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Wirtschaftsreferent probiert Satire – und löscht wieder

Georg Rosenfeld, Wirtschaftsreferent der Stadt Ingolstadt und Vorstand für Wirtschaftsförderung und Digitalisierung bei der städtischen Industrie­förderungsgesellschaft (IFG), äußerte sich am späten Dienstagabend auf seinem privaten Facebook-Profil zur Debatte um die Theatersanierung.

Anlass war ein Video des CSU-Ortsverbandsvorsitzenden und Stadtratskandidaten Sebastian Knott, gepostet in der Facebookgruppe „Ingolstadt diskutiert… sachlich, offen und fair“. Knott sprach darin von rund 250 Millionen Euro, die für die Sanierung des Stadttheaters veranschlagt seien – das entspreche etwa 500 Bürgerfesten. Was die Sanierung betreffe, brauche es eine offene Debatte ohne Denkverbote, so Knott vor dem Thaeter. Zum Schluss des 48-sekündigen Videos mit schlechter Tonqualität setzte er sich eine rote Kappe mit der Aufschrift „Make Ingolstadt great again“ auf.

Rosenfeld reagierte – erkennbar ironisch – mit folgendem Kommentar:

„!!!Vorsicht Satire!!!
Super Idee. Lasst uns ein Bürgerbegehren respektive Ratsbegehren organisieren. Die Frage: Wollt ihr eine Großstadt mit Theater sein oder lieber bis zum Jahr 2525 garantiert jedes Jahr ein Bürgerfest feiern? („Eine Theatersanierung kostet soviel wie 500 Bürgerfeste.“) MAGA MIGA MEGA MAGA GAGA. Keine Denkverbote! Wo gibt es die Trump-Kappen, ich will auch eine.
!!!Vorsicht Satire!!!“

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Ein Nutzer kommentierte:

„Achtung Ernst: Lieber Herr Rosenfeld, wären Sie ebenso kreativ in der Förderung der heimischen Wirtschaft, wie beim Abfassen derartiger Beiträge, hätte die Stadt vielleicht genug Mittel, Bürgerfeste und die Theatersanierung zu stemmen. Von effektiver Wirtschaftsförderung aus Ihrem Hause war nämlich die vergangenen Jahre wenig zu spüren.“

Ob und wie die Satire verstanden wurde, blieb offen. Rosenfeld nahm den Beitrag wenig später wieder offline. Auf telefonische Nachfrage des Nachrichtenportals O-T(h)öne erklärte er, der Vergleich mit 500 Bürgerfesten habe ihn zu dem Posting bewogen. „Zur Sache ist das ein schwieriger Vergleich.“ Die Reaktion auf seinen Beitrag hätte ihn schließlich zum Löschen veranlasst: „Ich wollte keine Provokation erzeugen.“

Inhaltlich spricht sich Rosenfeld, promovierter Physiker, klar für die Sanierung des Stadttheaters aus. Ingolstadt brauche ein Theater, so der Wirtschaftsreferent – auch mit Blick auf die Standortattraktivität für Unternehmen. Bürgerbegehren oder Ratsbegehren befürworte er, doch müssten dafür belastbare Entscheidungsgrundlagen vorliegen. Im Fall der Theatersanierung stünden noch Gutachten aus. Ein solcher Entscheid müsse sachlich geführt werden – ohne parteipolitische polemische Einflussnahme, „also anders als bei den Kammerspielen“, so der Professor.

Stadtratsmitglieder unterschiedlicher politischer Ausrichtung äußerten sich auf Nachfrage gegenüber O-T(h)öne kritisch zu Rosenfeds Posting. Die Reaktionen: „Völlig unnötig“, „das hätte er sich und uns ersparen können“ bis zu der polemischen Bemerkung „So reagiert eben das Bildungsbürgertum“.

Gelöscht ist Rosenfelds Beitrag – vergessen nicht.

Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung unter Verwendung von Screenshots aus Facebook und telefonischen Auskünften gegenüber dem Nachrichtenportal O-Thöne.

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