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Bürgermeisterin Kleine hat sich die Hürden selbst sehr hoch gelegt

Bürgermeisterin Kleine hat sich die Hürden selbst sehr hoch gelegt

Von Thomas Thöne

Sie wollte die erste Ingolstädter Oberbürgermeisterin werden, Petra Kleine von den örtlichen GRÜNEN. Noch kurz vor der Kommunalwahl im März dieses Jahres zeigte sie sich in einem Audiointerview bei O-T(h)öne sehr überzeugt und selbstbewusst, dass sie den amtierenden Oberbürgermeister Christian Lösel (CSU) in die Stichwahl zwingen würde. Zu dieser kam es dann tatsächlich, allerdings mit Christian Scharpf von der SPD. Kleine landete mit 9,25 % bei der Wahl auf Platz 3. Nicht unbedingt das Wunschergebnis von so manchem grünen Parteimitglied. Die Partei schnitt besser ab mit 15,24 %.

In einer Stichwahl wurde Kleine vom Stadtrat im Mai mit 32 Stimmen zur dritten Bürgermeisterin in Ingolstadt gewählt. Bisher immer eine ehrenamtliche Funktion. Nun, mit Petra Kleine, gibt es in Ingolstadt erstmals eine gut dotierte hauptamtliche dritte Bürgermeisterin.
   
Kleine, grünes politisches Urgestein in Ingolstadt und seit 36 Jahren Stadtratsmitglied, dürfe damit am Höhepunkt ihrer politischen Karriere, dies nun sogar im Hauptamt, angekommen sein. Die Kommunalpolitikerin hat sich im Laufe ihrer politischen Arbeit nicht nur Freunde gemacht, sei es bei den politisch Andersdenkenden oder gar in den eigenen Reihen. Dies wurde letztmalig bei ihrer Nominierung zur Oberbürgermeisterkandidatin der GRÜNEN öffentlich deutlich. Obwohl es keine Gegenkandidatur gab, erhielt Kleine nur 26 von 35 Stimmen.

Dies lag wohl auch an ihrer Art mit Menschen umzugehen, die eine andere Position vertreten als sie selbst. Diplomatie war bisher nicht die Stärke von Petra Kleine. Als burschikos wurde ihr Auftreten nicht nur von einigen Stadtratsmitgliedern bezeichnet.

Im zurückliegenden Wahlkampf versuchte sich die Stadträtin stellenweise als verbindendes Element darzustellen. Vom damaligen Oberbürgermeister der CSU wurde Petra Kleine geschätzt. Dies tat dieser sogar in einer Stadtratssitzung kund, wie auch im zurückliegenden Kommunalwahlkampf. Aufgrund des immer vorhandenen Gesprächsfadens mit dem damaligen Oberbürgermeister Lösel wurde Kleine auch bei einer eventuellen „Koalition“ zwischen CSU, FW und GRÜNEN, im Vorfeld der jüngsten Kommunalwahl, als mögliche Bürgermeisterin gehandelt.

Bei der zurückliegenden Diskussion zur Auflösung des Umweltreferates nach der Kommunalwahl war von Petra Kleine, dem personifizierten ökologischen Gewissen Ingolstadts, nicht viel zu hören. Dies lag wohl daran, dass ihr diese Aufgabe, als Bürgermeisterin, zugeordnet werden sollte. Sie also Profiteurin davon war, als sich ihr Partei“kollege“ Rupert Ebner nicht mehr zu Wahl als Umweltreferent stellen konnte.

Zwischen Kleine und Ebner schwelte ein jahrelanger Konflikt, der in der Ingolstädter Politik bekannt war. Wenn man Kleines ethische Wertmaßstäbe zugrunde legt, die diese über mehr als drei Jahrzehnte im Stadtrat zum Besten gab, hätte man erwarten dürfen, dass Kleine den amtierenden Umweltreferenten Ebner offiziell informiert, dass es kein Umweltreferat in Ingolstadt mehr geben wird. Dies erfolgte nicht, deshalb trat Ebner sein Stadtratsmandat nicht an. Er wollte wieder zum hauptberuflichen Umweltreferenten kandidieren, den es laut Mehrheitsbeschluss des Stadtrates nun nicht mehr geben wird. Somit ist Ebner weder Stadtrat noch künftig weiter Umweltreferent.

Seit der Wahl zur Bürgermeisterin, Anfang Mai, hat Kleine in diesem Amt noch keine wirklichen Spuren hinterlassen. Unverständnis erntete sie von Stadtratsmitgliedern, da sie bei der Waldbegehung des Stadtrates nicht dabei war, obwohl das Thema in ihren Zuständigkeitsbereich fällt. 

Eine erste Bilanz zu Kleines Wirken als Bürgermeisterin wird man frühestens in einem Jahr ziehen können. Die Hürden für die Bewertung ihrer Arbeit hat Petra Kleine selbst enorm hoch gelegt, wenn man ihre zurückliegenden Haushaltsreden und Wortbeiträge in 36 Jahren Stadtrat für eine ökologische Stadt betrachtet. 

Kleine, die frühere grüne Revoluzzerin des Stadtrates, ist im politischen Establishment Ingolstadts angekommen, was nicht nur dadurch deutlich wird, dass ihr zum 60. Geburtstag, trotz der kurzen Zeit als Bürgermeisterin, ein Empfang der Stadt Ingolstadt durch den Oberbürgermeister zuteil wird, der für die Stadträtin oder Fraktionsvorsitzende Kleine so wohl nicht stattgefunden hätte.

Lesen Sie hierzu auch diese Berichterstattungen:

OB Scharpf: „Lasst endlich Petra Kleine in Frieden!“ <mit Kommentar>

Kritik und Bashing-Vorwürfe im sozialen Netzwerk zu Veröffentlichungen von O-T(h)öne

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