Schäuble und Ettinger mimen den toten Mann

Von Thomas Thöne

„Was um alles in der Welt hat denn Schäuble und Ettinger geritten?“, war in den letzten Tagen nicht nur aus der Jungen Union Ingolstadt und der CSU, sondern auch von anderen politischen Parteien und Gruppierungen zu hören. Beide FDP-Stadträte hatten sich in einem internen Konflikt zwischen der Jungen Union Ingolstadt und Stadtrat Markus Meyer (Junge Liste) mit einer Pressemitteilung positioniert. Mit dieser öffentlichen Verlautbarung sprangen sie für Meyer in die Bresche. Wie berichtet hatte sich der Kreisvorstand der Jungen Union Ingolstadt am Freitag in einer Sondersitzung einstimmig dazu entschlossen, die Zusammenarbeit mit Meyer mit sofortiger Wirkung zu beenden.

Die FDPler schwärmten von einem kommunikativen und stets zur Zusammenarbeit bereiten Markus Meyer, ebenso von der exzellenten sachlichen Arbeit des „geschätzten Kollegen“ Meyer. Eine derartige Lobpreisung in einer Pressemitteilung wirft Fragen auf, auch bei Medienvertretern.

Auf mehrere Mails von O-T(h)öne gab es von Jakob Schäuble und Karl Ettinger keinerlei Reaktion. Abgeleitet von einer Schwimmfigur ist festzustellen, beide mimenden den toten Mann. Fragen, wie „Was war Ihre Motivation, sich öffentlich zu einer rein JU-internen Angelegenheit zu äußern?“ oder „Hat Sie Herr Stadtrat Meyer gebeten, sich entsprechend zu äußern?“, wären ohne größere Probleme zu beantworten gewesen. In Stadtratssitzungen findet sonst besonders FDP-Stadtrat Schäuble ohne Probleme den Weg zum Mikrofon, um seine Ansichten kundzutun.

Scheinbar sehen Schäuble und Ettinger die Aufgabe von Medien und Medienvertretern ausschließlich darin, ihre Pressemitteilungen zu veröffentlichen. Dies ist allerdings ein Trugschluss.

Das Becircen von Meyer durch die FDP-Stadträte diente vielleicht dem Zweck, die Tür zur FDP offenzuhalten, falls dieser sich nach einer neuen politischen Heimat sehnen sollte. Immerhin erhielten die Freien Demokraten mit einem weiteren Stadtratsmitglied den Fraktionsstatus, mit all seinen Vorzügen und Annehmlichkeiten. Würde politische Peinlichkeit in einer Skala Schäuble/Ettinger gemessen, würde besagte Pressemitteilung auf der obersten Stufe zehn anzusiedeln sein.

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