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Noch im Juli 2025 hatte der Ingolstädter Stadtrat den nächsten Schritt zur Generalsanierung des Stadttheaters beschlossen. Elf Millionen Euro wurden für die Fortsetzung der Entwurfs- und Genehmigungsplanung freigegeben. Ziel war es, auf dieser Grundlage eine belastbare Entscheidungsbasis zu schaffen – über Kosten, Fördermöglichkeiten und den weiteren Zeitplan. Eine endgültige Entscheidung über die Umsetzung sollte bewusst später getroffen werden. Heute ist davon wenig übrig.
Haushaltskrise als Wendepunkt
Große Bewegung gibt es nicht. Nachdem inzwischen der Bescheid zur nicht genehmigten Haushaltssatzung der Stadt Ingolstadt durch die Regierung von Oberbayern vorliegt, teilt die Stadt auf heutige Nachfrage des Nachrichtenportals O-T(h)öne zum Sachstand der Generalsanierung des Stadttheaters, des sogenannten Hämer-Baus, mit: Am grundlegenden Sachverhalt habe sich nichts geändert. Die Nachfrage zielte ausdrücklich darauf ab, ob sich aus der aktuellen Haushaltssituation – insbesondere durch Vorgaben der Rechtsaufsicht – neue Erkenntnisse, Entwicklungen oder Strategien ergeben haben. Die Antwort bleibt eindeutig: nein.
Damit bestätigt die Stadt: Die bereits Mitte April – ebenfalls auf Nachfrage von O-T(h)öne – dargestellten Rahmenbedingungen gelten unverändert fort, auch nach der aktuellen Entscheidung der Regierung von Oberbayern. Grundlage war eine umfangreiche Anfrage mit insgesamt 16 Einzelfragen zu Vergaben, Kosten, Risiken, Fördermitteln und Zeitplan, die das Nachrichtenportal O-T(h)öne bereits am 22. Februar gestellt hatte. Die Stadt antwortete darauf erst knapp zwei Monate später ausführlich.
Der Befund bleibt damit unverändert. Und er verweist auf eine Entwicklung, die mit einem Beschluss begann – und in der Realität der Haushaltslage zum Stillstand kam. Denn der Plan aus dem Sommer 2025 war ein anderer. Mit den freigegebenen Mitteln sollte die Planung vertieft werden, um belastbare Zahlen zu liefern: Was kostet die Sanierung tatsächlich? Welche Fördermittel sind realistisch? Und wann könnte das Projekt umgesetzt werden? All das sollte auf Grundlage der nächsten Planungsphasen beantwortet werden – bevor der Stadtrat eine endgültige Entscheidung trifft.
Doch schon wenige Monate später verschob sich der Rahmen grundlegend. Im Herbst 2025 legte die Verwaltung einen Konsolidierungskatalog vor, der die finanzielle Lage der Stadt offenlegte. Die Zahlen ließen wenig Spielraum: erhebliche Defizite in den kommenden Jahren, neue Kredite nur noch unter enger Kontrolle der Regierung von Oberbayern. Die Konsequenz war politisch eindeutig – und hart: Investitionen mussten priorisiert werden. Fortgeführt werden sollten nur noch Projekte, die als „dringend und unabweisbar“ gelten. Schulen, Feuerwehr, Infrastruktur. Aufgaben, die rechtlich oder funktional nicht aufgeschoben werden können. Kultur gehört in diesem System nicht dazu. Auch die Generalsanierung des Hämer-Baus nicht. Damit wurde das Projekt faktisch gestoppt – nicht durch einen einzelnen Beschluss, sondern durch die Logik der Haushaltslage.
Planung im Wartestand
Seither bewegt sich wenig. Offiziell befindet sich das Projekt in einer Phase der Neubewertung. Eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe ist beauftragt, Alternativen zu den bisherigen Planungen zu entwickeln – mit Blick auf Umfang, zeitlichen Ablauf und Finanzierung. Erste konzeptionelle Überlegungen liegen vor, etwa zu einer abschnittsweisen Sanierung mit einem möglichen Schwerpunkt auf dem Festsaal. Belastbare Entscheidungen oder konkrete Kostenberechnungen existieren jedoch nicht.
Währenddessen ist die eigentliche Planung zum Stillstand gekommen. Seit dem Stadtratsbeschluss vom 29. Juli 2025 wurden keine weiteren Leistungsphasen der beauftragten Planungsbüros abgerufen. Insbesondere die zentrale Entwurfsplanung (Leistungsphase 3) sowie die darauf aufbauende Genehmigungsplanung (Leistungsphase 4) wurden nicht beauftragt. Entsprechend liegen keine Ergebnisse aus diesen Planungsstufen vor – und auch keine belastbaren Kostenberechnungen, die Voraussetzung für weitere Entscheidungen oder Förderanträge wären.
Stattdessen beschränkte sich die Tätigkeit auf notwendige Grundlagen- und Voruntersuchungen. Dazu zählen vorwiegend Untersuchungen zur Standsicherheit, Schadstoffanalysen sowie erste Betrachtungen einzelner baulicher Teilbereiche wie der Fassade. Diese Arbeiten dienen der Bestandserfassung und Risikobewertung und sollen unabhängig vom weiteren Projektverlauf nutzbar bleiben.
Auch finanziell lässt sich dieser Zustand ablesen. Rund 500.000 Euro wurden bislang für externe Leistungen aufgewendet. Eine detaillierte Aufschlüsselung auf einzelne Büros oder Unternehmen liegt nach Angaben der Stadt nicht vor. Insgesamt beziffert die Geschäftsführung der INKoBau den bisherigen Gesamtaufwand – einschließlich interner Projekt- und Planungsleistungen – auf rund fünf Millionen Euro.
Offene Kosten, offene Förderung
Denn die eigentliche Grundlage fehlt weiterhin. Ohne weiterführende Planung bleibt der bekannte Kostenrahmen unverändert – und zugleich unsicher: rund 180 Millionen Euro, zuzüglich Baupreissteigerungen und projektspezifischer Risiken. Zu diesen zählen neben allgemeinen Baupreisentwicklungen insbesondere mögliche zusätzliche Anforderungen im Bestand, etwa im Hinblick auf Statik, Denkmalschutz oder Altlasten, sowie zeitliche Verzögerungen.
Mit der fehlenden Planung fehlt auch die Grundlage für Förderentscheidungen. Zwar wurden mögliche Förderprogramme identifiziert und grundsätzlich geprüft, darunter Mittel nach dem Finanzausgleichsgesetz sowie Programme im Bereich Denkmalschutz. Konkrete Gespräche mit Fördermittelgebern haben jedoch nicht stattgefunden. Ebenso liegen keine Vorbescheide, Absichtserklärungen oder sonstigen Rückmeldungen vor. Förderanträge sind derzeit nicht vorgesehen, da diese eine abgeschlossene und belastbare Planung einschließlich Kostenberechnung voraussetzen.
Was bleibt, sind Erfahrungswerte. Bei vergleichbaren Projekten liegt die Förderquote häufig zwischen 50 und 60 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten. Der tatsächliche Eigenanteil der Stadt lässt sich mangels konkreter Planung derzeit nicht beziffern.
Zeit läuft, Entscheidungen fehlen
Auch der ursprünglich vorgesehene Zeitplan ist hinfällig. Die im Beschluss angelegte Perspektive, nach Abschluss der Planungsphasen 3 und 4 eine finale Entscheidung herbeizuführen, wird nicht weiterverfolgt. Eine belastbare Kostenberechnung ist derzeit ebenso wenig absehbar wie ein konkreter Zeitpunkt für eine erneute Beschlussfassung. Denn die weitere Entwicklung hängt maßgeblich von den haushaltspolitischen Rahmenbedingungen ab – und damit auch von den Vorgaben und Rückmeldungen der Rechtsaufsichtsbehörde, der Regierung von Oberbayern. Erst auf dieser Grundlage kann entschieden werden, ob und in welcher Form das Projekt fortgeführt wird.
Ein Stillstand, der sich selbst verstärkt.
Und während im Hintergrund geprüft, gerechnet und abgewogen wird, bleibt eine zentrale Entscheidung bestehen: Das Ende der bisherigen Nutzung ist festgelegt. Der Theaterbetrieb soll im Herbst 2026 enden, der Festsaal im Sommer 2027.
Was danach kommt, ist offen. Oder, wie es die Stadt auf Nachfrage formuliert: Am grundlegenden Sachverhalt hat sich nichts geändert.
Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.