Ingolstadt steht auf: 6000 Menschen zeigen Gesicht

Bereits während der Anfahrt zur Demonstration gegen die politische Rechte auf dem Ingolstädter Paradeplatz wurde deutlich, dass die Teilnehmerzahl enorm sein dürfte. Von der Glacisbrücke, dem Brückenkopf und dem Klenzepark strömten zahlreiche Fußgänger und Fahrradfahrer über die Konrad-Adenauerbrücke, und in der Tränktorstraße stauten sich die Fahrzeuge zurück zur alten Donaubrücke. Je näher man dem Veranstaltungsort kam, desto größer wurden die Menschenströme.

Über 6000 Menschen nahmen friedlich an der Kundgebung gegen die politische Rechte teil, die unter dem Motto stand: „Auch Ingolstadt zeigt Gesicht für Demokratie und Vielfalt“. Nicht alle fanden Platz auf dem Veranstaltungsort vor dem Ingolstädter Gewerkschaftshaus. Ein Durchkommen durch die Menschenmasse war teilweise unmöglich. Eine derart große Versammlung hat man auf dem Ingolstädter Paradeplatz schon lange nicht mehr gesehen. Das Bild erinnerte an die besten Zeiten der örtlichen Gewerkschaften, als die letzten Demonstrationsteilnehmer damals am Brückenkopf loszogen und die ersten bereits ihre Plätze auf dem Paradeplatz einnahmen. Angemeldet zur heutigen Veranstaltung waren 200 Personen, so ein Polizeisprecher.

Es war eine bunte Menschenansammlung, die heute gegen die politische Rechte, insbesondere die AfD, demonstrierte. Viele Menschen mit Migrationshintergrund folgten dem Aufruf von 50 Organisationen. Von der Verkäuferin bis zur Geschäftsführerin, vom Lagerarbeiter bis zum Psychologen, viele Familien mit Kindern, von denen die Plakate selbst gestaltet waren, zeigten Gesicht. Es war überwiegend die sogenannte Mitte der Gesellschaft, die heute in Ingolstadt deutlich Flagge zeigte gegen Rechtsgesinnte und die AfD.

In Gesprächen mit den Teilnehmenden wurde immer wieder deutlich, was diese motivierte, im wahrsten Sinne des Wortes Gesicht zu zeigen. Es war das Treffen hochrangiger AfD-Politiker, Neonazis und finanzstarker Unternehmer im November des letzten Jahres in einem Hotel bei Potsdam, die nichts Geringeres planten als die Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland. „So etwas hätte ich nie für möglich gehalten“, sagt eine junge Mutter. Ihr Mann ergänzt: „Jetzt ist es Zeit, dass wir auf die Straße gehen. Die Anständigen unseres Landes müssen aufstehen, um die Demokratie zu verteidigen“.

Zahlreiche Redner, unter ihnen der Ingolstädter Oberbürgermeister Christian Scharpf, machten deutlich, dass man die Werte und die Freiheit gegen rechtes Gedankengut in Deutschland verteidigen müsse. Es wurde auf die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz ebenso verwiesen wie auf das Leid der NS-Diktatur. „Nie wieder, heißt jetzt!“, war auf mehreren Plakaten zu lesen. Die Fahnen vor dem Ingolstädter Rathaus waren in Erinnerung an den 27. Januar 1945, der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, auf Halbmast gesetzt.

Foto: Thomas Thöne
Foto: Thomas Thöne
Foto: Thomas Thöne

Quelle: Eigene Berichterstattung.

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