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Die Ausgangslage schien eindeutig – zumindest auf den ersten Blick. Die CSU-Stadtratsfraktion hatte entschieden: Christopher Hofmann soll bei der kommenden Wahl des zweiten Bürgermeisters ins Rennen gehen – knapp, aber demokratisch gewählt gegen Amtsinhaberin Dorothea Deneke-Stoll.
Doch mit dieser Entscheidung war die Sache politisch nicht abgeschlossen. Innerhalb der CSU blieb erkennbar Widerstand. Teile der Fraktion hatten Deneke-Stoll unterstützt – und auch im Stadtrat gab es nach der Nominierung von Hofmann durch die CSU-Stadtratsfraktion deutlich positionierte politische Kräfte, die sie weiterhin als zweite Bürgermeisterin wollten.
Eine frühzeitige, klare Festlegung durch Deneke-Stoll, dass sie für eine erneute Kandidatur nicht mehr zur Verfügung steht und den von der CSU demokratisch gewählten Kandidaten Hofmann unterstützt, hätte die Situation beruhigen können. Sie blieb aus. Anders verlief es bei der Nominierung von Michael Kern als CSU-Oberbürgermeisterkandidat: Dort stellte sich der unterlegene Mitbewerber, Christian Lösel, unmittelbar nach der Entscheidung öffentlich hinter den Kandidaten und rief seine Unterstützer dazu auf, Kern zu unterstützen.
Deneke-Stoll erklärt nicht, auf eine eigene Kandidatur zu verzichten. Damit bleibt eine zentrale Option bestehen. Und genau diese Offenheit verändert die Dynamik. Denn solange sie zur Kandidatur bereit ist, bleibt auch die Möglichkeit bestehen, dass sich Mehrheiten neu ordnen.
Ein Wort, das alles verändert
Ein einziges Wort macht diese Situation sichtbar. „Wir.“ Das die Mediengruppe Bayern als Fazit eines Gesprächs mit Deneke-Stoll zieht: „Wir warten ab“. Nicht „sie wartet ab“, sondern „wir“. Und genau dieses „wir“ lässt politische Akteure aufhorchen, weil es auf mehr als eine Einzelposition hindeutet. Denn dieses „wir“ verweist auf mehr als eine persönliche Haltung. Es kann als Hinweis auf ein Umfeld, auf Unterstützer oder auf eine politisch abgestimmte Konstellation gelesen werden, die über die Person Deneke-Stoll hinausgeht.
Damit verschiebt sich der Fokus. Es geht damit aus politischer Sicht nicht mehr nur um die Frage der Unterstützung für den nominierten Kandidaten Hofmann, sondern um eine Konstellation, die auch eine Rückkehr von Deneke-Stoll ins Bürgermeisteramt ermöglichen könnte. Das wünscht sich auch eine Gruppierung in der CSU-Stadtratsfraktion und andere Stadtratsmitglieder.
Die Strategie hinter dem „Wir“ – eine politische Einordnung
Der Weg, der Deneke-Stoll zurück ins Bürgermeisteramt führen kann, ist politisch klar – und lässt sich als mögliche Strategie hinter diesem „Wir“ interpretieren. Zentral wäre in einer solchen Lesart, dass es der eigenen CSU-Fraktion und ihren Verhandlungsführern – durch die fortbestehende Bereitschaft von Deneke-Stoll zur Kandidatur – nicht gelingt, eine stabile Mehrheit für Hofmann zu organisieren.
In diesem Zusammenhang lässt sich folgende politische Zielrichtung diskutieren: dass Gespräche mit den GRÜNEN ins Stocken geraten oder scheitern könnten. In dieser Perspektive könnte ein Scheitern der Gespräche den Raum öffnen, Deneke-Stoll wieder ins Rathaus als zweite Bürgermeisterin zu bringen. Damit würde sich eine demokratische Nominierung der CSU-Stadtratsfraktion von Hofmann als Kandidat faktisch in eine offene Machtfrage verschieben.
Die Erzählung: Von der Alternative zur Lösung
Politisch ließe sich eine solche Entwicklung im Nachhinein neu deuten – nicht als Bruch mit Fraktion und Partei und nicht als gezielte Strategie, Hofmann zu verhindern, sondern als Lösung, als Rettung.
Die mögliche politische Erzählung: Deneke-Stoll sichert das Bürgermeisteramt für die CSU, nachdem sich für Hofmann keine Mehrheit organisieren lässt. Sie übernimmt Verantwortung, sorgt für Stabilität und hält das Amt in CSU-Hand. Aus „Wir warten ab“ wird die Lösung.
Gleichzeitig bliebe in einer solchen Darstellung unberücksichtigt, dass keine eindeutige öffentliche Festlegung durch Deneke-Stoll zugunsten Hofmanns erfolgte und dass das „Wir warten ab“ das alles erst ermöglichte.
Fazit
Der Ausgangspunkt ist eine demokratische Entscheidung der CSU-Stadtratsfraktion. Diese wurde von Teilen der Fraktion, die Dorothea Deneke-Stoll als Kandidatin wollten, nicht akzeptiert – sodass sich eine neue politische Dynamik entwickeln konnte. Ob sich daraus eine tragfähige Strategie entwickelt und die mögliche sich anschließende politische Erzählung Realität wird, liegt jetzt in den Händen der GRÜNEN.
Für das „Wir warten ab“ bleibt allerdings auch noch eine weitere – und zugleich allerletzte – Option: eine Kandidatur von Deneke-Stoll im Stadtrat gegen den von ihrer Partei nominierten Parteifreund Hofmann.
Abwarten muss nun die Bürgerschaft, ob dem neuen Stadtrat zu Beginn der Amtsperiode Zusammenarbeit gelingt – oder ob sich der Konflikt weiter zuspitzt, in einer Zeit, in der die Stadt vor erheblichen Herausforderungen steht.
Verbrannte politische Erde ist genau das, was die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger in einer solchen Situation überhaupt nicht gebrauchen können.
Transparenzhinweis: Eigenberichterstattung.