieb bei der automatischen Empfangsbestätigung der Mail. Erst nach einer nochmaligen Nachfrage kam eine knappe Antwort per Mail. Wörtlich schrieb er:
„Leider erlaubt mir meine Terminplanung nicht, Ihrer Anfrage nachzukommen.“
Inhaltlich ließ der Stadtrat jedoch alle Fragen unbeantwortet. Dabei wäre Gelegenheit gewesen, die eigenen Aussagen näher zu erläutern: Welche Aspekte als verzerrt oder einseitig empfunden würden. Wie die Wortwahl zu verstehen sei. Wie erklärt er seine Wortwahl – etwa Begriffe wie „Stimmungsmache“ oder die Formulierung, bestimmte Personen würden „ihrer Stadt auf durchsichtige Weise schaden“? „Was wünschen Sie sich von der lokalen Berichterstattung – etwa in Bezug auf Ton, Kontext oder Einordnung kommunalpolitischer Entscheidungen?“, lautete eine weitere Frage. „Wie stellen Sie sich eine öffentliche Debatte über Haushaltsfragen und Kürzungen bei freiwilligen Leistungen vor – insbesondere im Hinblick auf Transparenz, Öffentlichkeit und Beteiligung?“, eine andere.
Empört kommentieren? Kein Problem. Präzise antworten? Eher nicht.
Seit über einem Jahr gerät der Haushalt der Stadt Ingolstadt zunehmend ins Ungleichgewicht.
Die Gewerbesteuer sinkt. Rückzahlungen drohen. Energie wird teurer, Personal ebenso. Die Stadt versucht, ihre Linie zu halten – auch bei der Kultur.
Doch die zählt zu den freiwilligen Leistungen. Und wenn gespart werden muss, liegt sie auf dem Tisch. Das ist Realität. Nicht Ideologie.
In der Berichterstattung wurde nicht spekuliert, sondern dokumentiert – mit Zahlen, die dem Stadtrat vorlagen. Dass darüber öffentlich berichtet wird, gehört zur demokratischen Debatte. Dass diese Debatte manchen nicht gefällt, ebenfalls.
Wer sich heute Nachfragen entzieht und lieber pauschal auf die Berichterstattung losgeht, sagt mehr über sein Verhältnis zum Mandat und zur Öffentlichkeit aus als über den Journalismus.
Spätestens im Kommunalwahlkampf im Frühjahr dürfte der Kontakt zur Öffentlichkeit – und auch zu den Medien – wieder gesucht werden.
Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.
