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Man gewinnt den Eindruck, dass Geld in der Stadt Ingolstadt unbegrenzt zur Verfügung stünde

 Man gewinnt den Eindruck, dass Geld in der Stadt Ingolstadt unbegrenzt zur Verfügung stünde

O-T(h)öne gibt Fraktionen und Gruppierungen im Ingolstädter Stadtrat, sowie ausgewählten Personen des gesellschaftlichen Lebens und aus dem journalistischen Bereich, in der Rubrik "Aus fremder Feder", die Möglichkeit eines Gastkommentars zur Ingolstädter Kommunalpolitik. Das Thema ist durch den Gastkommentator frei wählbar, ebenso die Länge des Textes. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser des Gastkommentars.

Gastkommentar von Ralf Bauernfeind,

Stadtrat in Ingolstadt von 2002 bis 2008

Nun ist sie also raus, die Zahl, die vielen Kommunalpolitikern schlaflose Nächte bereitet haben dürfte. Mit 38,9 Millionen Euro Baukosten wird der Neubau der Kammerspiele von den Planern veranschlagt. Rund 40 Millionen Euro dafür, dass das eigentliche Problem noch nicht einmal angegangen wurde.

Man gewinnt den Eindruck, dass Geld in der Stadt Ingolstadt unbegrenzt zur Verfügung stünde. Klar, der Freistaat Bayern bezuschusst das Projekt – keine Frage. Aber es wird eben nicht bei den Baukosten bleiben. Laut einer Studie von Prof. Dr. Fritz Berner des Instituts für Baubetriebslehre an der Universität Stuttgart beziffern sich die Kostensteigerungen bei Museen und Kulturbauten auf rund 75%. Dies außer Acht lassend wäre also eine Kostensteigerung von nur 20% ein Schnäppchen. Es würde somit allein von rund 50 Millionen Euro gesprochen.

Ein weiterer Aspekt ist der Wegfall von rund 96 Parkplätzen in einer städtischen Tiefgarage. Genau diese TG wurde für viele Millionen Euro durch Steuergelder erbaut und erst vor Kurzem für ein paar Millionen Euro aufwendig saniert. Ein Schildbürgerstreich, diese frisch sanierten Plätze nun mit der Spitzhacke zu zerstören. Nun kann man Kunst und Kultur als prägende Säulen der Gesellschaft nicht nur in Euro und Cent aufwiegen. Die Darstellung in mancher Diskussion, die Menschheit ginge unter, ohne die Kammerspiele in Ingolstadt ist allerdings sehr weit hergeholt. Niemand opfert das Stadttheater oder möchte gar die Kultur abschaffen.

Ich hoffe inständig, dass sich die verantwortlichen Stadträte der Tragweite ihrer Entscheidung bewusst sind. Es darf bei aller emotionaler Diskussion nicht das Grundliegende aus den Augen verloren werden. Das Stadttheater muss saniert werden. Die Zustände darin sind nicht tragbar und der Brandschutz nicht mehr zeitgemäß. Alleine diese Sanierung wird rund 100 Millionen Euro kosten!

Die Kammerspiele sind die Ersatzspielstätten für die Sanierung des Stadttheaters. Diese Ersatzspielstätten können durchaus auch anders gestaltet sein. Seit der Theatersanierung in Freiburg 1995 wurden vielerorts Sanierungen mit einem Zelt als Ausweichquartier verwirklicht. Als Beispiel dienen Heidelberg, Landshut, Altenburg, Rostock und viele weitere.
Auch eine Zusammenarbeit zwischen einem „Opernzelt“ und der GVZ Halle B wäre denkbar.

Der zusätzliche Platzbedarf des Stadttheaters (Werkstätten, Fundus, …) könnte sicherlich auf der bestehenden Tiefgarage im Osten realisiert werden, ohne die Struktur der TG Theater Ost zu gefährden. In Zeiten massiv einbrechender Gewerbesteuern müssen alle Projekte auf das Notwendige und nicht nur das Wünschenswerte überprüft werden! Notwendig ist die teure Sanierung des Stadttheaters. Notwendig sind kleinere Erweiterungen des Stadttheaters. Wünschenswert, aber nicht mehr, sind die Kammerspiele an diesem Standort zu diesen Kosten. Schließlich ist es das Geld der Ingolstädter und bayerischen Steuerzahler! Jeder Politiker darf dies bei seinen Entscheidungen nicht außer Acht lassen.

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