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Bei der Bundestagswahl 2025 erhielt die AfD 20,8 Prozent der Zweitstimmen – etwa doppelt so viel wie 2021. Eine Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) zeigt, wie die Partei über ihre rechtsradikale Kernwählerschaft hinaus in neue Milieus vordringen konnte.
Im März 2025 wurden knapp 6700 Erwerbspersonen befragt. Die Stichprobe enthält annähernd gleich viele Personen, die bereits 2021 AfD wählten, wie solche, die 2025 zur AfD wechselten. Unter den Neuwählenden hatten 2021 knapp 22 Prozent die FDP, rund 21 Prozent die Union und gut 18 Prozent die SPD gewählt. 15 Prozent waren damals Nichtwähler. Linke und Grüne liegen im niedrigen einstelligen Bereich; weitere 16 Prozent entfielen auf frühere Wähler anderer Parteien. Der AfD gelang es damit, in erheblichem Umfang frühere Anhänger der politischen Mitte anzusprechen.
In der Zusammensetzung zeigen sich Verschiebungen: Während das AfD-Stammlager deutlich männlich, häufiger ostdeutsch und formal niedriger gebildet ist, entfällt bei den Wechslern erstmals der Männerüberschuss. Überdurchschnittlich hinzugekommen sind Westdeutsche sowie die Altersgruppe der 56- bis 65-Jährigen.
Inhaltlich bleibt Migration das zentrale Thema. Zugleich vertreten die neuen AfD-Wählenden in Verteilungsfragen teils linkere Positionen – etwa beim Abbau von Ungleichheit oder beim Mindestlohn. In der Befragung äußerten AfD-Wählende wenig Mitgefühl für Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind: 64 Prozent gaben „explizit kein Mitgefühl“ an, bei Wählenden anderer Parteien (ohne AfD und BSW) waren es 24 Prozent. Bereits in der Erhebungswelle vom Dezember 2024 forderten 85 Prozent der AfD-Anhängerschaft, Geflüchtete müssten sich „hinten anstellen“. Zwei Drittel stimmten der Aussage zu, Bürgergeld- oder Sozialhilfebeziehende machten sich „auf Kosten der Gesellschaft ein bequemes Leben“.
Als zentrale Treiber identifiziert die Studie ausgeprägte Benachteiligungsgefühle („empfundene relative Deprivation“) und Abstiegsängste. Persönliche Belastungen und Unzufriedenheit während der Corona-Pandemie, Sorgen um den Lebensstandard infolge der Teuerung nach dem russischen Angriff auf die Ukraine sowie Transformationsängste durch Digitalisierung und Dekarbonisierung verstärken die Zustimmung zur AfD.
Das WSI plädiert als Antwort auf die Verunsicherung für einen positiven demokratischen Zukunftsentwurf, der soziale Absicherung und Investitionen in soziale Infrastruktur in den Mittelpunkt stellt – mit klarer Abgrenzung zur diffamierenden Emotionskultur der extremen Rechten. Zuwächse der AfD fallen laut Auswertungen dort besonders hoch aus, wo sie bereits stark ist und gesellschaftliche Normalisierung fortgeschritten scheint.
Transparenzhinweis: Die Berichterstattung erfolgt unter Verwendung einer Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung (WSI).
