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Was von Corona bleibt

Fünf Jahre nach dem ersten Lockdown zieht eine neue Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung Bilanz. Das Buch „Was von Corona übrig bleibt. Erwerbsarbeit, Sozialstruktur, gesellschaftliche Folgen“ wertet umfangreiche Befragungen von Erwerbstätigen und Betriebsräten aus – und beschreibt, wie die Pandemie bis heute nachwirkt.

Kurzarbeit bewahrte Millionen Beschäftigte vor größeren Einkommensverlusten. Doch nicht alle profitierten: Selbstständige und Minijobber erhielten seltener Unterstützung. „Corona hat verdeutlicht, wie wichtig die Absicherung durch soziale Versicherungssysteme ist“, schreiben die Herausgeberinnen.

Am stärksten traf es Familien. Eltern reduzierten ihre Arbeitszeit, Mütter deutlich stärker als Väter. Von einer gerechteren Verteilung der Sorgearbeit blieb wenig. Alte Muster setzten sich fort.

Auch in der Bildung zeigen sich Spuren. Die Zahl der Ausbildungsplätze ging zurück, 2021 waren 2,6 Millionen junge Erwachsene ohne Berufsabschluss. Die Forschenden erwarten langfristige Folgen für Erwerbsbiografien.

Die Krise hat soziale Ungleichheit verschärft. Menschen mit niedrigen Einkommen, Alleinerziehende und viele Rentnerinnen berichteten von besonders starken Belastungen. Armut verfestigte sich.

Ein Ergebnis mit Dauerwirkung ist das Homeoffice: Noch immer arbeitet rund ein Drittel der Beschäftigten regelmäßig von zu Hause – ein Trend, der vor allem Höherqualifizierten offensteht.

Die Pandemie fiel zudem in eine Abfolge weiterer Krisen – Krieg in der Ukraine, Inflation, Energiepreise. Dieses „Polykrisenszenario“ schwächte das Vertrauen in die Politik. In den Befragungen sank der Anteil derer, die großes Vertrauen in die Bundesregierung haben, deutlich. Besonders stark war der Rückgang unter Müttern.

Die Enquete-Kommission des Bundestags nimmt in diesem Monat ihre Arbeit auf. Die Autorinnen der Studie betonen: Der Sozialstaat müsse künftig breiter aufgestellt sein, um unterschiedliche Formen von Arbeit und Lebenslagen besser abzusichern.

Transparenzhinweis: Die Berichterstattung erfolgt unter Verwendung einer Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung.

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