Anzeige

Stadtrat Werner: Kritik ist Altersdiskriminierung

Muss ein Stadtrat mit 73 Jahren wirklich noch einmal bei der Stadtratswahl antreten? In Ingolstadt wird darüber diskutiert. In den sozialen Netzwerken gibt es skeptische Stimmen: Braucht es tatsächlich noch einen weiteren Auftritt des Dauerpolitikers Achim Werner, derzeit 72? Bei der Kommunalwahl im Frühjahr 2026 wäre er 73, am Ende der Amtszeit 79. Gegenüber der Mediengruppe Bayern bezeichnete Werner die Stimmen, die ihn wegen seines Alters zum Rückzug drängen wollen, als „Altersdiskriminierung“. Doch die Frage bleibt, ob es wirklich noch um Inhalte geht oder eher ums Festhalten am Mandat.

Bereits bei der Aufstellung der SPD-Liste ging es weniger um Inhalte als um Rangplätze: Werner wollte die Nummer 5, bekam nur die 7 angeboten, erzählen Mitglieder der SPD. Werner suchte sich ein neues Spielfeld.

53 Jahre SPD, 15 Jahre Landtag, seit 1984 Stadtrat, mit Verfassungsmedaille dekoriert – eine beeindruckende Bilanz. Doch die hat auch Brüche: 2002 scheiterte Werner als OB-Kandidat an CSU-Mann Alfred Lehmann, 2013 verpasste er den Wiedereinzug in den Landtag. Jetzt der nächste Einschnitt: Am Sonntagnachmittag setzte ihn die Linke, wie berichtet, auf Platz 16 ihrer Liste. Die SPD erfuhr davon nicht offiziell, sondern wie alle anderen Nichteingeweihten aus der Medienberichterstattung. SPD-Chef Christian De Lapuente spricht von völliger Ahnungslosigkeit – kein Brief, keine Mail, kein Wort. Brisant, weil Werner bis zuletzt stellvertretender Fraktionsvorsitzender war – und noch beim Sommerfest als Genosse auftrat.

Am Montag folgte der nächste Schachzug: Oberbürgermeister Michael Kern wurde informiert, dass Werner künftig Teil der Ausschussgemeinschaft von ÖDP und Linken sein wird. Offiziell parteilos, aber mit Zugriff auf Ausschusssitze – das Hauptamt muss die Verteilung der Gremien neu berechnen.

Ob Werner bei einer Wiederwahl noch einmal „neuen Schwung“ in den Stadtrat bringt, darf bezweifelt werden. Vieles spricht eher für ein spätes Manöver, um trotz schwindender Rückendeckung im Geschäft zu bleiben. Erfahrung ja – aber vielleicht auch eine Portion Selbstüberschätzung. Möglich ist auch, dass Werner schlicht fürchtete, bei einer schwächelnden SPD nicht mehr gewählt zu werden. Nach aktuellen Umfragen liegt die Partei in Bayern nur noch bei acht Prozent. Auf Ingolstadt umgerechnet könnte das bedeuten: vier bis fünf Stadträte.

Gut möglich, dass Werner mit seinem Wechsel zur Linken seine letzten großen Schlagzeilen geschrieben hat.

Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.

Diesen Beitrag teilen
Anzeige