Anzeige

Wenn die erste Wohnung verloren geht

Wer jung ist und seine Wohnung verliert, fällt oft durch das Hilfesystem. In Ingolstadt versucht eine Beratungsstelle, genau das zu verhindern. Seit gut einem Jahr gibt es mit „Next Step“ ein Angebot der Caritas, das sich an junge Erwachsene zwischen 18 und 27 Jahren richtet, die wohnungslos sind oder denen Wohnungslosigkeit droht. Mehr als 80 Klientinnen und Klienten haben die beiden Sozialpädagoginnen Sandra Felkner und Olga Hauk nach eigenen Angaben seither betreut.

Die Fachstelle ist bei den Caritas-Wohnheimen und Werkstätten Ingolstadt angesiedelt. Die Beratung erfolgt überwiegend in den Räumen an der Gaimersheimer Straße, bei Bedarf aber auch an anderen Orten – etwa in Schulen, Kliniken oder im direkten Lebensumfeld der Betroffenen.

Die Ursachen für prekäre Wohnsituationen sind unterschiedlich. Häufig spielen Konflikte im Elternhaus eine Rolle, ebenso der Verlust von Arbeit oder das Ende von Hilfemaßnahmen. Auch psychische Erkrankungen oder Schulden können dazu führen, dass junge Menschen ihre Wohnung verlieren. In einem typischen Fall führte eine Kombination aus familiären Konflikten, dem Verlust der Ausbildungsstelle und Mietschulden schließlich in eine Notunterkunft. Die Beratungsstelle unterstützte unter anderem bei Anträgen auf Bürgergeld, bei der Schuldenregulierung und bei der Suche nach einer geeigneten Wohnform.

Die Hilfe geht dabei über die reine Wohnungssuche hinaus. Im Mittelpunkt steht ein niedrigschwelliger Ansatz, der die Betroffenen in verschiedenen Lebensbereichen stabilisieren soll – etwa im Umgang mit Behörden, bei gesundheitlichen Problemen oder beim Zugang zu Ausbildung und Arbeit. Ziel ist es, eine weitere Verfestigung der schwierigen Lebenslage zu verhindern.

Ein besonderer Fokus liegt auf jungen Volljährigen zwischen 18 und 21 Jahren. Nach Einschätzung der Fachkräfte haben viele von ihnen zwar grundsätzlich Anspruch auf Leistungen der Jugendhilfe, erreichen diese aber oft nicht. Um diese Lücke zu schließen, wünschen sich die Verantwortlichen eine engere Zusammenarbeit mit dem Jugendamt.

Das Projekt ist zunächst bis Ende Februar 2027 angelegt und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert. Derzeit laufen Gespräche über eine mögliche weitere Finanzierung durch die Stadt Ingolstadt. Nach Einschätzung der Träger besteht weiterhin Bedarf für das Angebot.

Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf einer Mitteilung der Caritas; redaktionell bearbeitet.

Diesen Beitrag teilen