Werden Sie Unterstützer:in von O-T(h)öne
Machen Sie mit bei „Die Berichterstattung von O-T(h)öne ist mir etwas wert“. Ihre Mithilfe trägt dazu bei, dieses Angebot fortzuführen.


Kaum ein Tag vergeht ohne einen neuen Vorschlag zur Rente. Mal geht es um höhere Altersgrenzen, mal um Übergangsfristen oder Härtefälle. Dem Sozialverband VdK fehlt in dieser Debatte vor allem eines: ein Gesamtkonzept. Präsidentin Verena Bentele spricht von „erschreckender Unkenntnis“ in Teilen der Bundespolitik. Besonders deutlich macht sie ihre Kritik am Begriff „Rente mit 63“. Eine abschlagsfreie Rente ab 63 gebe es nicht mehr, erklärt der VdK. Wer heute mit diesem Alter in Rente gehe oder gehen müsse, habe einen Abschlag von 13,8 Prozent hinzunehmen.
Auch bei 45 Beitragsjahren liegt die Altersgrenze nach Darstellung des Verbands inzwischen höher. Ab 1. September könnten Versicherte mit entsprechender Beitragszeit zwar abschlagsfrei in den Ruhestand gehen, seien dann aber 64 Jahre und acht Monate alt. Bentele fordert deshalb von der Bundesarbeitsministerin, öffentlich mit dem Begriff „Rente mit 63“ aufzuräumen. Sie will ihn zum „rentenpolitischen Unwort des Jahres“ erklären.
Für den VdK führt die Diskussion über immer höhere Altersgrenzen ohnehin am eigentlichen Problem vorbei. Entscheidend sei nicht allein, wie lange Menschen arbeiten sollen, sondern ob sie gesundheitlich und auf dem Arbeitsmarkt überhaupt die Möglichkeit dazu haben. Bentele wirft der Alterssicherungskommission vor, sich zu stark auf kurzfristige Einsparmöglichkeiten konzentriert zu haben. Die Folgen höherer Altersgrenzen für Beschäftigte seien dabei zu wenig berücksichtigt worden. Der Verband fordert deshalb altersgerechte Arbeitsplätze und attraktivere Arbeitszeitmodelle. Menschen, die wegen Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Pflegeverpflichtungen Schwierigkeiten haben, länger im Beruf zu bleiben, dürften nicht durch hohe Rentenabschläge zusätzlich unter Druck geraten.
Eine größere Rolle soll nach Vorstellung des VdK auch die medizinische und berufliche Rehabilitation spielen. Ein starkes Reha-System könne dazu beitragen, ältere Beschäftigte länger gesund und berufsfähig zu halten. Zugleich könnten dadurch Ausgaben für Krankengeld und Erwerbsminderungsrenten sinken. Statt immer neue Altersgrenzen zu diskutieren, will der Verband deshalb Arbeitsmarktchancen und gesundheitliche Belastungen älterer Beschäftigter stärker in den Mittelpunkt rücken.
Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf einer Mitteilung des Sozialverbands VdK Deutschland; redaktionell bearbeitet.