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Wasserwirtschaftsamt kümmert sich – die Stadt nicht

Erst Mähgut auf dem Weg – dann Verantwortung im Nirgendwo der Stadtverwaltung. Über Nacht lag – wie bereits berichtet – eine breite und hohe Ablagerung aus Mähgut quer über einem offiziell gewidmeten Weg, den Fußgänger und Radfahrer nutzen. Ohne Absperrung, ohne Warnung. Eine Gefahrenstelle. Während die Stadt den Vorfall kleinredete und lieber von einer „Fahrbahnverschmutzung“ sprach, hat das Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt (WWA) reagiert – und den Vorfall aufgeklärt.

Der Verantwortliche des WWA teilte auf Nachfrage des Nachrichtenportals O-T(h)öne mit: Die Mäharbeiten am Deich bei Haunwöhr seien vom Amt in Auftrag gegeben worden. Die Deiche entlang der Donau in der Region 10 würden regelmäßig gepflegt, ein naturnahes Mähkonzept werde durch eine Fremdfirma umgesetzt.

Dass diesmal Mähgut über Nacht auf dem Weg liegenblieb, lag laut Amt an einem Defekt: Das Ladegerät der Mähgutaufnahme war ausgefallen, das Gras konnte am selben Tag nicht mehr aufgenommen werden. „Leider vergaß die ausführende Firma, den Weg abzusichern“, so die Auskunft.

Ausnahme mit Folgen

Das Wasserwirtschaftsamt betont, es handle sich um einen „absoluten Ausnahmefall“. Normalerweise seien Mäharbeiten Tagesbaustellen – abends seien die Wege frei. Entscheidend ist dabei das sogenannte Leistungsverzeichnis: ein Vertragspaket, das festlegt, wie gearbeitet werden muss. Kurz gesagt: Im Leistungsverzeichnis steht nicht nur, wie das Gras gemäht wird, sondern auch, dass danach niemand im Mähgut landen darf. Nach dem Vorfall habe man die Firma deutlich darauf hingewiesen, dass Mähgut weder über Nacht liegen bleiben dürfe noch ungesichert.

Ein Anruf der Stadt beim Wasserwirtschaftsamt hätte gereicht, um den Sachverhalt sofort nach der Medienanfrage aufzuklären. Stattdessen begnügte man sich mit Verwaltungsdeutsch in einer schriftlichen Antwort und der Formel „Fahrbahnverschmutzung“. Das Wasserwirtschaftsamt benennt Fehler, zieht Konsequenzen und fordert die Firma auf, künftig Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen.

Wer sich kümmert – und wer nicht

Das Wasserwirtschaftsamt hat gezeigt: Behörden können handeln, Fehler eingestehen und nachsteuern. Für die Bürger bleibt so das ungute Gefühl, dass Sicherheit auf öffentlichen Wegen Glückssache ist – abhängig davon, wer sich zuständig fühlt.

Gras wächst schnell. Verantwortung wird offenbar nicht gesehen, zumindest in einigen Ämtern.

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