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Studie: Betreuung bleibt lückenhaft

Die Politik diskutiert über längere Arbeitszeiten und zu hohe Teilzeitquoten. Doch für viele Eltern scheitert eine Ausweitung der Erwerbsarbeit an der Realität der Kinderbetreuung. Eine neue Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt erneut erhebliche Ausfälle.

Im Herbst 2025 waren bundesweit 54 Prozent der erwerbstätigen oder arbeitsuchenden Eltern mit externer Betreuung mindestens an einem Tag von verkürzten Betreuungszeiten oder kurzfristigen Schließungen betroffen. Befragt wurden im November und Dezember rund 900 Personen mit Kindern in Kitas, bei Tageseltern oder in der schulischen Ganztagsbetreuung.

35 Prozent berichteten von ungeplanten Schließungen in den drei Monaten vor der Befragung, 44 Prozent von Kürzungen der vereinbarten Betreuungszeiten. Da ein Teil der Eltern beides erlebte, ergibt sich eine Gesamtquote von 54 Prozent. Im Vergleich zu einer Vorläuferbefragung Ende 2024 mit rund 59 Prozent ist das ein leichter Rückgang – das Niveau bleibt jedoch hoch.

Zwischen Ost- und Westdeutschland zeigen sich Unterschiede. Von Schließungen berichteten 21 Prozent der Eltern im Osten, im Westen waren es 39 Prozent. Verkürzte Zeiten erlebten 39 Prozent im Osten und 45 Prozent im Westen.

Besonders häufig betroffen waren Eltern kleiner Kinder. Von Schließungen berichteten 40 Prozent der Befragten mit Kindern unter drei Jahren und 39 Prozent der Eltern von Drei- bis Sechsjährigen. Reduzierte Öffnungszeiten trafen 49 Prozent der Eltern mit Kindern unter drei sowie 51 Prozent der Eltern von Drei- bis Sechsjährigen. Bei älteren Kindern lagen die Werte niedriger.

Die Folgen reichen bis in die Erwerbsarbeit. 30 Prozent der von Ausfällen betroffenen Eltern reduzierten kurzfristig ihre Arbeitszeit. Unter Männern waren es 33 Prozent, unter Frauen 26 Prozent. In heterosexuellen Partnerschaften sprangen überwiegend Mütter ein: 73 Prozent der befragten Männer gaben an, ihre Partnerin habe die Betreuung übernommen; unter den Frauen sagten 39 Prozent, ihr Partner sei eingesprungen. 42 Prozent griffen zusätzlich auf Verwandte oder Freunde zurück.

WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch sieht darin einen Widerspruch zur aktuellen Arbeitszeitdebatte. Wer höhere Erwerbsbeteiligung fordere, müsse auch für verlässliche Betreuungsinfrastruktur sorgen. Neben Investitionen in Personal und Ausstattung sei es problematisch, Arbeitszeiten weiter zu deregulieren, etwa durch eine Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit.

Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf einer Mitteilung der Hans-Böckler-Stiftung; redaktionell bearbeitet.

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