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Kammerspielestreit und Werners Fehltritt mit der Nazivergangenheit: Schweigen – Wegducken – Aussitzen

Kammerspielestreit und Werners Fehltritt mit der Nazivergangenheit: Schweigen – Wegducken – Aussitzen

Von Thomas Thöne

Stellen Sie sich einmal vor, Stadtrat Albert Wittmann oder ein anderes Mitglied der Ingolstädter CSU-Stadtratsfraktion hätte auf Facebook einen Vergleich zwischen einer Kampagne irgendeines Bürgerbegehrens in Ingolstadt und der Nazi-Publikation "Der Stürmer“ gezogen. Was wäre da in Ingolstadt los gewesen? Wie hätten LINKE, SPD, GRÜNE, UGW und andere politische Kräfte hier reagiert? Wahrscheinlich noch wesentlich heftiger als bei dem Ausspruch des „Deppenhaufens“ von Wittmann im Ingolstädter Stadtrat, als damaliger Bürgermeister, oder dem Facebook-Posting eines CSU-Stadtrates auf einem Schießstand. „Scharpf geschossen“, hieß es in diesem, mit Anspielung auf den damaligen SPD-Oberbürgermeisterkandidaten Christian Scharpf.

In Bezug auf Stadtrat Werners Fehltritt, der auf seiner privaten Facebook-Seite einen Vergleich zwischen der Plakatkampagne der Initiatoren des Bürgerbegehrens "Keine Kammerspiele an der Schutterstraße" und der Nazi-Publikation "Der Stürmer" zog, verweigerten Oberbürgermeister Christian Scharpf (SPD) und einige kommunalpolitische Mandatsträger und Fraktionsvorsitzende Antworten auf redaktionelle Nachfragen zu dem Vorgang. Andere wichen in Antworten aus oder gingen überhaupt nicht auf die tatsächlich gestellten Fragen ein.

Es war nicht nur Werners Posting mit Bezug zur NS-Diktatur, was für Empörung führte. Ein weiterer Facebookbeitrag eines anderen Users sorgte für Entsetzen. Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Hans Stachel, wurde in diesem als "Oberchef dieser SA" bezeichnet.

Wie aus Kreisen der Ingolstädter SPD gestern verlautbarte, stand der Verfasser dieses Facebook-Postings im Jahr 2014 auf der Ingolstädter Stadtratsliste. Zu diesem Facebook-Beitrag war ebenfalls keine Antwort vom Oberbürgermeister und der Mehrheit der Ingolstädter politischen Spitzen zu erhalten.

Eine Ausnahme gibt es allerdings. Der CSU-Fraktionsvorsitzende Alfred Grob, auch Mitglied des Bayerischen Landtages und der CSU-Kreisvorsitzende Stefan Huber, zeigten klare Kante gegen derartige Ausfälle auf Facebook. "Was hierbei aber absolut inakzeptabel ist, sind Vergleiche mit der NS-Zeit oder "dunklen Zeiten", wie sie Achim Werner und Manfred Schuhmann ziehen", sind sich die Ingolstädter CSU-Spitzen einig. Manfred Schuhmann (SPD) sprach öffentlich davon, dass ihn die Plakate der Kammerspielgegner „an Plakataktionen aus der dunklen Zeit deutscher Geschichte“ erinnern würden.

Grob und Huber wurden noch deutlicher in ihrer Antwort: "Die geistigen Totalausfälle" von einem Facebooknutzer wollten beide gar nicht kommentieren. "Aber gerade von einem Historiker wie Manfred Schuhmann hätten wir uns hier mehr Fingerspitzengefühl erwartet. Vielleicht sollte auch Achim Werner mal wieder ein Geschichtsbuch zur Hand nehmen und nachlesen, was der "Stürmer" alles geschrieben hat".

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