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Der Mangel beginnt nicht erst, wenn Dienste ausfallen oder Stellenanzeigen wochenlang offenbleiben. In vielen Berufen ist er längst absehbar, weil ein großer Teil der Beschäftigten in den kommenden Jahren in den Ruhestand geht. Eine neue Auswertung des Ifo Institus zeigt, dass davon ausgerechnet Tätigkeiten betroffen sind, auf die der Alltag besonders angewiesen ist: Nahverkehr, Versorgung, Pflege und medizinische Dienste.
In den 21 Berufsgruppen, die während der Corona-Pandemie als systemrelevant eingestuft wurden, sind 27 Prozent der Beschäftigten älter als 55 Jahre. Ihr Renteneintritt dürfte in den nächsten zehn Jahren die Personallage spürbar verschärfen. Besonders hoch ist der Altersschnitt demnach bei Fahrerinnen und Fahrern im öffentlichen Verkehr sowie in einigen Gruppen medizinischer Fachkräfte.
Die Zahlen zeigen, dass der Fachkräftemangel nicht allein eine Frage fehlender Bewerbungen ist. Er ist auch eine demografische Entwicklung, die sich mit einiger Genauigkeit vorhersehen lässt. Wenn in Berufen, die kaum verzichtbar sind, viele Beschäftigte gleichzeitig ausscheiden, wird aus einem bekannten Problem schnell ein praktisches: Busse müssen fahren, Patientinnen und Patienten versorgt, Pflegebedürftige betreut werden.
Die Studie stützt sich auf die Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Betrachtet wurden 37 Berufshauptgruppen. Der Anteil der über 55-Jährigen unterscheidet sich je nach Beruf deutlich und reicht von etwa 15 bis 40 Prozent. Rund ein Drittel aller Beschäftigten arbeitet in Berufsgruppen, die als systemrelevant gelten.
Bemerkenswert ist auch der Blick auf die Regionen. Zwar ist die Bevölkerung in Ostdeutschland im Durchschnitt älter als im Westen. Bei der Altersstruktur innerhalb einzelner Berufsgruppen zeigt sich jedoch bundesweit ein weitgehend ähnliches Bild. Nur in den Stadtstaaten sind die Beschäftigten im Schnitt etwas jünger.
Ein zusätzlicher Befund verschärft die Lage: Sowohl ältere als auch jüngere Beschäftigte arbeiten häufig in Minijobs. Für Branchen, die ohnehin um Nachwuchs und verlässliche Personalplanung ringen, ist das ein weiterer Unsicherheitsfaktor.
Die Auswertung erinnert daran, dass der demografische Wandel kein fernes Zukunftsthema ist. Er entscheidet schon bald darüber mit, ob zentrale Dienste im Alltag stabil funktionieren. Für Politik, Arbeitgeber und Ausbildungssysteme bleibt damit wenig Zeit, aus bekannten Zahlen konkrete Antworten zu machen.
Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf einer Mitteilung des Ifo Instituts; redaktionell bearbeitet.