Stadtverwaltung blockiert Fahrradvorrangrouten

Stadtverwaltung blockiert Fahrradvorrangrouten

(ot) Fahrradstadt zwischen Anspruch und Wirklichkeit, hierzu lud am vergangenen Donnerstag die Initiative „Besser Radeln in Ingolstadt (BRaIN)“ Vertreter der Parteien zur Diskussion. Die 70 Zuhörer im RADHAUS erlebten einen interessanten und abwechslungsreichen Abend. Nach Begrüßung der Gäste durch Jochen Semle (Sprecher von BRaIN) hielt Thomas Kirchhammer (Vorsitzender des ADFC) einen kurzen „Abgesang“ auf die Fahrradvorrangrouten in Ingolstadt. Deren Umsetzung werde aus seiner Sicht von der städtischen Verwaltung blockiert. „Die beschlossene Umsetzung der Routen bis 2025 ist nicht mehr möglich. Wenn das gegenwärtige Tempo beibehalten wird, dann dauere dies bis ins Jahr 2040.“ so Kirchhammer. Er hoffe auf einen Neustart 2020 nach der Kommunalwahl.

Im Anschluss gab jeder Parteivertreter seine Meinung zum Radverkehr in Ingolstadt. Dorothea Deneke-Stoll (CSU) sieht Ingolstadt als erfolgreiche Fahrradstadt, forderte aber mehr Abstellflächen. Karl Ettinger (FDP) forderte die Kinder früh aufs Rad zu bringen, um diese dafür zu begeistern, auch in der Grundschule soll das Radfahren erlaubt sein. Petra Kleine (GRÜNE) setzt sich für eine rasche Verkehrswende ein, einen Wandel bei der Citylogistik (Lastenräder) und für mehr Sicherheit beim Radfahren. Sie kritisierte die Vernachlässigung des Fahrradtourismus in Ingolstadt. Raimund Reibenspiess (FW) sprach davon, dass er bereits 1961 die Radunterführung an der Südlichen Ringsstr. als großen Fortschritt gesehen habe, seitdem aber spürbare Verbesserungen fehlen. Christian Lange von der BGI bemängelt die Umsetzung der Radvorrangrouten, die im Verkehrsentwicklungsplan vom Stadtrat beschlossen wurden. Seiner Meinung nach bremse der OB den Radverkehr aus, die CSU wolle keine Fahrradstadt. Demis Münch (SPD) kritisiert die unklare Beschilderung an den Vorrangrouten und nennt Karlsruhe als Vorbild, dort werde dem Radfahrer das Gefühl gegeben, dass er besser voran komme als der Autofahrer. Raimund Köstler (ÖDP) merkt an, dass man mit Pedelecs in der Stadt rasch vorankomme, jedoch Autofahrer und Fußgänger mit der Geschwindigkeit überfordert wären. Auch er forderte einen raschen Ausbau der
Vorrangrouten. Jürgen Köhler (UDI) kritisiert, dass Ingolstadt als reine Autostadt gesehen wird, er forderte Fairness im Umgang mit Radfahrern. Roland Meier von den Linken fehlt in Ingolstadt das Herzblut beim Radfahren, er bemängelt die schlechten Radwegbeläge.

Im anschließenden Vortrag von Christoph Spaeth (ebenfalls Sprecher bei BRaIN) wurden Bauprojekte für den Radverkehr aus anderen Städten gezeigt. Christoph Spaeth forderte mehr Mut bei der Förderung des Radverkehrs in Ingolstadt, was auch zu Lasten des Autoverkehrs gehen dürfte. „Insgesamt muss der öffentliche Raum so gestaltet werden, dass Radfahrer und Fußgänger mindestens genausoviel Platz erhalten, wie der Autoverkehr.“ so Christoph Spaeth, der kritisiert, dass inzwischen die Hälfte der öffentlichen Flächen durch parkende Autos „privatisiert“ werden.

In der anschließenden Fragerunde merkte Fritz Reischl vom RADHAUS an, dass Ingolstadt über eine gute Radinfrastruktur verfüge, dies jedoch nicht erkannt werde. Er forderte eine große Marketingaktion, um die Bürger aufs Rad zu bringen.

Zum Abschluss sollten die Parteivertreter Ihre Zustimmung zu den BRAIN Forderungen für die Kommunalwahl 2020 markieren, welche von Oliver Kupfer vorgestellt wurden. „Aufgrund der großen Zustimmung stehe Ingolstadt nach der Kommunalwahl der Wandel zu einer Fahrradstadt bevor!“, so die beiden Sprecher von BRAIN Jochen Semle und Christoph Spaeth zum Abschluss der Veranstaltung. Wir sind gespannt und werden den neuen Stadtrad an deren Versprechen erinnern.

Das Fahrrad als Zukunft der Mobilität in der Stadt - BRaIN fordert für die Kommunalwahl 2020 den Ausbau des Radverkehres und einen nachhaltigen Verkehrsverbund für Ingolstadt mit folgenden Punkten:

  1. Sofort-Programm zum Radverkehr
    Bestandsaufnahme der Qualität der Radwege im Stadtgebiet. Daraus hervor geht ein kurzfristiges Handlungskonzept zur Ertüchtigung der bestehenden Radwege
    2. Vorrang für Vorrangrouten
    Umsetzen des Ingolstädter Mobilitätskonzeptes für den Radverkehr mit Vorrangrouten für Radfahrer in Ingolstadt nach bundesweit gültigen Richtlinien bis 2025 mit klaren Ziel- und Zeitvorgaben.
    3. Aufheben der Radwegbenutzungspflicht
    Die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht auf allen zweispurigen Straßen wird zur Regel. Gute und sichere Radwege werden auch ohne Zwang benutzt. Dazu der Ausbau von gegenläufigen Radwegen an allen vierspurigen Straßen.
    4. Separate Radlerampeln
    Aufheben der Verbindung mit Fußgängerampeln.
    5. Markierung der Radwege und Gefahrenstellen
    Deutliches Markieren aller Gefahrenstellen der Radwege durch farbige Radwegflächen, weiße Schutzstreifen
    6. Mehr Radstellplätze
    Ausbau der Radstellplätze im gesamten Stadtgebiet – zielnah, sicher und überdacht.
    7. Radverkehrsplanung bekommt Priorität
    Radverkehrsplanung bekommt politisch Priorität und wird mehr personeller Ausstattung in einer
    eigenen Stabsstelle angesiedelt.
    8. Nachhaltiger Verkehrsverbund
    Einbinden des Radverkehrs in einen nachhaltigen Verkehrsverbund mit Fußgängern und ÖPNV.

Quelle: Pressemitteilung BRAIN – Besser radeln in Ingolstadt vom 1.12.2019

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