Anzeige

Stadtrat Schickel wechselt zur UWG-Fraktion

Der Schritt ist nun vollzogen. Matthias Schickel hat seinen Austritt aus der Christlich-Soziale Union und der CSU-Stadtratsfraktion erklärt. Der Stadtrat schließt sich der Unabhängigen Wählergemeinschaft Ingolstadt (UWG) im Stadtrat an. Das teilte Schickel auf Nachfrage des Nachrichtenportals O-T(h)öne mit. Den Oberbürgermeister, Michael Kern, habe er darüber informiert.

Abschied in eigenen Worten

Zuvor hatte Schickel seinen Austritt aus Partei und Fraktion in einem persönlichen Facebook-Beitrag öffentlich gemacht. „Wenn ein Pferd einen nicht mehr trägt, muss man absteigen“, schrieb er. Er gehe „ohne Groll und Zorn“, vielmehr mit einer „gewissen wehmütigen Erleichterung“. Zugleich bat er jene, die er enttäuscht habe, um Nachsicht und Verständnis. Sein Schritt erscheine ihm konsequent. Der Beitrag endet mit den Worten: „Der Blick geht jetzt nach vorn. Guten Rutsch!“

Fraktionswechsel noch in laufender Wahlperiode

Mit dem Anschluss an die UWG-Stadtratsfraktion erhält Schickels Entscheidung eine klare organisatorische Folge. Er bleibt bis zum Ende der laufenden Wahlperiode Mitglied des Stadtrats – künftig jedoch als Teil der UWG-Fraktion. Der Wechsel erfolgt noch vor der Stadtratswahl im März 2026 und damit nicht erst mit Beginn der neuen Wahlperiode.

Beweggründe: Konsequenz statt Konfrontation

Schickel selbst begründet seinen Schritt weniger politisch als persönlich. Die Metapher vom „Pferd, das einen nicht mehr trägt“, beschreibt aus seiner Sicht einen Punkt, an dem ein Verbleib in Partei und Fraktion für ihn nicht mehr stimmig gewesen sei.

Gegenüber O-T(h)öne erklärte Schickel, es sei ihm nicht um Eskalation gegangen, sondern um Klarheit. Er habe sich selbst treu bleiben wollen. Der Austritt aus Partei und Fraktion sei für ihn der folgerichtige Schritt gewesen, um bestehende Widersprüche aufzulösen.

Den Anschluss an die UWG-Stadtratsfraktion versteht Schickel als pragmatische Entscheidung, um seine kommunalpolitische Arbeit fortzusetzen, ohne in einem dauerhaften Loyalitätskonflikt zu stehen.

Einordnung: Die parteirechtliche Lage

Parteirechtlich ist der Austritt nachvollziehbar. Paragraf 6 Absatz 3 der CSU-Satzung regelt, dass eine Kandidatur auf einer konkurrierenden Liste nur mit Zustimmung des zuständigen Parteivorstands zulässig ist, sofern die CSU selbst mit einem Wahlvorschlag antritt. Eine solche Zustimmung lag im Fall Schickel nicht vor. Wie berichtet, hatte die CSU erst durch die Berichterstattung von O-T(h)öne von seiner Kandidatur auf der UWG-Liste erfahren.

Damit stand die CSU vor einer parteirechtlichen Zwangslage. Ein gleichzeitiges Festhalten an Kandidatur, Parteimitgliedschaft und Fraktionszugehörigkeit war auf Dauer nicht haltbar. Mit dem erklärten Austritt ist diese Konstellation nun neu geordnet.

Rückblick: Von der Personalie zum Strukturkonflikt

In den vergangenen Monaten hatte die Personalie Schickel immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Auf den Verzicht auf eine erneute CSU-Kandidatur folgte die Bewerbung um einen Listenplatz bei der UWG. Danach Fragen um CSU-Fraktions- und Parteimitgliedschaft sowie Satzungsfragen. Hinzu kam Schickels Hinweis, dass er Teile der Politik der CSU-Stadtratsfraktion nicht mehr mittragen könne.

Aus einer zunächst individuellen Entscheidung entwickelte sich so ein Konflikt über Regeln, Loyalität und politische Verantwortung.

Wie es weitergeht

Für die CSU bedeutet der Schritt jetzt Klarheit, für die UWG einen Zugewinn in der laufenden Stadtratsperiode. Für Schickel selbst beginnt ein neues politisches Kapitel außerhalb der CSU, der er jahrzehntelang angehörte.

Damit ist die Konstellation vorerst umrissen. Welche Auswirkungen der Fraktionswechsel auf Mehrheitsverhältnisse und politische Dynamik im Stadtrat haben wird, dürfte klar werden, wenn das Hauptamt der Stadt die Sitzverteilung in Ausschüssen und Gremien im Stadtrat neu berechnet, ebenso die Verteilung der Finanzmittel an die Fraktionen und Gruppierungen.

Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.

Diesen Beitrag teilen
Anzeige