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Die Debatte über Reformen im Gesundheitssystem gewinnt an Schärfe. Auslöser sind Überlegungen der Bundesgesundheitsministerin zu einem Primärarztsystem und möglichen Änderungen bei den Zuzahlungen für Medikamente. Der Sozialverband VdK warnt vor sozialen Fehlentwicklungen.
VdK-Präsidentin Verena Bentele kritisiert insbesondere Pläne, den freien Zugang zu Fachärztinnen und Fachärzten einzuschränken. Ein stärker koordiniertes Versorgungssystem könne zwar helfen, Orientierung zu schaffen und Fehl- oder Überversorgung zu vermeiden. Ein verpflichtendes Primärarztmodell mit Zusatzgebühren beim direkten Facharztbesuch würde jedoch bestehende Ungleichheiten in der Versorgung verschärfen. Menschen mit höheren Einkommen könnten zusätzliche Kosten leichter tragen, während Haushalte mit niedrigen oder mittleren Einkommen weiter belastet würden.
Hinzu komme, dass nicht alle Versicherten über einen festen Hausarzt verfügten. Gerade in ländlichen Regionen sei ein verpflichtendes Primärarztsystem kaum praktikabel. Der Zugang zur medizinischen Versorgung drohe dadurch ungleicher zu werden.
Auch die Diskussion über höhere Zuzahlungen für Arzneimittel stößt beim VdK auf Ablehnung. Sie widerspreche dem sozialen Grundgedanken der gesetzlichen Krankenversicherung. Besonders ältere Menschen sowie chronisch Erkrankte seien häufig auf mehrere Medikamente angewiesen und bereits heute finanziell stark gefordert. Steigende Eigenanteile erhöhten das Risiko, dass notwendige Medikamente aus Kostengründen nicht mehr eingenommen würden.
Reformen im Gesundheitssystem dürften nicht einseitig zulasten der Versicherten gehen, fordert der VdK. Statt weiterer Belastungen für Patientinnen und Patienten müsse der Blick stärker auf jene gerichtet werden, die seit Jahren gut am Gesundheitssystem verdienen, etwa die Pharmaindustrie oder investorengeführte medizinische Versorgungszentren.
Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf einer Mitteilung des Sozialverbands VdK; redaktionell bearbeitet.
