Stadtentwicklung mutig angehen

Stadtentwicklung mutig angehen

O-T(h)öne gibt Fraktionen und Gruppierungen im Ingolstädter Stadtrat, sowie ausgewählten Personen des gesellschaftlichen Lebens und aus dem journalistischen Bereich, in der Rubrik "Aus fremder Feder", die Möglichkeit eines Gastkommentars zur Ingolstädter Kommunalpolitik. Das Thema ist durch den Gastkommentator frei wählbar, ebenso die Länge des Textes. Die Veröffentlichung erfolgt nicht redigiert und ungekürzt. Die Verantwortung für den Inhalt trägt allein der Verfasser des Gastkommentars.

Gastkommentar von Raimund Reibenspiess, Stadtrat der Freien Wähler

Seit 60 Jahren kann ich die ständigen Veränderungen in der Stadt beobachten und erleben. Die Einwohnerzahl hat sich seitdem mehr als verdoppelt, die verschiedenen Kulturen vervielfacht.

Deshalb möchte ich einen Blick zurückwerfen, ohne Sentimentalität, auf Schlittschuhfahren auf dem Künettegraben, Radfahren auf der geschotterten Südlichen Ringstraße mit Baumbestand, Ampelsteuerung an der Bundesstraßenkreuzung Theresienstraße, Ludwigsstraße und Volksfeste vor dem Freibad, um nur einige Beispiele zu nennen. Das war gestern. Diese Eindrücke haben mich geprägt, haben eine enge Beziehung zur Stadt geschaffen. Natürlich immer im Zusammenhang mit den vielen zwischenmenschlichen Beziehungen und gemeinsamen Erlebnissen, die Ingolstadt mit seinen Schulen und kulturellen Einrichtungen ermöglicht hat.

Heute können wir rückblickend sehen, welche Auswirkungen das immense Wachstum bis hin zur Großstadt mit sich brachte.

Jede Zeit hat seine Präferenzen und wirtschaftlichen Gegebenheiten, die eine städtische Entwicklung beeinflussen. Das Bevölkerungswachstum und die damit verbundene Dynamik der Mobilität haben Ingolstadt seither genauso stark geprägt, wie der Aufstieg der Audi AG zu einem internationalem Großkonzern. Auch die Rückkehr der Universität hat wesentlich zu Veränderungen in baulicher, kultureller und gesellschaftlicher Hinsicht beigetragen.

Die positiven Entwicklungen der Jazz- und Kabaretttage, die Angebote des Stadttheaters, das Georgische Kammerorchester, die Aktivitäten in der Harderbastei, die Kreativität vom KAP 94, der Kunstverein, die Literaturtage, der Oktober ist eine Frau, die bundesweiten Erfolge in verschiedensten sportlichen Bereichen und vieles mehr, haben Ingolstadt weit über unsere Regionalgrenzen hinaus präsenter gemacht.

Eine Stadt muss viele Pflichtaufgaben erledigen. Kindergärten, Schulen, kulturelle Einrichtungen, Landschaftspflege, Energie- und Wasserversorgung, kommunale Ämter und vieles mehr erfordern einen wohl durchdachten Haushaltsplan. Wie konnte sich die Bevölkerung in diesen Entwicklungsprozess einbinden, seine Vorstellungen einbringen?

Dazu gab es zahlreiche Sitzungen, Workshops und Informationsveranstaltungen zu den Themen Verkehr, Altstadt und Bauvorhaben, die von städtischer Bedeutung waren und sind.

Einige Gestaltungsmaßnahmen sind schon seit Jahrzehnten im Gespräch, deren Umsetzung ist aber nur teilweise oder gar nicht vorgenommen worden. Dazu gehört die Aufwertung der wichtigen Nord-Süd-Achse in der Altstadt und das Bestreben, die Stadt selbst näher an die Donau zu bringen. Im Zuge der Landesgartenschau 1992 wurde mit der Gestaltung des Klenzeparks ein sehr attraktiver Aufenthaltsraum geschaffen, die Anbindung an die Donau bedarf aber noch einer großen Umgestaltung. Die Entwürfe von Oficinaa mit dem Donauloop und den Donauterrassen, welche die Stadt großformatig an die Donau brachten, verschwanden wie andere Planungen für die Altstadt in den Schubläden.

Mit den Planungen zu den Kammerspielen, dem Bau des Kongresszentrums und des Museums für Konkrete Kunst und Design, um wieder nur exemplarische Beispiele zu nennen, werden neue Akzente des Stadtbildes gesetzt, die teils sehr kontrovers betrachtet werden. Auch wenn es bisher nicht gelungen ist einen größeren Teil der Stadtbevölkerung für ein städtisches Bauvorhaben zu gewinnen, kann man den Reaktionen der Bürgerschaft in den öffentlichen Medien entnehmen, dass der Wunsch nach einem „spektakulärem“ Bauwerk sehr ausgeprägt ist.

Wichtig ist die Identifikation der Ingolstädter mit ihrer Stadt. Dazu braucht es nicht nur optisch reizvolle Gebäude, sondern vor allem Räume und Plätze für das Gemeinsame und Verbindende einer Stadtgesellschaft. Mit der zweiten Landesgartenschau gewinnen wir solch ein bedeutsames Areal für alle Ingolstädter.

Dass Kulturleben, der Sport und Gastronomie eine wichtige Rolle spielen, hat uns der Corona Virus schmerzlich vor Augen geführt. Lasst uns die Stadtentwicklung mutig angehen, damit wir Orte in den Stadtvierteln schaffen, die uns zusammenführen, uns eine hohe Wohn- und Aufenthalts- und Lebensqualität ermöglichen.

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