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Zukunft der Krankenhausversorgung in Ingolstadt und der Region 10: Welche Vorstellungen hat die Kommunalpolitik?

Zukunft der Krankenhausversorgung in Ingolstadt und der Region 10: Welche Vorstellungen hat die Kommunalpolitik?

(tt) Die "Frage der Woche" bei O-T(h)öne lautet:

„Welche Vorstellungen haben Sie zur Zukunft der Krankenhausversorgung in Ingolstadt und der Region 10, in welcher Zeitschiene?“

Aus dem Ingolstädter Stadtrat wurden die Fraktionen und Gruppierungen von CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Freie Wähler, UWG, LINKE und ÖDP, am 18. April um eine Antwort gebeten. Nachfolgend die ungekürzten und nicht redigierten Antworten, die O-T(h)öne erreicht haben:

Christoph Spaeth, Stadtrat von BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN:

Man darf die Krankenhausversorgung für die Region 10 nicht isoliert von den anderen Sektoren im Gesundheitswesen betrachten. Historisch gesehen wird die ambulante und stationäre Versorgung immer noch getrennt behandelt. Für eine solide Gesundheitsversorgung in der Region 10 ist es wichtig in Zukunft sektorenübergreifend zu denken. Ziel muss es sein in den nächsten zehn Jahren flächendeckend eine integrierte Versorgung einzuführen. Diese zielt in erster Linie auf die Prävention ab, d.h. die Verhinderung von Krankheiten (im Gegensatz zur Früherkennung, die bereits bestehende Erkrankungen finden soll). Darauf aufbauend muss die stationäre und ambulante Versorgung deutlich besser verzahnt werden. Die Anforderungen an eine qualitativ hochwertige stationäre Versorgung werden immer höher geschraubt (ohne die Einhaltung der Vorgaben gibt es keine Vergütung mehr). Dies ist neben dem Mangel an Pflegekräften und Ärztinnen nur mit einer Konzentration an wenigen großen Standorten zu schaffen. Im Gegenzug braucht es den Ausbau der Notfallversorgung und flächendeckende ambulante (hausärztliche) Zentren, um die Versorgung in den ländlichen Gebieten zu sichern.

Eva Bulling-Schröter, Sprecherin der Stadtratsgruppe DIE LINKE:

Die Corona Pandemie zeigt, dass das Gesundheitssystem über Jahre krank gespart wurde und sich dies gerade auch auf die Beschäftigten im Gesundheitswesen auswirkt. Die Beschäftigten in diesem Bereich arbeiten am Limit und jetzt schon warnen Studien davor, dass sich ca ein Drittel der Betroffenen ernsthaft Gedanken darüber machen, ob sie ihrem Beruf den Rücken kehren. Das wird, wenn es nicht verhindert wird größere Auswirkungen auf die Krankenhausversorgung in der Region haben als jede sogenannte Strukturreform.

Ziel muss es sein, die Wohnortnahe medizinische Versorgung in unserer Region sicherzustellen.  Also muss grundsätzlich der finanzielle Pfad der Krankenhausversorgung gestärkt werden und zwar durch ein Ende der sogenannten Fallpauschalen (DRGs). Diese schafft falsche Anreize: Diagnosen, die sich lohnen, werden öfter gestellt. Krankenhäuser werden unter Wettbewerbsdruck gesetzt. Der individuelle gesundheitliche Bedarf steht nicht mehr Mittelpunkt.

Wir fordern die Abschaffung der Fallpauschalen! Die Betriebskosten müssen von den Krankenkassen vollständig refinanziert werden.  Zu einer guten gesundheitlichen Versorgung gehören Wohnortnähe, angemessen kurze Wartezeiten auf einen Termin und eine gute Notfallversorgung. Noch müssen in den umliegenden Landkreisen keine langen Wege und lange Wartezeiten in Kauf genommen werden. Ob dies so bleiben wird oder ob Umstrukturierungen aufkosten der dort wohnenden Menschen stattfinden werden, wird in den nächsten Monaten entschieden werden. (siehe Oberender Gutachten).Deshalb wendet sich die Linke gegen eine Schließung kleiner Krankenhäuser. Wir unterstützen regionale Versorgungszentren, die mittelfristig zum Rückgrat des ambulanten Sektors werden sollen. Sie gewährleisten eine hochwertige, interdisziplinäre Behandlung und bieten flexible und familiengerechte Arbeitsbedingungen.

Anton Böhm, Stadtrat der SPD

Die Zeiten, in denen jeder Landkreis und jede Stadt ihr eigenes Süppchen zum Thema Gesundheitsvorsorge kocht, sind lange vorbei. Trotzdem haben wir den Eindruck, dass die Kirchturmpolitik auch in dieser Frage oft noch die entscheidende Frage bleibt. Der Aufschrei war hoch als aus dem Landkreis Eichstätt bzw. deren Gutachten die Idee kam, ein Krankenhaus in unmittelbarer Nähe zu unserem Klinikum Ingolstadt zu bauen. In Kreisen der Gesundheitsexperten ist das nicht automatisch schlecht. Krankenhäuser sind nicht nur Konkurrenz, sondern können, wie in vielen großen Städten auch, Synergieeffekte erzeugen und sich gegenseitig guttun. Jedes Krankenhaus muss eine Notfall- und Basisversorgung abdecken können, sowie sich mit speziellen Fachgebieten abheben und eine besondere Expertise anbieten. Krankenhäuser dürfen keine Konkurrenten sein. Wir wissen, dass bereits heute bei bestimmten Erkrankungen die Menschen bundesweit nach der besten Klinik suchen. Dieses Vorgehen ist auch verständlich, und dafür muss sich auch die Krankenhausversorgung in der Region ausrichten.

Die Vernetzung in der Region ist in dieser Frage mehr als wichtig. Die bereits laufenden Gespräche der Landräte, des Ingolstädter Oberbürgermeisters und den Geschäftsführungen der Krankenhäuser sind dazu ein richtiger Schritt für eine regionale Gesundheitsversorgung. Wenn jedes Krankenhaus nur noch auf sich schaut, ist die Zukunft der Krankenhäuser mehr als gefährdet. Die SPD Stadtratsfraktion setzt sich ein für eine regionale Gesundheitsvorsorge, denn auch die Ingolstädterinnen und Ingolstädter können davon profitieren.

Christian Lange, Vorsitzender der UWG-Stadtratsfraktion

Die Krankenhausversorgung in Ingolstadt und der Region 10 ist zurzeit ein in der Öffentlichkeit viel diskutiertes Thema. Seit vielen Jahren wird in Ingolstadt an der Generalsanierung des Klinikums gearbeitet und 2020 hat Oberbürgermeister Christian Scharpf noch einmal den Versuch unternommen, statt der Fortsetzung der Generalsanierung eventuell doch einen Neubau im Ministerium durchzusetzen. Diese Bemühungen sind gescheitert.

Im Landkreis Eichstätt ist nun Unruhe durch die Erstellung eines Gutachtens entstanden, welches der Landkreis und die Klinikleitungen von Eichstätt und Kösching in Auftrag gegeben haben. Dieses Gutachten schlägt vor, dass beide Kliniken geschlossen werden und stattdessen im Süden des Landkreises an der Grenze zur Stadt Ingolstadt eine neue Klinik des Landkreises errichtet wird. Ursache für diese Überlegungen ist, dass es für kleinere Krankenhäuser immer schwieriger wird, wirtschaftlich zu arbeiten und auch das notwendige Personal zu bekommen.

Beide Probleme werden sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sicherlich noch verschärfen. Deswegen ist es richtig, dass jetzt über die Krankenhausversorgung in der gesamten Region nachgedacht wird. Solche Gedanken müssen sich aber in erster Linie am Wohl der Patienten orientieren. In der Konsequenz bedeutet das für mich, dass Krankenhäuser zwar auch wirtschaftlich funktionieren müssen, aber viel wichtiger ist, dass das nächste Krankenhaus für die Patienten gut und schnell erreichbar ist und dass in jedem Krankenhaus die bestmögliche Versorgung angeboten wird. Daher wäre es aus meiner Sicht der falsche Weg, die Krankenhäuser der Region um Ingolstadt herum zu konzentrieren. Der Landkreis Eichstätt beispielsweise braucht sein Krankenhaus in Eichstätt.

Fazit aus meiner Sicht: Wir müssen eine flächendeckende Krankenhausversorgung in der Region sicherstellen und dabei die wirtschaftliche Entwicklung der Häuser im Auge behalten. Nur gemeinsam sind die Krankenhäuser der Region in der Lage wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben und die bestmögliche medizinische Versorgung anzubieten, daher ist für mich eine intensivere Kooperation aller Krankenhäuser der Region der Schlüssel zum Erfolg und zur Akzeptanz bei den Patienten.

Patricia Klein, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CSU:

Soll das Krankenhausnetz in unserer Region für die Menschen auch in Zukunft eine zuverlässige Versorgung bieten, kommen wir nicht umhin, regional zu denken. Eine Strategie, die an der Stadt- oder Landkreisgrenze halt macht, macht keinen Sinn. Eine regionale Kooperation kann möglicherweise die Schließung von kleinen Krankenhäusern, die wirtschaftlich unter Druck geraten, verhindern und Kompetenzen und Leistungen idealerweise so verteilen, dass die Bürgerinnen und Bürger in ihrer Heimatregion voll versorgt werden können.

Das Herz dieser Versorgung bildet zweifelsohne das Klinikum Ingolstadt. Es liegt nicht nur geographisch zentral, es ist auch in der Lage, durch seine Fülle an Kliniken und Spezialisten ein breites Leistungsspektrum abzubilden. Die derzeit laufende Generalsanierung beispielsweise ist ein wichtiger Schritt für die ganze Region in Richtung medizinische Vollversorgung.

Werden am Klinikum neue Fachbereiche geschaffen oder neue Expertisen erworben, so kann davon ebenfalls die ganze Region profitieren. Ebenso unerlässlich sind die kleineren Krankenhäuser in den Landkreisen, die wohnortnahe Versorgungsleistungen anbieten können, wo sie dringend gebraucht werden. Daher muss die Devise lauten: Zusammen sind wir stark - die Region 10 sollte beim Thema Krankenhausversorgung in Zukunft mehr denn ja kooperieren, so schaffen wir die bestmögliche medizinische Versorgung für alle Bürgerinnen und Bürger.

Raimund Köstler, Sprecher der Stadtratsgruppe der ÖDP:

Das Strukturgutachten zur künftigen medizinischen Versorgung im Landkreis Eichstätt hat eine längst überfällige Diskussion in Gang gesetzt. Nun soll auch ein Gutachten der regionalen Kliniken in Auftrag gegeben werden. Da derzeit die Planungen für die Sanierung des Klinikums Ingolstadt auf Hochtouren laufen, ist dieses Gutachten auch zeitnah zu erstellen. Ziel bei einer eventuell folgenden Neuorganisation muss die möglichst wohnortnahe Krankenhausversorgung vorzugsweise in der Hand kommunaler Träger sein. Gesundheitsfürsorge ist ein Recht der Bürgerinnen und Bürger und keine Ware. Die flächendeckende medizinische Versorgung gesetzlich Versicherter und eine angemessene Bezahlung dafür sind uns ein Grundanliegen.

Hans Stachel, Fraktionsvorsitzender der FREIEN WÄHLER:

Aus Sicht der Freien Wähler ist eine wohnortnahe Grundversorgung durch regionale Krankenhäuser erstrebenswert.
Die kürzlich aufgetauchte Studie für die Krankenhausversorgung im Landkreis Eichstätt für die Häuser Kösching und Eichstätt zeigt, daß sicher Reformbedarf besteht.

Auf Dauer werden finanzielle und personelle Probleme das Gesundheitswesen und die Krankenhausversorgung immer mehr belasten. Umso wichtiger ist es die Krankenhausversorgung regional zu denken, wobei das Klinikum Ingolstadt immer eine zentrale Rolle spielen wird. Ein regionales Krankenhausbedarfsgutachten mit den Häusern IN / EI / ND / PAF und SOB wird erforderlich.

Am Ende des Tages steht aber immer der Nutzen für unsere Bürger*innen. Einfache Grundversorgung und Spezialisierung bei guter Zusammenarbeit der Kliniken werden Kosten, Personal und Bestand am ehesten sichern. Die Patienten und niedergelassenen Ärzte werden am Ende entscheiden, was in der Region möglich ist. Hierfür ist bestmögliche medizinische und ärztliche Leistung in der Region erforderlich. Die Entscheidung treffen die Patient*innen mit den Füßen.

Krankenhausentwicklung ist kein zeitlich begrenzter Prozess, sondern ein dauernder, da sich Angebot, Möglichkeiten, Vergütungsstruktur und System, Fördermöglichkeiten und Ansprüche permanent ändern. Mit der Generalsanierung des Klinikums in Ingolstadt in den nächsten 2 Jahrzehnten werden allerdings entscheidende Weichenstellungen getroffen, die sinnvoller Weise mit der Krankenhausentwicklung mit unseren Partnern im Umland abgestimmt werden muss. Zum Wohle aller!

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