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Weinzierl-Gelände ohne Perspektive – Debatte beendet

Das Weinzierl-Gelände in Ingolstadt ist seit Jahren ein Problemfall: Kontaminierte Böden, beschädigte Hallen und strenge rechtliche Auflagen prägen die Fläche am Donauufer. In der jüngsten Stadtratssitzung legte die Verwaltung erneut dar, warum dort vorerst keine Nutzung mehr möglich ist. Drei politische Anträge, die unterschiedliche Perspektiven prüfen sollten, scheitern an denselben Rahmenbedingungen.

Finanzreferent Franz Fleckinger beschreibt den baulichen Zustand als „äußerst kritisch“. Die Fotos, die dem Stadtrat gezeigt werden, dokumentieren den Zustand deutlich: durchfeuchtete Wände, poröse Bauteile, offene Leitungen, provisorische Einbauten. Auch wild abgelagerter Müll bleibt ein Thema. Die mobile WC-Anlage, eigentlich das robusteste Provisorium auf dem Gelände, verursacht inzwischen über 40.000 Euro Betriebskosten im Jahr – ohne verlässlich nutzbar zu sein.

Noch restriktiver ist der rechtliche Rahmen. Das Gelände liegt vollständig im festgesetzten Überschwemmungsgebiet. Das Wasserwirtschaftsamt geht bei üblichen Hochwasserereignissen von „ein bis zwei Metern“ Überflutung aus. Neubauten sind untersagt, Erweiterungen nicht zulässig, höherwertige Nutzungen ausgeschlossen. Jede neue Nutzung würde eine Nutzungsänderung erfordern – und die wäre nach geltendem Wasser- und Baurecht nicht genehmigungsfähig.

Trotz der bekannten Problemlage lagen dem Stadtrat drei Anträge vor. Die FREIEN WÄHLER wollten die Situation neu bewertet wissen. Die Verwaltung verweist darauf, dass der Sachstand bereits geprüft worden sei und die angedachten Nutzungen rechtlich nicht zulässig wären.

Die SPD forderte, die Stilllegung zu stoppen und Zwischennutzungen zu ermöglichen. Doch nach Darstellung der Verwaltung lassen Schadstofflage, statische Mängel und Hochwasserauflagen keinen Handlungsspielraum.

Die GRÜNEN schlugen vor, temporäre Räume für Künstlerinnen und Künstler bereitzustellen. Die Verwaltung berichtet, dass alle bisherigen Nutzer bereits verlagert wurden und die Gebäude in ihrem Zustand nicht mehr für neue Nutzungen bereitgestellt werden können.

Finanziell zeigt sich ebenfalls wenig Bewegungsspielraum. Die Altlastensanierung wird mit rund sieben Millionen Euro netto veranschlagt, der Abbruch der Gebäude mit weiteren drei bis vier Millionen Euro. Die Bodensanierung soll 2026 beginnen, Ausschreibungen sind vorbereitet. Wie schnell die Maßnahmen umgesetzt werden können, hängt vom Haushalt und von Fördermitteln ab.

Parallel plant die Verwaltung, das Gelände vollständig abzusperren; Zugänge wie der am Wackerweg sollen geschlossen werden. Einige Firmen befinden sich noch auf dem Gelände, eine davon in Liquidation, und ein Untermietverhältnis verzögert die Räumung zusätzlich.

FREIE WÄHLER und SPD verlangten in der Sitzung einen Zeitplan. Die Verwaltung erklärte, dass angesichts der finanziellen Lage keine verbindlichen Aussagen möglich seien. Klar sei jedoch, dass der bestehende Zustand jede Nutzung ausschließe. Bestandsschutz gelte nur für unveränderte Nutzungen, jede Änderung sei ausgeschlossen. Ölheizungen dürfen nicht weiter betrieben werden, Gas- oder Fernwärmeanschlüsse sind nicht vorhanden.

Am Ende empfiehlt die Verwaltung, alle drei Anträge nicht weiterzuverfolgen und die bisherige Beschlusslage zu bestätigen. Der Stadtrat folgt dieser Empfehlung – einstimmig und ohne Gegenstimme. Die Entscheidung markiert faktisch das Ende aller Versuche, dem Gelände vor der anstehenden Sanierung noch eine Übergangsnutzung zu geben.

Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.

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