Weniger Frühgeburten und mehr Kaiserschnitte

In Bayern werden wieder weniger Babys zu früh geboren. Im vergangenen Jahr brachten Versicherte der Techniker Krankenkasse (TK) im Freistaat 1.045 Kinder vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Das sind 124 Frühgeburten weniger als im Vorjahr und entsprach einem Anteil von 6,06 Prozent an allen Entbindungen. Das ist der zweitniedrigste Stand seit 2016. Nur im Jahr 2020 lag der Anteil der Frühgeburten an allen Entbindungen mit 5,71 Prozent noch niedriger. Der Auswertung liegen Abrechnungsdaten der TK seit 2016 zugrunde.

Anteil der Kaiserschnittentbindungen wieder auf dem Niveau von 2017

Anders ist dagegen die Entwicklung bei den Entbindungen per Kaiserschnitt. Vergangenes Jahr kamen 4.948 Babys von TK-Versicherten in Bayern auf dem OP-Tisch zur Welt. Damit stieg die Quote gegenüber dem Vorjahr um 0,11 Prozentpunkte auf nun 28,70 Prozent an. „Die Sectiorate erreicht in etwa wieder das Niveau von 2017. Das konterkariert die Bemühungen von Politik und Ärzteschaft, die sich seit Jahren für weniger Kaiserschnitte einsetzen“, sagt Christian Bredl, Leiter der TK in Bayern.

Bereits 2016 veröffentlichte die Bundesregierung das nationale Gesundheitsziel „Gesundheit rund um die Geburt“, um gesunde Schwangerschaften und natürliche Geburten zu fördern. Danach folgte im Juni 2020 die erste S3-Leitlinie zum Kaiserschnitt der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). In dieser wissenschaftlich begründeten Handlungsempfehlung stehen wichtige Hinweise zur korrekten und ausführlichen Beratung der Schwangeren, zur Indikation, zum Zeitpunkt der Operation und zur anschließenden Behandlung danach. Die Expertenrunde macht zwar keine Vorgaben zu einer Sectio-Rate, sieht es aber als gesichert an, dass über 15 Prozent Kaiserschnitt-Geburten keinen günstigen Einfluss auf die mütterliche und neonatale Morbidität und Mortalität haben.

Frühgeborene und Kaiserschnittkinder haben höheres Risiko für Erkrankungen

Der TK-Kindergesundheitsreport zeigt offensichtliche Effekte von Frühgeburt und Sectio auf. So haben diese Kinder bis zum achten Lebensjahr signifikant mehr Probleme beispielsweise mit der Atmung, dem Magen-Darm-Trakt und der kindlichen Entwicklung als reif oder vaginal geborene Babys. „Junge Familien und werdende Mütter, die zum ersten Mal entbinden, sind oft unsicher“, so Bredl. „Ängste und mangelnde Informationen tragen auch dazu bei, dass Deutschland im europäischen Vergleich immer noch eine überdurchschnittliche hohe Kaiserschnittquote hat.“

Quelle: TKK

Diesen Beitrag teilen
Anzeige