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Ingolstadt hat jahrzehntelang gut davon gelebt, Audi-Stadt zu sein. Der Konzern brachte Arbeitsplätze, Wohlstand und Gewerbesteuer. Doch was lange als Stärke galt, wird im Umbruch der Autoindustrie wieder zur offenen Frage: Wie abhängig darf eine Stadt von einem Unternehmen und seiner Branche sein? Die CSU-Stadtratsfraktion fordert nun eine Grundsatzdebatte über die wirtschaftliche Zukunft Ingolstadts.
Anlass sind angekündigte weitere Veränderungen im Volkswagen-Konzern, die nach Einschätzung der CSU erhebliche Folgen für den Standort haben könnten. Die Fraktion will den Stadtrat deshalb über den wirtschafts-, haushalts- und arbeitsmarktpolitischen Kurs der Stadt neu beraten lassen, möglicherweise auch in einer Sondersitzung.
Die Sorge ist nicht neu. Bereits 1992 beschrieb ein landesplanerisches Gutachten von Rainer Greca, damaliger Professor an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, die Monostruktur des Wirtschaftsraums Ingolstadt und die Risiken einer starken Abhängigkeit von der Automobilindustrie. Schon damals ging es um die Frage, wie die Region eigenständiger werden und welche Branchen neben der Industrie gestärkt werden könnten. Versuche, diese Einseitigkeit aufzubrechen, gab es politisch kaum. Nötig gewesen wäre eine Standortpolitik, die die Abhängigkeit sichtbar verringert hätte.
Die CSU verweist jetzt darauf, dass Ingolstadt wie kaum eine andere deutsche Stadt wirtschaftlich mit einem einzelnen Unternehmen und dessen Zulieferern verbunden ist. Betroffen sind nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch die städtischen Finanzen. Nach drei Jahren Haushaltskonsolidierung gehe es deshalb nicht mehr allein darum, Ausgaben zu begrenzen. Die Stadt müsse klären, wie sie wieder handlungsfähiger werde und zugleich stärker in Wirtschaftsförderung, Ansiedlungen, Wissenschaft und Gründungen investieren könne.
In die Debatte sollen nach dem Willen der Fraktion auch die Industrie- und Handelskammer, die Agentur für Arbeit, Gewerkschaften sowie Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft einbezogen werden. Zur Vorbereitung schlägt die CSU Berichte zur Entwicklung des Arbeitsmarkts der vergangenen sechs Jahre, zur Wirtschaftsstruktur, zur Wirtschaftsförderung und zur Haushaltsentwicklung vor. Auch Sparmaßnahmen sowie Steuer-, Gebühren- und Beitragserhöhungen sollen aufgearbeitet werden.
Spannend wird, zu welchem Ergebnis die geforderte Sitzung führt. Am Ende entscheidet sich der Wert einer solchen Debatte nicht an der Genauigkeit der Problembeschreibung, sondern daran, ob daraus konkrete und zielgerichte Schritte umgesetzt werden. Schlechtestenfalls bleibt die Erkenntnis, dass man wieder einmal darüber gesprochen hat.
Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf einer Mitteilung der CSU-Stadtratsfraktion Ingolstadt sowie ergänzender redaktioneller Einordnung.